NVummer 1
Der „Nolsenhelmer Anzelger"
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vD Kath.: Neujahr
Anzeiger
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Amtlliches Bublikalions--Organ
Dienstag, 1. Jannar 1918
Rosenheimer Tagblart
Hrot.: Neujahr, Jesus
64. Jahrgang
Eine Rriegsverlängerungs-Entschließung der englischen Arbeiter.
Erfolreicher deutscher Borstoß zwischen Marcoing und La Vacquerle. — Neue Kämpfe östlich von Jerusalem. — Die deutsche
Abordnung in Petersburg eingetroffen. — Verschätfung des Koyfliktes zwischen der Ukraine
Durch Sien zum frienen.
Es kann wirklich nicht überraschen, daß das
französische und englische Echo auf die klare
Friedenseinladung von Brest-Litowsk so hahlich
schrill und so keifend abweisend erschallt. Diese
Tatsache kann höchstens erneut dazu dienen, allen
deuen, die immer noch wähnen, durch gütliches
Zureden und fortgesetzte Beteucrungen
der Ehrlichkeit unserer Gesinnung und Absichten
die Feinde zu überzeugen und zu gewinnen,
endlich einnet llar zu machen, mit zabtn Gegnerschaft
wir es eigentlich zu tun haben. Das ist
nämlich selbst nach dreieinhalb Kriegsjahren
noch nicht allen zum vollen Bewuhtsein gekom.
men. Die geistige Verfassung unserer Feinde,
wie sie sich in Haltung und Reden der augenllicklick
am Ruder strenden Politiker u. Staatsmänner
ausdrücht, ist einc derartige, daß lie
jegliche versöhnende und belehrende Einwir
kung völlig ausschließt. Diese Kreise sind nur
durch die Wucht der Tat zu Üüberzeugen!
Fur Jeden, der sich mit dem Problem der
Veendigung des Krieges beschäftigt, ist die
Sachlage llar: nur durch Sieg kann der
Frieden, den wir brauchen, errungen werden!
Unsere Waffensiege haben die Entwicklung in
Rubland bis zu dem Punlte gefördert, an wel-Em
wir jetzt stchen. Nichts anderes als der
Sieg der Verbündeten über das russische Reich
und seine gigantischen militärischen Machtmittel
hat den Boden bereitet, den notgedrungen
Rußland jetzt betreten mußte.
dahin gefolgt, weil für uns das Ziel des Krieges
nicht in Erobe rung. Demütigung und Vergewaltigung
fremder Völker besteht, sondern
in dem Ringen um die Anerkennung deutscher,
technischer und geistiger Ueberlegenheit und damit
unserer Unüberwindlichkeit.
Unterhändler noch einmal eine befristete Einladung
an die Mächte des Vierbundes gelangen
ließen, so konnten sie dabei keinen Augenblick i im
Zweifel darüber sein, daß die Aufnahme im
feindlichen Auslande keine wesentlich andere als
bei früheren Anlässen sein werde. Deutschland
kennte aber dem dahingehenden Ersuchen der
Fussen, die nun einmal einen allgemeinen
Frieden zustande bringen und sich als die
Weltbeglücker gefeiert sehen möchten, umso eher
willfahren, als es ihm nur erwünscht sein konnte,
offiziell in aller Form vor aller Welt erneut
iten.
Vor einiger Zeit sagle der Reichskanzler
Graf Hertling in einem Gespräch mit einem
Journalisten über eine Kede Lloyd Georges,
daß mit einem Manne von einer. Gesinnung,
wie sie Lloyd George uns gegenüber zur Schau
trägt, Deutschland nicht verhandeln kann. Lloyd
beorge ist in fanatischent Hah gegen alles
Deutsche befangen, er nennt die Deutschen Verbrecher
und will erst dann Frieden matzeng wenn
das deutsche Bolk von den englischen Waffen besiegt
ist. In ganz demselben Tone äufeerte sich
auch Frankreichs Minister des Aeußern, Pichon.
Seine Parole ist: „Zuerst siegen!“ Die
russische Friedenseinladung ist für ihn nicht
der Erwähnung wert. Nach seiner Auslassung
würden die Gegner nur dann mit Deutschland
verhandeln, wenn es ein direltes Friedensanerbisten
macht. Wenn Pichon brutal aussprach,
für die verbündeten Gegner der Krieg fort-Feit
würde, ob nun die Verhandlungen im
Osten zu einem Exgebnis führten, oder ob sie
schelterten, so hat er damit zweifellos nur das
zum Ausdruck gebrach, was ihm von London
aus diktiert wurde. Im übrigen kann eichene
Stellungnahne weiter nicht überraschen, da
als Beaustragler des „Tigers“ Clemenceau eben
gar nicht anders reden konnte.
Unser Weg nach dem Osten liegt unmeehr
vollständig frei und klar da. Mit der Entente
als solcher, ist nach Lage der Dinge erst
dann ins Reine zu kommen, wenn sie in ihrer
Gesamtheit die Wuckt des deutschen Schwertes
so gefühlt hat, daß sie für Verhandlungen reif
wird. Wir unterfangen uns gar nicht, die
ganze Welt besiegen zu wollen, aber wir müssen
auch immer im Auge behalten, daß der Waffenerfolg
alles entscheidet. Lloyd George und
sein Anhang boffen, diesen Erfolg an ihre Fahne
bannen. Sie erwarten den Ausschlag von
amerikanischer Hilfe. Demgegenüber müssen
(uch mir ##uns immer bewußt bleiben.
daß der Friede nur durch Sieg zu erreichen ist.
Bei Nußland wurde damit, der beweiskräftig:
ste Anfang gemackt und bei Italien tritt die
Wirkung langsam aber mit unheimlicher Sicher
bheit zutage. Wenn wir jetzt die —
Friedenseinladung noch einmal ergehen lieben.
so kann nur ein Narr behaupten, daß darin
ein Beweis unseres Sckwöchegefühl zu erblik
ken wäre. Unsere militärische Lage, die niemals
aglänzender für uns war, als in diesem Augen
blicke, bewahrt uns wahrlich von dieser Unter
stellung. Daß die Entspannung im Oslen dem
kriegerischen Aufgebot im Westen zugute kom.,
men würde, ist uch der Entente klar. Mandarf
aber noch eind nicht vergessen: unsere
Truppen, werden, nachdem die Dinge im Osten
Wenn unsere
festzustellen, wo die Kriegsverlängerer
die bekannte Wendung genommen haben,
Wir sind gern
und
die Entente sich immer noch halsstarrig zeiat
und auf nutzlosem Weitermorden besteht, mit
einer ganz anderen und viel tiefer gehenden
Leidenschaftlichkeit in den Kampf gegen den
Todfeind eintreten. Offiziere, die jetzt Camckrai
mitmachten, sagen uns, daß unsere Truppen
mit einem sabelhaften Schwung in das
sürchterliche Ringen eintraten und dort mit
fast übermenschlicher Energie durchgriffen, in der
Genugtuung und in dem Bewufßtsein, endlich,
einmal dem verhahbtesten Gegner ans Leder zumt
kommen. Diese Stimmung wird sich nun noch
verschärsen, wenn unsere Gegner auch diese letzte
Gelegenheit, der Welt einen gerechten Fieden!
zu verschaffen, verstreichen lassen. Die Gegner#
werden sich täuschen, wenn sie etwa auf Kriegsmüdigkeit
unserer Soldaten ihre Hoffnungen
bauen. o die Deutschen anpackten, und wo
sie durchwollten, da ist es ihnen gelungen.
Man kann sich schließlich auch keine bessere Anreizung
der Kampfeslust für unsere Helden
denken, als die ganze aufreizende, zum Hasse
geradezu herausfordernde Haltung der Entente.
Nur dann, wenn ohne alle NRücssichten
einerseits der Weg nach Osten beschritten wird,
andererseits die deutsche Faust auf die Gegner
im Westen niedersausen kam, werden wir durch
veutsch Schwert zum deutschen Frieden gelangen!
Die Friedensverhaudlungen.
Heimkehr der Unterhändler.
· Brest-Litowsk, 29. 12. Staatssekretär
von Kühlmann reist heute ab, die übrigen Mitglieder
der deutschen Delegation teils heute,
teils morgen. Die Rückkehr erfolgt voraussichtlich
am 3. Januar abends, am 4. Januar
die Verhandlungen wieder aufgenommen werden
sollen. Die Delegationen von Oesterreich-Ungarn,
Bulgarien und Rußland reisten bereits
gestern ab.
Graf Czerninin. Wien.
* -Wien, 29. 12. Der Minister des Aeu-
bern, Hraf Czernin, hat sich gestern abend mit
einem Teil seiner Begleitung von Brest-Litowsk
nach Wien begeben, um mit den maßgebenden
Stellen das bisherige Ergebnis der ersten
Konserenz zu beraten.
Die deutsche Abordnung in Petersburg
eingetroffen.
* Petersburg, 29. 12. (PXN.) Die deuticte
Abordnung zur Besprechung technischer
Fragen ist zur Abhaltung weilerer Besprechungen
hier eingetroffen.
Japane Stellung zur
rseden n mit Rußland.
# Lugano, 29. 12. Auf Grund direkter Insormationen
des „Daily Chronicle“ will der
„Secolo“ aus Tokio erfahren haben, daß ein
Kronrat stattgefunden habe, dem außer dem
Kaiser Feldmarschall Vamagata, Außenminifsler
Motono und General Matshusi beiwohnten.
Der Kronrat dürfie über bie Haltung Japans
im Falle eines Separatfriedens der
Russen mit den Jrsshliwächten Beschluß gesahßt
haben.
*
Die Basis für eine Einigung
geschaffen.
WIB Brefsi-Lilowsk, 28. Dezbr. Im
Laufe der vormittags abgehaltenen Besprechung
zwischen der Delegationen der Verbündeten und
Rußland wurde die vorläufige Beratung jener
Puntte beendet, die auch bei dem Abschluß
eines Eallgemeinen Friedens zwmischen Rußland
einerseits und diesen Mächten anderseits geregel!
werden müssen. Diese Beratungen sind im Geiste
der Verföhnlichkeit und des gegenseitigen Verständnisses
geführt worden. In einer ganzen
Reihe wichtiger Punkte wurde die Basis für
eine Einigung geschaffen.
1
I
und der Bolschewikiregierung.
bis zur Absonderung verlündete, wird der Bevölkerung
dieser Gebiete die Möglichkelt gegeben
werden, binnen kürzester genau bestimmter
Frist vollkommen frei über die Frage ihrer
Vereinigung mit dem einen oder anderen Reich
oder über die Bildung Einen, selbständigen
Staates zu entschei
Ueber die beiden ersten *7 ees zu schaffenden
Fräliminarvertrages hatten die
deutschen“ Delegierten eine Formel vorgeschlagen,
der sich auch die österr.-ungar. ordnung anschloß.
Die Russen unterbreiteten ihre Gegenvorschläge.
Im allgemeinen kann nach dem Verlauf der
bisherigen Verhandlungen mit Befriedigung festgestellt
werden, daß die Ansichten der vertretenen
Maächte über die Regelung der wichtigsten Fragen
sich in vielen Punkten decken, in andern sich
eerart näherten. daß die Hoffnng auf Erzielung
eines Einvernehmens auch in diersen
begründet ist.
*
Anmerkung der Redaktion: Es ist
nicht unsere Schuld, wenn wir erst heute unse-Aus
den getroffenen Vereinbarungen heben
wir hervor:
Die Kriegsgesetze sollen aufgehoben!
und die davon Betroffenen in ihre früheren
Rechte wieder eingesetzt oder entschädigt werden.
In weiteren Bestimmungen werden die für die
Kriegskosten und Kriegsschäden aus.
gestellten Regeln näher ausgeführt.
einigte man sich auch über die Behandlung der
Zivilangehörigen außerhalb des Kriegsgebietes
erwachsenen Schäden. Ueber die gegenseitige
Freilassung und Heimbeförderung
von Kriegsgefangenen und JZioilinternarten
wurde eine grundsätzliche Einigung erzielt.
Das gleiche gilt von der Rückgabe der beiderseitigen
Kauffahrteischiffe. Enhdlich
wurde die schleunige Wiederaufnahme der diplomatischen
und konsularischen Beztehungen
vorgesehen
In wirtschaftlicher Hinsicht ergab sich ein völ-Namentlich
lges Einverständnis über die sofortige Ein
stellung des Wirtschaftskrieges, über
die Wiedereröffnung des Handelsverkehrs und
über die Eimichtung eines organisterten Warenaustausches.
In der wichtigen Frage der Behandlung der
beiderseits besetzten Gebiete wurde von
russischer Seite folgender Vorschlag gemacht:
In voller Uebereinstimmung mit der offenen Erklärung
der beiden vertragschließenden Teile,
daß ihnen kriegerische Pläne fernliegen und daßt
sie einen Frieden ohne Annexionen schließen wollen,
zieht Ruhland seine Truppen aus den
von ihnen okkupierten Teilen Oesterreich = Ungarns,
der Türlei und Persien zurück. und
die Mächte des Vierbundes aus Polen, Litauen,
Kurland und anderen Gebieten Rußlands. Entsprechend
den Grundsätzen der russischen Regierung,
die das Recht aller in Rußland lebender
Völker ohne Ausnahme auf Selbstbestimmung
ren Lesern Mitt ilung von diesen wichtigen Verhandlungen
machen. Hätte die Post nicht wieder
emmal gänzlich versagt, so wäre die
Nachricht schon am Samstag in die Hände unserer
Leser gelommen. Die obige Meldung besand
sich in einem unserer Depeschenbriefe, der
wie so manch anderer in letzter Zeit ausblieb.
Wir haben uns bei der Bahnpost sofort um den
Erhalt des Briefe bemüht, erhielten aber die
Auslunft, daß er nicht eingetroffen sei. Der
Basttempel gibt jedoch darüber Aufschluß, daß
der Brief wie üblich mit Zug 10 befördert wurde
und daß er, die zweistündige Verspätung des
Saemstag hinzugerechnet, spätestens mittags 12
Uhr in unserem Besin hätte sein müssen. Statt
dessen erhielten wir ihn abends 5 Uhr, nachdem
die Jeitung längst in Druck gegangen war.
Wir teilen unseren Lesern das mit, damit sie
sehen, auf welche Weise den Provingzzeitungen
in heutiger Zeit die Arbeit erschwert wird.
die englische Arbellerschaft us
Kriegsverlängerer.
London, 30. Dezember. Auf der gestern
in London abgehaltenen Sonderkonferenz von
Vertretern der Gewerkschaften, sozialistischen
Vereinigungen u. anderen Körperschaften.
die der Arbeiterpartei und dem Gewerkschaftskongreß
angeschlossen sind, wurde die Denkschrift
über die Kriegsziele erörtert, die von dem ausführenden
Ausschuß der Arbeiterpartei und dem
parlamentarischen Ausschuß des Gewerkschaftskongresses
vorgelegt war. Es nahmen 900 Vertreter
daran teil, darunter Arthur Henderson,
Ramsay Macdonald und Havelock Wilson.
Die der Konferenz vorgelegte Kriegszicldenlschrift
stellt folgende Forderungen auf:
1. Eine vollständige Wiederherstellung Bel.
glens und Entschadigung durch Deutschland
für den angerschteten Schaden.
2. Die englische Arbeiterklasse spricht Wwietrum
ihre Verurteilung aus über das 1870.71 begangene
Unrecht durch Losreißung Elsahß-Lothringens
von Frankreich und überläßt
es der Bevöllerung der beiden Provinzen, frei
zu bestimmen, ob sie zu Frankreich oder Deutschland
#obon wollen.
nie Forderung Italiens auf Nüdgabe
“% stallenischen, jetzt Oesterreich gehörenden Gebtete
an Italien ist zu unterstützen.
ründung elnes autonomen Bundes a#
Balkanstaaten: Polen soll selb *4
sein Los bestünmen.