Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

  
   

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Kummer  145

Rosenheimer  Anzeiger

Mittwoch,  27.  Jnni  1917

 

HHaras  meldet:  Der  französische  Oberlomunssär
  Jonnart  begab  sich  mit  dem  Ministerpräsidenten
  SZaimis  ins  Schioß  und  haite  eine
lane  Unterredung  mit  dem  König.  Das  Ministe
  um  soll  zurũckgetreten  und  Venizelos  mit  der

Menbildung  des  Kabinetts  beauftragt  worden
sein.

Griechenland  und  die  Türkei.

Wie  aus  Konstantinopel  verlautet,  wird  vielleicht
  bald  eu  gricchische  Gesandte  und  das
Personal,  ohne  daß  bis  zu  einer  Kriegserllärung
  oder  zu  einem  Abbruch  der  Be  Rehungen
mind  yr  Pforte  gegangen  wird,  veranlaßt  werden,
  Konstantinopel  zu  verlassen.  Die  Gewaltherrschaft
  der  Entente  schrect  vor  nichts  zurück.

Die  Lazarettschifse.

Nach  Ausfagen  von  aus  der  esangenschaft
entslohenen  Bulgaren  laufen  jede  Woche  zwei
bis  drei  Schisse  mit  d#em  Abzeichen  des  Roten
Kreuzes  in  Salenili  ein.  Die  Ladungen  oder
#  1  besteben  aus  Lebensmitteln  und  Munition.
  Die  Bulgaren  mußten  bei  der  Entladung
etwa  50  solcher  Schisse  selbft  helien.

 

.  »
Berschtedene  Nacheichten.
Dreeden,  25.  Juni.  Unweit  Dresden  ist.
in  einem  Kornfeld  oberhalb  Rosentitz  die  Leiche
der  neunjahrigen  Elli  Naumam,  der  Tochter

eines  Gutolesiyers  in  Eutschütz,  aufgefunden
  mearden.  Die  kutter  hattef  ihre

Tochter  sortgeschidt,  um  von  einem  kriegegesangenen
  Franzrien,  der  an  der  Straße  Kirschen
pfiuckte,  Obst  zu  holen;  es  iit  noch  nicht  feslgestelll,
  ob  ####r  Franzose  an  dem  Verbrechen  beteiligt
  ist.

Görlit,  25.  Juni.  Der  Kriea  mit  seinem
ungeleuren  Verürauch  an  Mee  en  aller  Art  hat
un  geiwung.  u,  die  deunsche  Erde  mil  ganz  besonderer
  Soraf  an  darauf  zu  erifen.  ob  sie  nicht
noch  bieher  unnusgebe  ntele  für  de  Mertallgewinnung
  wertur  Sile.  ätze  birgt.  Dieses  Suchen
iit  ja  auch  —  erfolgreich  gewesen
Hier  iit  man  auf  nene  Kohlenfunde,  dort  auf
«  leum  gestost  Venerdinge  hat  man  in  der

end  den  Städtchens  Hogyerswerda  in
Niederschlesien  die  Caideung  gemacht,  daß  der
Voden  zur  Gewin  nung  v.  Aluminium  sehr  geeig-—
*Dlr  isi.  Aluminium  in  heute  als  Ersatzmetall  für
das  beschlagnahmte  Kupfer  und  Jinl,  wenigstens
für  beuimmie  Vetriebe,  aber  auch  al-  Kriegsmetall
  selbit  sehr  wertroll.  Die  Vorarbeiten  für
die  Errich  tung  eines  großen  Aluminiumwertes
sind  bereito  im  Gange.

Wien,  55.  Juni.  Nach  einer  Meldung  aus
Vedenba  in  Boh-  men  sulle  die  sürslich  Thunsche
  Brauetei  annatt  des  Maljes  Versuche  mit
Henig  zum  rauen  an,  die  so  günftig  aussielen,

daß  die  Erzeugung  des  H#nigbieres  im  großen
nun  betrieben  wird.  Rachoem  von  der  Behörde
die  Bewilligung  zum  Auss  zsci  anl  erteilt  wird,  hat
dieser  jetzt  begonnen.  Der  Honig  wurde  aus  Ungarnu
  bezogen.  Unter  diesen  Umständen  wird
u.el.  auck  der  Honig  bald  verschwunden  sein.

 

 

 

 
  
    

Arn.

Neunorl.  25.  Juni.  Nach  einem  Teleyramm
  aus  Harama  is  das  Magazin  der
Festung  von  Küba  in  der  vergangenen  Nacht  in
die  uft  gesiegen.  ganze  Stadt  wurde  erd
  ütterl,  eine  %  un  rde  getötet  4,  viele  wurden
versetzt.  Cs  leißi,  daß  eine  in  der  Nähe  des
Magazins  niedergelegte  Bombe  die  Ursache  der
Erplosion  war.

Boslusche  Nauöschav.
Die  Wünsche  der  Lehrerschaft.
Eine  Nerr#lng  des  Hauptausschusses  des
bayer.  Volsch##llehrervereins  wurde  am  25.

Die

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Von  einsamen  Menschen

Roman  von  Fritz  Gantzer
9)  Magdrag  ver

Eme  Deine  Angli  s#eg  in  ihr  auf.
wolil-  amieoren,

r  sie  tam  nicht  mehr  zur  Ausführung
E  E  Sie  empfand  plötlich  eine
vrenzenlose  Matligkeit  und  ein  sechendes,
prickelndes  Gefsühl  in  allen  Gliedern.  Vor
ihren  Ohren  jaufte  und  brauste  es,  und  ihre
Augen  jahen  nur  glühende,  blendende  Ringe
und  Funken.  Mithlam  schleppte  lie  sich  noch
wenige  Schrilte  weit  vom  Wege  ab  in  das
Wälochen  hinein.  lind  dann  fsank  sie  mit  einem
klagenden  Laut  nieder  und  fühlte  ihre  Sinne
schwinden.  Ihr  leies  Denlen  galt  dem,  den
sie  vorbin  so  warm  und  tapfer  verteidigte.

Vater!“  murmelte  s##

Ein  müdes  Lacheln  umispielte  ihre  Lippen.
Und  dann  legte  sich  ihr  Haupt  schwer  gegen
einen  der  weihen  Stämme

Der  Abendwind  ging  mit  heimlichem  Erzählen
  *  das  Gehölz  am  Dorfe  und  setzte
sich  in  die  herbsilichbunten  Kronen  der  Bicken,
um  ihre  Höngezweige  leise  zu  schanteln.  Und
bin  welkes  Blatt  um  das  andere  löste  sich  von
seinem  Sommersitz  und  sentte  sich  müde  3
Erde.  Viele  der  gelben  Vögel  schmiegten  6
Uebepnend  an  das  benn  des  im  Schlaf  d
Urschöpfung  ruhenden  „#öbintenralde?.
Und  die  glänzenden  Augen  des  Himmels  hielten
treue!  *  cht.  —

eligang  Warnick  kehrte  erst  weit  in  der
asten  Stunde  von  seinem  erfolglos  gebliebenen
Suchen  zurück.  Er  war  bis  Westrun  gemesen.

 

 

Juni  vom  RKukltusminister  Dr.  v.  Kuilling
empfangen.  Der  der  Audienz  bestand
darin,  daß  die  Vertretung  eine  am  3.  Mai  eingereichte
  Eingabe  betreffend  die  Vorlage  eines
Lehrergesetzes  mündsich  ntersruen  wollte.  Von

berlehrer  wurde  auf  die  Eingabe
hingewiesen  und  die  dringende  Bitte  an  den
Kultusminister  gerichtet.  dem  im  Hublt  zusammemretenden
  Landtag  das  Lehrergesetz  vorzulegen
  unter  Jugrundelegung  der  Deusskrift“  der
bayerischen  Staateregierung  vom  12.  Junie
1914,  der  Eingabe  des  Bayer.  Volksschullehrervereins
  vom  12.  März  1909  und  mit  Gebastesahen.
  die  den  Gegenwartsverhälknissen  entsprechen.
  Der  Kultusminister  wies  auf  die  außer-L
  en  Schwierigleiten  hin,  die  die  Vorbereitung
  des  Lehrergesetzes  verursache.  Co#  werde
tatsächlich  im  Kultueministerium  an  dem  Le  ehrergesetz
  mit  grotem  Fleiß  gearbeitet,  die  erforderlichen
  Unterlagen  und  Erhebungen  eniichtiich
der  Abtrennung  des  Meßdiensies,  der  Ablösung
der  Lehrer-Mesnerhäuser,  der  Ueberführung  des
Fassionssystems  in  das  Geloyst.  zm  lönnten  zurzeit
  kaum  bewältigt  werden.  Die  äuferen  Verwaltungsbehörden
  seien  durch  die  Arbeiten,  die
die  Vollsernährung  erforderc,  ungeheuer  überlastet
  und  um  Nande  ihrer  Leistungssähigieit  angelangt.
  Alle  diese  Erhebungen  aber  seien  als
lnterlage  für  das  hrerg:  L  origend  er·
sorderlich.  Cr  erlenne  an.  daß  die  rechklichen
und  Gehallsrerhältnisse  der  Lehrer  unter  ailen
Umständen  gesetzlich  geregelt  werden  müstten  und
das  sobald  als  möglich.  Er  sei  aber  nicht  imstande,
  zuasickern,  daß  die  Gesetzesvorlage  schon
dem  im  Herbst  zusammentrelenden  Landtäge
öllgesch  lossen  Vverden  lönne.  Im  Staateminislerium
  werde  in  den  nächsten  Wochen  die  elwaige
Neuregelung  der  Beamtengehälter  Gegenstand
der  Veratungen  sein.  Sollte  der  lünftige  Landlag
  mit  einer  solchen  Torlage  sich  zu  befassen
#aben.  sei  es  selbstre  erständlich,  das  auch  das
Lehrergesetz  in  jeder  Korm  dem  Landtage  vorgelegt
  werden  müßte.  urzeit  tönne  und  dürfe  er
eine  beslimmte  Zusage  für  einen  bestimmten  Zeitpunlt
  nicht  geben,  da  angesichts  der  unge  heuer
schweren  Weitlage  Verhällnisse  eintreten  lönnten,
  die  die  Vorlage  eines  jeden  Gesetzes  un-Mmé
  glich  machten.  zum  Scchlusse  drüdte  der  Kultuominister
  wiederholt  seinen  seslen  Willen  aus,
die  Lehrrerhältnisse  durch  ein  Gesetz  endlich  und
nachdrücklich  zu  regeln.  In  der  Mechselbespre-.
chung.  die  sich  der  Darle  Zungen  des  Ministers
anschioß.  wurde  noch  eine  ieihe  von  Fragen  und
Angelegenheiten  der  baderischen  Lebrerschaft  dem
Minister  vorgetragen.  Der  Kultuemmnistrr  stellie
die  Prüfung  und  elwaig?  Berücsichtgung  in
Anesicht.

Hof=  und  Versonaluachrichten.

München,  25.  Juni.  Wie  verlantet,  lommt
der  türlische  Kulineminister  Schülri  Vey  nach
Müncken.  den  bisherigen  Neisebestimmungen
  hat  er  vor,  am  11.  Juli  in  München
cinzutressen  und  drei  Tage  hier  zu  verweilen.

 

seslgenomme  en,  die  nach  den  behordlichen  Felstellungen
  in  den  letzten  vier  Versorgungeperioden
eine  große  Anzahl  von  Brot-  und  Mehl.,  sowie
Fettmarken  in  einer  lithographischen  Knkan.
stalt,  wo  sie  in  Arbeit  slehen,  fälschlich  angsfertigt
  haben.  Ein  großer  Teil  der  Marken  wuror
von  den  Verhafteten  selbst  in  verschiedenen  hiesigen
  Geschäften  abgesetzt  und  der  Rest  an  mehrere
ebenfalls  ermittelte  Personen  teils  gegen  Enkschädigung
  und  teils  schenlungeweise  überlassen.
CEin  zur  Herstellung  der  Marken  benitztes
Klischee  wurde  beschlagnahmt.

Schlemmer  und  Durchhalter.

München,  25.  Jumi.  Seit  einiger  Zeit  weiß
man,  daß  gegen  den  früheren  Pächter  des  Relaurants
  P#eysing-Palais,  Peterhans,  cine
Untersuchung  schwebt.  Dazu  macht  nun  die  „M.
Post“  (Nr.  144  v.  24.  Juni)  folgende  erbauliche
Päeilunden  In  der  Gastslätte  des  Herrn
Peterbans,  so  Pörke  man,  soll  cs  trotz  Nahrungsmiltelne!
  hoch  he  ergegangen  sein.  Wir  wissen
nicht,  wie  weit  diese  Untersuchung  gediehen  iss
und  zu  welchem  Ende  sie  kommen  wird.  Uns
wurde  aber  genügend  Material  unterbreitet.
aus  dem  unzweiselhaft  hervorgeht,  daß  man  be  i
Peterhane  schlemmte,  schlimmer  wie  in  Friedenszeiten;
  und  daß  man  dort,  wenn  man  nur  das
nötige  große  Geld  besaß,  alles  haben  konnte,
mas  den  Gaumen  reizte,  ohne  läsltige  Beschränlung
  und  ohne  lästigen  Marlenzwang.  Bei  Peterhans
  traf  sich  die  goldene  Jugend  und  das
goldene  Alter,  der  Geldadel  u.  der  Geburtsadel.
Der  Restaurateur  bewirtelte  Gaile,  die  im  Monat
  viele  Tausender  sitzen  ließen:  aber  so  anspruchsvoll
  diese  Schiemmer  waren,  kleiner  war
so  verwöhnt,  daß  in  Peterhaus  nicht  zufriedengestelli
  Bätte.  Man  nennt  uns  Namen  von
vt  Prominuten  rtönlichleiten“  von  Grasen
und  Barenuen,  von  Crzellenzen  und  anderen
Hochgeĩe  ellten,  von  Adeligen  von  sehr  hohem  und
nech  hölerem  Rang,  die  im  Palais  Preysing
galüdiicze  und  mariensteie  Stunden  verlebten.
Und  es  sind  solche  darunter,  die  am  allerlautesten
das  Publilum  zum  D  Durchhalten  ermab  nten,  seiost
aber  bei  P.:  eteihane  nich!  auf  die  letzte  Finesie
eines  ausgesuchten  Diners  verzichteten.  Genügie
geiegentlich  einer  der  vielen  Gänge  dem  vermöhnten
  Gaumen  nicht,  so  erhielt  der  Kellner
mit  vornehmer  Geste  den  Auftrag,  die  unberülrrte
  Speise  abzuservieren  und  Piatz  für  das
solgende  Gericht  Zzu  machen.  Und  das  in  einer
Jeit,,  da  der  Můncheuet  ein  Stück  Baäsleinläse
alo  Eraberung  und  Delilateise  nach  Hause  trug
und  sich  zum  Besitz  von  ein  oder  ewei  Kartosseln
beglückwünschte.  Peterhans  bezahlie  hohe  Preise
  beim  Einlauf  und  er  sand  deohalb  Liesekanren.
  auswürts  und  in  München.  Hier  beschäftigte
  er  zwii  Metger,  die  seine  Räucherwaren
herzustellen  Tallen.  Peterhans  berog  die  Nahrungsmittel
  zu  Ueberpreio  und  ohne  Marken.
Man  mus,  dringend  fordern,  daß  man  auch  bei
den  Verteilungsstellen  nachsieht,  denn  irotz  der
Privatbezt  ehungen  dieses  Refslaurateurs  i#t  es
daß  im  Palais  Preysing  solche

 

Nlnchtuer  Reuigteie.

münchen.  25.  Juni.  Vom  1.  Juli  ab  wird
in  München  das  W  vollbier  so  ziemlich  verschwinden
  und  man  wird  in  Ler  Hauptsach:  nur  inehr

Dünnbier  erhalten  lömen.  Neben  dem  dunllen
wird  es  auch  helles  Dünnbier  geben.  Die  Einsührung
  des  Einl  eitsbiere“  in  München  erfolgt
durch  die  Brauer#ien  zur  Sirecung  des  Bieres
freiwillig.  Für  den  Hicresbedarf  vird  auch
lünftig  Vollbier  gebraut.

München.  25.  Juni.  Am  20.  Juni  1917
wurden  die  Chemigraphen  Karl  Schmid,  Otto
Mühlbauer  und  Andreas  Vauernsami  dt  hier

Elend  zerschlagen,  von  Vorwürfen  gepeinigt
und  einen  tiefen  Groll  gegen  den  Vater  im
Herzen  tragend  empfing  ihn  Frau  Negina.

Sein  Gesicht  war  bleich  und  verftört.  Er
lehnte  sich  schwer  gegen  den  Tisch  und  sagte
dtonlos:

„Ich  habe  sie  nicht  gesunden.“

3.  Kapitel.

Der  Nachtwind  sprang  stärker  auf  und  fuhr
mit  einem  klagenden  Stöhnen  durch  die  Hängezweige
  der  Birken  am  Dorfe.  Eg  schien,  als
empfände  er  seine  nächtliche  Wanderung  als
eine  Last,  die  er  abwersen  möchte,  und  deren
er  doch  nicht  ledig  werden  kann,  sondern  die
So  ichleppen  muß  bis  zu  den  Pforten  der

orgenröte.

Gntee  Wolken  gaben  ihm  dos  Gelest.
Aber  er  mochte  sie  in  seinem  Grimm  nicht.  Er
blies  sie  zornig  an,  daß  ihre  nebelfeuchten  Gewänder
  flatternd  zerrissen  und  in  Fetzen  gerteilt
vor  ihm  herflogen.  Da  weinten  sie.  Und  er

ling  die  Unzahl  der  blanken  Tränen  mit  seinen
großen,  gewaltigen  Händen  auf  und  warf  sie
hohnlachend  Vur  Erde.  Wie  ein  nasser  Staub
sielen  sien  nied
Menschen  nennen  das  prosaisch  „Sprüh-5

netzte  die  weißen  Stämme  der  Birken,
*  den  schlanken  Laimen  der  seinrispigen
räser  am  Grunde  als  Cebenssast,  dessen  sie
nicht  mehr  bedursten,  denn  es  standen  schon
im  Sterben,  und  erweckte  mit  seiner  frischen
Kühle  das  „Komödiantenkind“  aus  der  tiejen
schlafähnlichen  Betaudung.

 

Onaniitaten  an  markenpflichtigen  Waren  aufgestapelt
  werden  ionnten.  Die  Untersuchung  gegen
  Peterlans  ist  im  Gange;  aber  Prterhans
iit  nicht  der  einzige  Schuldige;  wenn  er  leine  Abnehmer
  gehabt  hätte,  härte  er  seine  Preistreiberei
  wohl  bleiben  lassen.  Auch  die  Abnelmer
müssen  daher  zur  Rrchenschaft  gerogen  werden.
Ein  nochmaliger  Versuch,  wie  bei  den  Malzschirbern,
  die  Augen  zu-uorücken,  und  erst  emzugreifen,
  wenn's  gar  nicht  mehr  anders  geht,  wird
wohl  hier,  wo  keine  Freundschafterücksichten  eines
Badebesizers  und  Millionärs  verwandtschaftliche
Hemmungen  ereiten,  kaum  zu  ewäãr·
tigen  sein.  —  Die  Verantwortung  fin  diese
Enthüllungen  überlassen  wir  der  „M.

Nottran  wuhte  nucht,  wo  sie  wor,  ais  ne
die  Äugenlider  in  die  Höhe  zwang.  Verktändnislos
  starrie  jie  minutenlang  in  das  Dunkel
Weilie  iie  L#on  aufs  einem  anderen  Stern:  «

Ach  die  Sterne  jener  anderen  Welt
sind  e  dinien  Gefilde,  sondern  Stätten
des  Lichts.  d  sie  sah  nur  Nacht  und  hörte
ein  tchtedd.  s—i  über  ihrem  Haupte

Das  war  wohl  der  Sturm  .  .  .  Und  nun
schälte  ihr  sich  langsam  an  die  Dunkelheit  gewöhnendes
  Auge  sange,  gespensterbast  -l
mernde  Linien  aus  dem  liefen  Sch
Waren  das  Gewänder  gewaltiger  Moard  die
ringoum  standen,  um  sie  zu  töten?  Oder
andere  graujene##egende  Spukgestalten?
Wie,  als  wollte  sie  sich  vor  ihnen  ursbergen,

sie  sich  angsterfüllt  zurück.  Und  da  beben
  ihr  Kopf  etwas  Hartes

Mit  einem  Schrei  entsetzlicher  Furcht  sprang
sie  auf.  Und  daomit  stand  die  Wirklichkeit  neben
ihr  und  reichte  ihr  beruhlgend  die  Hand.

Nun  wußte  sie  alles  Jene  weißen  Gebilde
  waren  Birten.  Und  sie  sland  unter  ihren
Kronen  als  eine,  die  in  Hast  und  Angst  und
Unlenntnis  einen  falschen  Weg  gegangen  war-Mitten
  in  der  Nacht  stand  sie  hier.  In  Sturm
und  Regen.

Ein  Schauder  rann  über  ihren  Käörper.
Nun  erst  enpfand  sie,  aile  beitit  sie  fror.

Rottraut  riß  sich  von  aller  auf  ihr  wie  ein
ungehen  Sre  lastenden  Unenischlostenen.
gewaltjam  los,  dachte  weder  an  ihren  vom
Kopfe  herabgegliltenen  Hut,  noch  an  das  Reisetäschchen,
  sondern  hatte  nur  das  Bestreben,
von  diesem  Orte  fortzukommen  und  zu  laüsen,
immerfort  zu  laufen,  und  wäre  es  bis  an  das
Ende  der  Wel

gelernt  hat,  sich  in  die  v

men  Herden.

 

Baverische  Nachrich#n.

Memmingen,  6.  Juni.  Die  Brotmarlen
werden  von  nun  ab  alle  14  Tage  abgegeben,
um  den  Verbrauch  besser  einteilen  zu  können.  Im
Anschlus  daran  meinte  RNR.  Binger  im  Mags
strat,  daß  das  Publikum  hier  noch  immer  nicht
veränderien  Verhältnisse
zu  fügen  und  in  alter  Wrise  weilerkeben  z0
lannen  meint.  Auch  die  Volkslüche  wird  gerade
pon  den  Arbeitern  am  wenigsten  benützt.  Es
sei  dringeno  geboten,  sich  in  die  Verhällnisse  zu
schicken  und  zu  sparen;  weitere  Julagen  könnten
leinesfalls  gegeben  werden.

Kirchheim  i.  Schw.,  25.  Juni.  Schwere  Einbruckdiebstähle
  verübte'  ein  1  jähriger  Bursche
namenz  Freisinger  von  Heselbach  in  den  letzten

drei  Wochen  in  der  Umgebung.  Er  hielt  sich  versteat,
  konnte  aber  am  letzten  Freilag  sestgenom-Es
  fsanden  sich  bei  ihm  gegen
10  000  Mark  Bargeld  vor.

Cudwigashasen  a.  Rh.  25.  Juni,  An  die
„verwunsch:  enen  Schlösser“  in  unieren  Märchen
erimern  die  Entdeckungen  der  Polizei  in  einem
Banueruho#s  im  naden  Glantal.  Der  Vauer  halte
unter  dem  Fußboden  seiner  Stulen  geheime
Gelasse  8  ebaut  und  mit  Möbeln  schlauest  verstellt.
  In  den  ammern  befanden  sich  reickrt
Bestände.  von  Duürrrsleisch,  SIchinken,  Wurkl,
Mehl.  Kartofseln,  Getreide  u.  J.,  deren  sich  nun
die  Polizei  bemächtigte.

—  —

Baherisches  Oberiaud.

Prien,  25.  Juni.  Die  Feier  des  25jährigen
Priesierjubiläums  des  Distriltsschulinspeklor
Pfarrer  Nilolaus  Frischhut  gestaltete  sich  zu
einer  imposanten  Kundgebung,  an  der  Keiene
Vin-  und  Anwohner  warmen  Anteil  nahmen

Der  Ort  war  fe  esllich  ge  eschmücht  und  reich  befla  m.
der.  Kirchenseier  folgle  eine  Feier  im  Gasthaus
Vaner.  Hof"“,  wo  Vürgermeister  Haas  und

Bezirlsoberlehrer  Hartinger  warme  Ausprachen
an  den  Jubilar  hielien,  der  in  herzl.  Worten  sei-#ner
  Dank  ausdrückte,  mit  der  Versicherung  seiner
ireuen  Hingabr  an  den  ihm  anvertrauten  Wirlungelreis.
  Der  Cäcilienverein  trug  unter  Leilung
  des  Chorreg  enten  Merrmüller  einige  Lieder
  vor,  ein  leneSchulknabe  und  zwei  weisvelleide
  ete  Schulmädchen  gratulierlen  in  Lebundener
  Sprache  und  ein  Mitglied  der  Jungsranenkengregation
  sprach  einen  Profog.  2  Die  Feststint
mung  war  allgemein.  Königin  Marie  Thereie
sandte  dem  Jubilar  eine  künstlerisch  auegesührte.
in  Holz  geschnitzte,  gokhische  Madonna  und  ein
Glückwunschtelegramm,  Prinzessin  Klara  einen
prächtigen  Aetranz  mit  Zuschrift.  Die
Gemeindevertretung,  die  drei  Hilf-geistlichen.  die
Lehrerschaft,  das  Rots  Kreuz  und  alie  latholischen
  Bereine  fanden  sich  mit  Angebinden  verschiedenster

  Art  oder  „Geldspenden  für  wohltätige
  Zmed."“  ein.  Groß;  war  die  Zahl  von
allerlei  Aufmerlsamteiten  seitene  der  Ver-Wandten,

  Freund:  und  Bekannten,  ungezahll  die

enge  ven  Telegrammen  und  Zuschriften,  alle
von  den  besten  Wuünschen  für  Gegenwart  und
Zukunft  beseelt.  “lv

Bolzkirchen,  26.  Juni.  Mit  der  Abnahme
der  Glocien  ist  jeWt  auch  hier  begomen  worden.
Eine  ergreifende  lirchliche  Feier  wuroe  zuvor
noch  abgehalten.  Am  Montagabend  sand  in  der
Kirche  kurzer  Vortrag  stati,  dem  sich  das  Kriegsgebet
  und  Segen  anschloß.  Nach  dem  Segen
folgte  seierliches  Glockengeläute  und  zum  Schluß
das  Ave-Läuten.  Die  Pfarrangehörigen
wohnten  in  groser  Zahl  dem  ernsten  Ale  an.

Tegernscc,  25.  Juni.  Auf  der  700)  Tagwerk
  grosen  Wallbergalm  weiden  gegenwartig
213  Stück  wertoolles  Alpenfleckoieh.  Die  27

·  "Jt)t«  wuscttusrcnnuhissonneUJDtn
und  Gefühl,  als  sic  die  ersten  Schrittr  lat,  und
schneröten,  al##  wo##re  alles  an  ihnen  zerprochen
und  zerschlagen.  Arer  sie  zwang  sich,  um  1.##
erneut  simmenmorechen,  und  biß  die  340e
auieinander.  Und  plötlich  rann  es  wie  ein
Feuerstrom  durch  heneer  Hinter  den  Schluten
hub  ein  rasendes,  wildes  Pochen  an.  Cs  schien
alle  Adern  sprengen  zu  wollen  mit  seinem
Toben  und  (trieb  sie  in  Hast  und  Angst  vorwarts,
  daß  sie,  über  ceinige  Wurzeln  slolpernd,
sast  niedergestürzt

Nun  stand  —  eierno  auf  dem  Wege.
Gar  micht  weit  vor  ivr  lagen  die  lehten  Häusor
des  Dorfes.  n  erschwommenen  Umnissen
reckten  sich  die  Enrrohichen  auf  wie  massige

Leiber  ohne  Leben,  wie  ungeheure  Kololse
mit  in  ihnen  verborgenen  unergründeten  Gebeimnissen


An  ihnen  mußte  sie  vorüber,  und  dann
weiter  die  Dorsstraße  chinab,  immer  weiter,
weiter!  Nachher  durch  delder  manchmal  durch
Waldungen,  die  sie  schon  lm  Licht  des  Tages
mit  scheuen,  verängstigten  Augen  angeschaut
hatte,  bis  zu  dem  kleinen  Landstädtchen,  das
ja  wohl  Westrup  oder  so  ähnlich  hieß.  Und
diesen  weiten  Weg  in  lür##meleher  Herbstnacht

 

ohne  Schutz,  nur  in  Gemeinschaft  mit  den
Menklen,  jagenden  Wolkensetzen  hoch  über
i

Ein  Gefũhl  arenzenlossr  Verlassenheit  packte
sie.  Sie  jurchtete  sich  namenlos  und  erwog
den  Gedanken,  ob  sie  nicht  lieber  einf.  Hbegehrend
  an  ein  Fenster  der  Katen  pochen  solle,
um  Ausnahme  zu  beischen  bis  zum  Grau  des
Morgens.  Ziktemnd  ging  sie  näher  und  starrte
auf  die  dunlien  Fenster  och  nur

 

enn  do
aus  einem  ein  Elchrerohd  aeschimmert  bätte!