Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

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Lummer  106  ;„

huf  den  allem  VBöllerrecht  ins  Gescht  Tchlagenneen
englischen  Neutralitätsbruch  eim  scharse  Nole
an  die  britische  Regierung  gerichkt  habe.

gelletüke  von  Mie.

.Jnpau  sichert  seinen  Raub.
Ju  Wladiwostok  lief  ein  sapausches  Geschwader
  von  Kriegeschiffen  ein  und  eine  japanische
Brigade  besetzte  die  mandschurichen  Eisenbahnen.
  Auf  Proteit  der  kussischen  Regierung  er--klärte
  Japan,  es  handle  sich  um  ein  Geschwader
von  Schusschiffen.  In  Pelersbug  tressen  mit
den  sibirisch  en  Zügen  täglich  Omderte  von  Jnpanern
  ein,  deren  Reisezweck  riemand  lennt.
Eine  russische  Kriegeieuer.

Mit  sofortiger  Wirklsamleit  ket  die  russische
Regierung  die  Einführung  einer  aubzerordentlichen
  Kriegsstener  für  alle  Emlommen  über
10  000  Rubel  beitimmt,  wobei  die  Slaffelung
bis  zu  30  Prozent  gebt.  Außenem  wurde  beschlossen,
  alle  Mitglieder  des  Hauses  Romanowm
  zur  Einkommen-  und  Kr#gsgewinnsteuer
heranzuziehen.  4

Die  brasilianische

Kriegserllärung.

In  „El  Qiario“  findet  sich  sagendes  bemerkenswertes
  Telegramm  aus  Ro  de  Janeir?
vom  18.  Mai:  „Der  Abg.  Mamiecio  de  Lacerda
bielt  im  Parlament  eine  Aufihen  erregende
Rede  über  die  internationale  #ge  Prafiliens.
besonders  über  die  Versenlung  des  Dampfers
„Parana“.  Die  Versentung  deses  Dampfere
hat  belanntlich  der  brasilianischen  Regierung  den
Anlaß  zum  Abbruch  der  Seziehungen  mit
Deutschland  gegeben.  Unter  dm  allgemeinen
Erstaunen  der  Abgeordneten  ellärte  Lacerda.
daß  der  Kapilän  des  erwähnten  Schisses  weoer
Blasilianer.  noch  in  Vrafsilin#  nakuralisiert
sei.  Er  sügte  iinst  daß  gerad:  dieser  Kapitän
schon  viele  Ungluckssälle  in  Geall  freiwilliger
Schisssversenlun  gen  auf  dem  Gewissen  habe
weshalb  die  Versicherungsgesolchaften  übecrein
gelommen  seien.  Schiffe  unter  jeiner  Führung
nicht  mehr  zu  versichern.  Außerdm  hätte  sich  an
Bord  der  „Parana-  teine  genigende  Anzahl
Bruasilianer  befunden,  um  den  Mbruch  der  oiplomatischen
  Bezieh  ungen  zu  Deulchland  zu  rechtsertigen.


+

Calois.

Daß  England  Culais  nie  vieder  aufgeben
wird,  wenn  irgend  moglich,  in  eine  heute  mehr
oder  weniger  von  ailer  Welt  enerlannte  atsache.
  Die=  wird  sast  augenschentich  durch  das
Vertrauen,  momit  die  Salais-Dver  Unlerseec-———
  die  safl  ein  Vierteljabrhundet
  im  Dunieln  bleilen  muß  ig,  jelit  luhn  vor  die
Oefsentlichleit  tritt  mit  der  Minndigung,  daß
man  die  praltische  Arbeit  auf  dissem  neuen  Wellverkehrsweg
  jett  schleunign  in  Angriff  nehmen
und  so  bald  ald  moglich  zu  Enz  fuhren  wird.

Läßt  sich  dieser  plotzliche  Entschluß  anders
verstehen,  ale  durch  das  Eingelandnis,  daß  der
Haupleinwand,  mit  dem  die  betisate  Regierung
früher  das  Tunneiproielt  humudig  belämpft
hatte,  nämlich,  daß  sie  eine  jelche  Untergrundverbindung
  mil  dem  Konlinem  nicht  gutheißen
tönne,  salls  nicht  beide  Eingatge  auf  britischem
Gebiet  logen.  jeczt  endgultig  uus  dem  Wege  geräumt
  isi?  Ob  dieses  Ergel#  jetzt  durch  ein
geheimes  Ablommea  mit  raulreich  erzieit  worden
  iĩt,  oder  ob  Eugland,  wie  giwöhnlich,  was  es
durch  Viil  genonimen,  mit  Gewalt  behallen  will,
ist  eine  Frage  von  umergeortneiter  Bedentung.
Die  Hauptwrage,  die  notwendigerweise  Europa
und  die  ganze  Welt  nicht  nin  intereisieren.  sondern
  auch  bennruhigen  muß.,  ül:  England,  im
Besitze  von  Salaio,  wird  in  dir  Lage  sein,  die
Meerenge  von  D  #ver  zu  behurichen  und  damit
eine  der  wichligiten  Nerlehrei#raßen  des  Wellhandels-.


 

 

EHasenhelmer  Anzeigen

Auszer  der  Beherrschung  der  Gibralstar-  und
der  Perim-Enge  und  noch  des  Suczlanals,  würde
  die  ausschließliche  Beherrschung  des  englischen
  Kanals  Englands  allgemeine  Worherr--schasl
  zur  See  derart  vergrößern,  daß  sie  für
aile  seefahrenden  Nationen  unerträglich  gemacht
werden  würde.  (Hier  spricht  wieder  die  merlwürdige
  und  traurige  Tatsache  mit,  daß  das  von
allen  Seiten  angegriffene  und  geschmähte
Deutschland  tatsächlich  den  wirklichen  Kampf
für  die  Freiheit  der  Meere  gegen  das  hochmütige
  Eugland  im  Interesse  der  ganzen  Welt  führen
  mut.  Em  Blid  auf  die  Larte  zeigt,  daß  die
Handelsfreiheit  aller  an  der  Nord-  oder  Ostsee
angienzenden  Nationen,  Rußland  einbegriffen,
ebensosehr  wie  Deutschlands  Handel  von  einer
englischen  Beherrschung  der  Dover-Meerenge  in
Mitleidenschaft  gezogen  werden  würde.

Die  Calais-Frage  taucht  im  Dunlel  der  grauenoen
  Zukunft  auf,  und  es  ist  überaus  bezeichnend
  für  die  wahnsinnige  Höhe  des  blinden
Deutschenhasses,  den  Fra  nkreich  eingesogen  hat,
daß  es  anscheinend  einer  Frage  vollkommen
gleichgültig  gegennker  steht,  aus  die  die  Augen
  der  West  immer  intensiver  geheftet  sind,
uno  die  es  so  nahe  angeht.  Wenn  seine  Machthaber
  tatsächlich  durd  Geheimvertrag  ein  Stuck
astiran  ösischen  Gebietes  gegen  irgend  eine  andere
  Vergütung  seitens  Englands  veräußert  haben,
  muß  dieser  Vertrag  eines  schönen  Tages
vor  dem  frau  kösischen  Parlament  zur  Besiätigung
  vorgelegt  werden.  Was  werd  dieses  dann
sagen?  Oder  sollte  es  keinen  solchen  Vertrag  gegeben?
  Dann  wird  England  sicherlich  den  volllommen
  zusammengebroechenen  Zuiland,  in  dem
Frankreich  sich  bei  Kriegsende  boiinden  wird,
ausnützen  und  irgendwelche  triftig  erscheinenden
  Gründe  anführen,  um  gewallsam  in  Lalais
  zu  bleiben,  wie  er  fruher  in  Aegypten  und
bei  so  vielen  anderen  Gelegenhe  iten  es  gelan  hat.
nets  im  Namen  der  Sicherheit  der  lleinen  Na-Elsoß-Colhelupen.



Die  „VBasler  Nachrichten“  vom  13.  Juli  bringen
  in  Nr.  349  die  Zuschrift  eines  Elsässers,  in
der  es  heißt:

„Gestatten  Sie  einem  unabhängigen  Ellässer,
der  vor  1370  geboren  ist,  ein  ruhiges  Wort
zu  äußern.  Daß  in  der  elsässischen  Bevôlkerung
mancherlei  erstimmung  herrscht,  ist  Tatsache.
Ellaß-Lothringen  ist  Operatiènsgebiet.  Es  sind
da  misi  itärische  Waß  nahmen  und  Besch  Cränkungen
nôlig,  die  auf  das  ganze  Leben  einen  Druck  ausübeln.
  Ost  muß  da  mechanisch  verfahren  werden;
ofl  werden  wegen  lleiner  Dinge  Snafen  ver-Bängt,
  die  nicht  im  Verhältnis  zu  den  begangeneu
  Vergehen  zu  siehen  scheinen,  und  nicht  ie  elten
ĩomnien  auch  Mißgrifie  var.  Dies  alles,  nebst
den  üblen  Wirlkungen  auf  die  Vollsseelc,  ist  zuaugeben.
  Wer  aber  daraus  schleß  en  möchte,  daß
dics  nun  franzosenfreundliche  Gesinnung  bedeute,
  dem  wird  ein  wirklicher  Kenner  des  Landes
ins  Gesicht  lachken.  Im  übrigen  Süddeulschland
wird  noch  viel  mehr  bei  passender  Gelegenheit
auf  die  strammen  Preußen  geschimpft;  ohne  ein
Kosebeimert  macht  der  Bayer  seinem  Unmut
über  den  „Preuß“  selten  Lust.  Wollte  man
daraus  auf  Deutschseindlichleit  schließen,  so  würde
  man  die  Eigenart  der  deutschen  Stämme  geladezm
  lemisch  verkennen.

In  Elsaß-Lothringen  nun  hat  dieser  süddeut- 



16  Zug  eine  besondere  Färbung  angenammen.
.„Preußen“  oder  „Schwobe“  oder  auch
„da  Rejierung“",  das  ist  so  ungesähr  der

Sündenbock  für  jedes  staatliche  Unk#ehagen,  das
sich  ja  oft  auch  bei  andren  Stämmen  bekundet,
  ohne  die  deuriche  Einiert  zu  gefährden,  genau
  jo  wie  es  in  Framtreich  zum  pelitisierenden
gulen  Ton  gel  .,  auf  das  „Gauvernement“
gelegenilich  re-  frrimütia  zu  schimpfen.  Bei  und
im  Eisaß  nimmt  das  alles  in  der  Beleuchtung

der  curopäischen  Hetreden  gleich  eine  befondere
Farbe  an,  aber  es  ist  grundsfalsch,  hieraus  auf
eine  bewußte  oder  auch  nur  unbewußte  Liebe  zu
Frankreichs  Staatsverfassung  zu  schließen.

Kein  Geschichts-  und  Vollskenner  kommt  um
die  entscheidende  Grundtatsache  herum,  daß  wir
zwei  uralle  dentsche  Provinzen  vom.  Stamm  der
Franken  und  Alemannen  sind.  Die  Namen  der
Städte  und  Dörfer,  der  Berge  und  Burgen  von
Weißenkurg,  Wörth,  Froschweiler,  Nieder
bronn  b.s  Dimnauf  nach  Rappoltsweiler,  Kaysersbeig,
  Zellenberg.  Bergheim,  Alllirch,  und  wie  sie
alle  heiten  mögen,  sind  doch  wahrhaftig  weder

ösis  sondern  nun  einmal
deutsck.  Unsere  Landessprache  ist  deutsch.  Unfere
Geschichte  war  durch  mehr  als  tausend  Jahre,  seit
es  überhaupt  Geschichte  gilt,  deutsch.  Daran  ist
nicht  zu  rütteln,  das  sind  Tatfachen,  keine  Meimungen.
  Ueber  des  Tatsachen  kann  nicht  abgeslimmt
  werden.  Weiß  man  denn  diese  Tatsachen
nicht  in  England  und  Amerika?  Will  oder
darf  man  sie  nicht  wissen  in  Frankreich?  Die
Eroberung  unseres  Landes  durch  Frankreich
würde  unweigerlich  einen  neuen  Krieg  bedeu—
ten.  Das  hat  neulich  der  Bürgermeister  in
Süaßburg  in  einer  sehr  beachtenswerten  Rede
eindringlich  hervorgehoben:  „Ein  Kriegsabschiuß
  mit  gewaltsamer  Abtrennung  dieses  Landes
  wäre  eine  Verewigung  der  Feinoschaft,!  der
Keim  zu  einem  neuen  entsetzlichen  Kriege.  Das
deulsche  Voll  müßte  aus  völlischen  und  wirtschafllichen
  Gründen  eine  Ehrensache  und  Lebensnotwendigleit
  darin  sehen,  Elsaß-Lothringen
wieder  zu  erobern.“

Die  Nede  ist  in  der  „Straßburger  Po“  vom
4.  Juli  (Nr.  436)  mitgetleilt.  Man  lese  dieses
wichtige  Bekennmis  eines  hervorragenden  Alt-Essasser
  dort  nach.  Schwander  spricht  zuletzt  er.
greifsend  von  der  „Tragik  des  Grenzlandes
und  schließt:  „Wir  lönnen  und  wollen  nicht
wWanschen,  daß  unzere  Kinder  die  zermurbenden
Scelenlämpfe  durckmachen.  Wer  wollen  ihnen
diese  Unsicherheit  und  innere  Unruhe  ersparen.
Wir  wollen,  daß  sie  sich  ofsen  und  srei  und  mit
Freudigleit  zu  ihrem  deniichen  Vaterlande  befunnen
  können.“  Dies  ütl  die  Grundslimmung
in  Elsaß-Lothringen,  wie  ich  aus  eigener  Ersahrung
  bestätigen  lann.  Die  Leute  wollen  zu
innerer  Rube  lommen,  aber  nicht  mit  Bjut  und
Vrand  „befreit“  werden,  nicht  als  Vorwand  dieneu
  zu  immer  neuem  Blutvergieben.  Wenn
Franlkreich  und  wahrhaft  lieb  häte  und  unfsere
Scele  veristünde,  so  würde  es  Verfländigung  fuchen
  mit  Deutsckland  und  würde  England  abichUüUlteln.
  Wir  Elsaß-Lothringer  würden  zu  ie
ner  Verständigung  freudig  beitragen,  aber  als
derulsctc  Land,  das  wir  nun  einmal  durch  Naiuc,
  Sprach:  und  Geich  schte  sind.“

Jo  Moe  Me#ldse

Die  Enisckhliefung  der  baperischen
Zenutrum  raltion.

Bei  der  Vespreckung  der  schon  mitgeteilten
Emschkliesung  der  banerischen  zentrumsfraktion
übet  Krieg  und  innere  Politik  wurde  auch  die
beflimmte  Erwartung  ausgesprochen,  daß  in  der
lunfligen  Steuergesetzgebung  des  Reiches  eine
weilere  Beschtäntung  der  den  einzelnen  Slaaten
  für  ihre  Lebensbedürfnisse  und  insbesondere
jür  die  Vefriedigung  ihrer  Kusturaufgaben  notwendigen
  Steuerquellen  ferngehalten  bleibe.  Die
Miiglieder  der  Voritandschaft  waren  einig  in
der  Ueberzeugung,  daß  das  wichtigste  Moment
in  der  vielbesprachenen  „inneren  Neuorientie
rung“  in  der  Ablehr  von  der  materialistischen
Gesinnung,  wesche  im  Kriegswucher  in  die
r  Erscheinung  gelreten  ist,  im  Wirtschafle-
  und  OSesellschafts  eeben,  ganz  besonders
aber  in  der  Rücklehr  zur  einfachen  deulschen
Silte  und  zur  praktischen  chriftlichen  Lebensaufsassung
  im  Familienleben  besteht.  Von  diesem
Standpunlt  aus  wird  das  Projelt  oes  bayeri- 



mies  carauf  hin,  daß  oie  bayerischen  Wassen.

Sonntag,  22.  Juli  1012

schen  Verkehroministeriums  auf  Einführung  der
Kinderzukagenversicherung  begrüßt  und  der  Er.
wartung  Auodruck  gegeben,  daß  dem  nächsten
Landtag  eine  diesbezügliche  Vorlage  alsbald
unlerbreitet  werde.  Ferner  wurde  der  dringende
Wunsch  eusgesprochen,  daß  in  den  Fragen  der
Vollsernährung  die  selbständige  Regelung  de
Bewirtschaftung  Bayerns  aufrechterhalten.  14#
womöglich  erweitert  werde,  daß  die  bayer.  10
gierung  mit  allem  Nachdru  darauf  dringen
möge,  daß  eine  weilere  Einschränlung  des
Malzverbrauck  und  die  sich  daraus  ergebenden
Schädigungen  und  Zusammenlegung  der  leeineren
  Brauercien  und  Wirtschaften  vermieden
werde.
i7r  ..lt  ——  «  .-.-.
Außerordeötlicher  bantosscher
Handelskammeriag.

Eine  Reihe  wichtiger  Fragen  hat  die  baperischen
  Handelslammern  zur  Einberufung  eines  auherordentlichen
  Handelslammertages  veranlafl,
det  am  Samotag  in  der  Münchener  Handelekammer
  slattfand.  *

Das  erste  Reserat  über  „Ausbau  der  bayeri.
schen  Wasserlräfle“  erstattete  Kommerzlenn#t
Seiler  von  der  Nürnberger  Handelskammer.  Er

 

träfte  zum  Sch  aden  der  heimischen  Industsie  blsher
  viel  zu  wenig  ausgenuht  worden  seien.  Die
Intcressen  von  Industrie,  Landwirlschaft  und
Fischerei  lassen  sich  dabei  wohl  ausgleichen.  Die
schleunigste  Aunützung  aller  versügbaren  Wes.
serträfte  bedentet  eine  Lebenefrage  für  das
bayciische  Volt;  deshalc  hübe  auch  die  Staat##
reglerung  das  großte  Interesse  daran.  Min-Rat
  Dr.  Cassimir  betonte.  man  ri  hier  zw  «

schen  zwei  Ausgaben  unterscheiden:  1
soweit  co  sich  um  den  Ausbau  von  nn  lräf.
ten  für  den  Staat  selbst  handelt,  und  die  Aufgabe,
  Wasserlräfte  für  die  Bedürfnisse  der  In.
dustric  freizugeben;  was  das  letzlere  aulangt.
werde  er  die  Regierung  an  Enigegentoimmen
nicht  fehlen  lassen.  Worte  höchiler  Anerten.

nung  fand  oer  Regierungsvertreter  für  die  wett
volle  Auflärungsarbeit  des  Alg.  Osel
des  Ingenicurs  Hallinger  auf  oem  Ge##ete

Ausnutzung  der  Wasserlrafte.  Alg.  Osel  *
bemerlle,  daß  der  Banerische  Landtag  An.  2  2
wie  der  Reserent  ausführte,  bisher  eine  etw.

abwaitende  Stellung  bezüglich  der  vollen  Aurnüßung
  di#  Wulserlrälstc:  ngenommen  habe;  vc
hat  sich  aber  geanoerl.  alds  sich  erwiesen  rall.
daß  weit  mehr  Wasserkrafte  zur  Verfugung  s##.uden
  als  bisher  angenommen  wuroe.  Nüch  lärgerer
  Aussprache  wurde  eine  Entsmieetung  angenommen.
  in  der  die  rascheite  Ausnützung  der
bayeristhen  gresteen,  miltteren  und  Ueinen  Wäl.
serträste  im  Interesse  der  gesamten  Voll  zwirl.
schaft  und  besonder  der  Koehleneinsparung  gesordert
  wird.

Eun  sehr  Interessantes  Reserat  erstaltete  Kom.
merzienrat  Fränkel  zum  Thema:  „LUeb  ergang--wi
  kelsckafte  das  vom  Abg.  Osel  nüuch  verschiedenen
  Seiten  hin  mit  wertvollen  Anregungen  er-.
weilert  wurde,  der  sich  besonders  auch  argen  dir
Zuruckdrängung  der  Payer  scoen  Indn##e  und
des  Handel  gegenuber  deren  erddeutschen  G#nn
sprach.  Der  Reserent  hatte  der  Tagung  verschedene
  Leitsähze  unterbreitet,  die  nach  sebhaite:
Aussprache  einflimmig  angem:  ommen  wurden.
Darin  wurde  u.  a.  gesordert,  daß  bei  der  Zusammensehung
  de  Beirate  sür  den  schötem.
missar  für  Uebergangswirlschaft  Bauern  in  eind
seiner  Bedeutung  fur  das  Wrrtschaftsleden  ei
sprechenden  Zahl  von  Mitglieder  vertreten  w#n
de,  und  daß  in  diesem  Be.rat  insbesonder:  6
Vertreter  der  wichtigsten  bayerischen  Aue.  4
dusirien,  sowie  des  am  Veriehr  mit  Oener#erk-Ungarn
  und  den  Ballanländern  im  Frieden  b
sonders  beteiligten  b##e#ischen  Ein-  und  Aufuhrhandels
  berufen  werden.  Ferner  wurde—

 
 

 

Von  einsemen  fienscken.
Noman  von  Fritz  Ganzer
26)  Machdruck  r#

Es  lag  elwas  in  ver  umme  uno  un
Gelichwausdruck  Warnius,  dos  Woligang  davon
abhielt,  rundweg  absutehnen  und  oen  eigentlichen
  Zweck  seines  Kommem  anzugeben.  Viel
Frcundlichkeit  und  freudige  erwarumg.  Und
dem  vermochte  er  nicht  brüsk  abweisend  entgegenzutreten.
  Lange  den  vurde  sein  Beruht
la  auch  gar  nicht  in  Zlupnch  nehmen.  Was
batte  er  denn  viel  zu  erze#ten!  Zn  einer
kleinen  Viertelstunde  konme  de  ganze  Geschichte
erledigt  sein.  Und  dann  gug  er  eben.

Emmal  mußte  er  es  ja  loch  ertragen,  ausgesragt
  und  mit  guten  Nausligen  gespickt  zu

werden.  Und  heule,  wo  c#r  die  Freude  des
Wiedersehens  mit  RNolrau  noch  vor  sich
botte,  wurde  er  alles  menier  niederorückend
empfinden.

Er  f#reifte  bei  seinem  Erzählen  nur  die
Oberflache  semer  Erlebnise  m  prach  dürr  und
trocken,  ohne  arme.  Aenzjtlich  vermied  er
es,  in  die  Tieje  zu  steigen,  obwohl  die  Qual
und  der  Zwieipalt  in  seiner  Seele  begierig  darauf
  lauerten,  auch  nur  mit  dem  lenesten
Finger  berührt  zu  werden.  Sie  wären  dann
mit  all  ihrer  Gewalt  und  Größe  eemporgeschnellt
  und  datten  wehrhafte  Fauste  und  tropige
Gesichter  gezeig

Aber  das  -gieichgüll  #  Berichten  schloß
diese  Gesahr  aus

Warnick  schten  nicht  unz  besriedigt,  als
der  Sohn  schon  nach  lurzer  Zeit  schloß:
Veiter  wühte  ich  dir  nickh  von  Beiang.  au

sagen.

 

Er  hae  gern  nieht  Feuer.  unehr  eln
liebevolles  Cingehen  auf  die  C#n#:  oriten,
wie  e  *1.  gesehen.  Immerhiu  auhne

er  nach  allem  voraufgegangenen  Kampf  zufrieden
  sein.  Er  den  Eindruc,  daß
Wol'gang  auf  dem  ben#en  Wege  war,  miut
leinem  Gosthur  sich  auszusöhnen.

irde  wärmer  und  mitteilsamer  und
erzählte  Wosany  zum  ersten  Male  von  seiner
eigenen  Stuotenzeit  in  Tübingen  und  Halle.
Er  berührte  immer  wieder  etwas  Neues  und
sprach  schon  uber  eine  Viertelstunde

Ind  Woligangs  Unruhe  wuchs.  Er  trieb
ein  nervöses  Spiel  mit  seinen  Fingern,  30g
verschiedentlich  die  Uhr  und  sah  d  das

Fenster  in  den  klaren  Wintertag  —5
Grnick  schien  von  alledem  nichts  zu  bemerken.
  Er  verbreitete  sich  cben  ausfuhrlich

über  die  Frenden  und  Leiden  jeiner  ersten
Tätigleit  in  Glindow,  erzöhlte,  mie  er  sich  gemüht
  hatte.  dus  Vertrauen  der  Leute  durch
persönliche  Fühlungnahme  zu  gewinnen.  „Ich
habe  heute  noch  emen  geschäftlichen  Fesuh  vor.
Und  da  es  für  deine  spalere  Tätigkeit  hier  in
Glindom  nur  gut  sein  witd,  wenmn  du  dich  früh
an  solche  Wege  gewöhnst,  kannst  du  mich  begleiten.
  Wir  wollen  in  der  Düummerstunde
gehen.“

Eine  derartige  Ausfordermig  hatte  ganz
außerhalb  der  von  Wolsgang  berachten  Möglichkeiten
  gelegen.  Sie  kan?  ihm  so  unerwartet,

daß  er  für  den  ersten  Augenblick  nichts

entgegnen  wucte.  (Aber  alle  seine  Empfsindungen
mußten  wohl  in  seinen  Gesicht=  zügen  zu  lesen
ein.  Denn  W  nn  musterre  ihn  aufmerlsam.
schüttelte  den  Kopf  und  fragts  endlich  mit
einem  leicten  Amlun  von  Verlebilein  im

 

Ton:

vor?

Nun  gab  sich  Wolfgang  einen  Ruck.  Jetzt
koime  Umwege,  nichts,  was  auch  nur  den  Anschein
  einer  Ausrede  erwecken  konnte,  sondern
oiffenes  Bisier.

„Ctwas  sonderbar  auch.  Osfen  gestanden:

sehr  sonderbar.  Ich  wünte  nicht,  was  ich  als  ein
im  ersten  Semester  Siudierender  bei  derartigen
geschäftlichen  Beuchen,  sollte.  Dazu  habe  ich
lpäter  immer  noch  Zeit  .  .  Er  achtete  nicht
aui  die  Ablicht  #ens  (Voiers,  ihn  zu  unterbrechen,
  sondern  juhr  mit  erhobener  Slimme
jort:  „Und  außerdem  kommt  mir  deine  Auflorderung
  auch  ungelegen.  Jeh  have  eiwas
anderes  vor  und  lkam  Vrbin  zu  dir.  5P  dir
u  sagen,  daß  ich  nach  Vetdorf  geben  wit
au  *  55  Betzd  7  *  Matthias  Warnick
  fragte  es  wie  einer,  der  nicht  recht  gehört
  zu  haben  glaubt,  und  neigte  sich  vor.
„Ich  verilehe  dich  nicht,“  fuhr  er  dann  in
einem  Ton  sort,  der  so  klang,  als  wolle  er
eine  Ungebenerücchteit  sich  selöst  aus  den  Sinnen
reden,  „was  du  in  Betzdorf  vor?“

„Ich  habe  Rottraut  Uöllenonn“  für  heute
nachmittag  meinen  Besuch  versprochen.“

„Dos  verstehe  ich  noch  weniger.  Erkläre
mir  das!  Noch,  bielt  Warnick  an  sich,  obgleich
sein  .  schon  im  hellsten  Aufruhr  siand.

ang  verdroß  der  examinierende  Ton.
Er  cans“  sich  vor  wie  ein  Schulbube,  der  auf
bösen  Wegen,  etwa  beim  Aepselsiehlen,  ertappt
wurde,  und  der  nun  ein  bochnotpeinliches  Verhör
  uber  sich  ergehen  lassen  muß.  Seine  Entgegnung
  klang  daher  gereizt.

„Sehr  einiach.  Am  Tage  meines  Kommens
sprach  ich  im  Doktorhause  vor,  um  mich  zu
erkundiaen.

 

8  un  dir  mein  Vorschlag  so  son-2


 

ob  Rottraut  Volkmann  von  ibrer

Kranthẽit  gang  genesen  sei.  Jch  traf  sie  uur
allein  Zzu  Hause.  Doktor  Criclius  war  verremn-Und
  als  ich  ging,  versprach  ich  idr  mein  Wieder#
kommea  jur  Beute.“  .

Nun  siel  der  letzte  Nesi  muhsamer  Veo
herrschung  bei  Warnick  in  ein  Nichte  zulammen
Die  Stirnader  quoll  auf,  und  das  Gei#uht  rotele
sich.  Cndlih  ließ,  die  Crregung  die  c#  sten  WBurk
über  die  Lippen.  Sie  lamen  llostweise,  ab
vermochien  sic  nicht,  sich  zu  lösen.  »

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solcher  Oleichgultigkeil,  als  wenn  es  so
ho  lein  müßte,  als  wenn  ..  I##nn
Was  soll  man  denn  davon  denken?  Was  c#m
dich  überbaupt  dieses  Mädchen  an  .  .  .  u#nd
wie  konntest  du  es  wagen,  .  .  .  mit  .  .  .  uitl
ihm  allein  Zu  sein!  ..  Damit  hast  du  .  .“

Woljgçang  iprang  aui.  Er  hob  jseine  Hand
und  unterbrach  gornsprühend:  „Cs  ill  genug,
Vater,  nun  nicht-  mehr,  kein  Wort  mehr.
nein  ..  nichis  mehr!  Gegen  dieses
Ton  lege  ich  Verwahrung  ein!“

„Und  menn  di  tauzendmal  Verwahrung
einlettest.  sagte  Warnic  streng  und  eisig,
aolo  würde  ich  doch  reden  Mit  dem,
was  འ atest.  hast  du  der  uttctuz  Gesichtskchla

shla  We  beugte  sich,  aschsahl  im  Gesicht
und  am  ganzen  Körper  zitternd,  vor,  stüht

schwer  auf  den  Tisch  und  sorderte  L
einer  Stimme,  der  man  die  mühsame  Beher
schung  anmerfte:  „Vater,  nimm  dies  W
zurück!  Ich  bitte  dich.  Amm  es  sofort  zurür!

„Wesha  45“  Die  Wahrheit  hat  Umke
nicht  nötig;  denn  lie  geht,  rechte  Wege.“
(Kortlegung  kol