Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

XVI  Vorbemerkungen.

z.  B.  Wör-ter-ver-zeich-nis,  Ge-schlech-ter,  Freun-bes-treue,  flber-lie-ferung;  aus
einzelnen  Buchstaben  bestehende  Silben  werden  besser  nicht  abgetrennt.

Zusat.  er  die  Abtrennung  zweier  Buchstaben  am  Wortende  vgl.
S.  XVII,  Zusatz  3.

Dabei  sind  folgende  Regeln  zu  beachten:

1.  Einfache  (nicht  zusammengesetzte)  Wörter.

a)  Ein  einzelner  Mitlaut  kommt  auf  die  folgende  Zeile,  z.  B.  tre-ten,  nd-hen.  —
ch,  sch,  ß,  ph,  th  bezeichnen  nur  einfache  Laute  und  bleiben  daher  ungetrennt,
3.  B.  Bülscher,  Hä-scher,  Busße,  So-phie,  ka-tholisch.  —  X  und  z  werden  hierbei
wie  einfache  Mitlaute  behandelt,  z.  B.  He-re,  rei-zen.

b)  Von  mehreren  Mitlauten  kommt  der  letzte  auf  die  folgende  Zeile,  z.  B.
An-ker,  Fin-ger,  War-te,  Rit-ter,  Was-ser,  Knos-pe,  tap-fer,  kämp-fen,  Karp-fen,
Ach-sel,  krat-zen,  Städ-te,  Verwand-te;  ck  wird  dabei  in  zwei  k  aufgelöst,  z.  B.
Hak-ke.  Nur  st  bleibt  immer  ungetrennt,  z.  B.  La-sten,  be-ste,  ko-sten,
Klo-ster,  meiste,  Fen-ster,  För-ster,  Pfing-sten.

Anmerkung.  In  einfachen  Fremdwörtern  gehören  die  Lautverbindungen
von  b,  p,  5,  t,  g,  k  mit  I  oder  r  in  der  Regel  auf  die  folgende  Zeile,  z.  B.
Pu-blikum,  Me-trum,  Hy-drant.

Zusa  ß  Wir  haben  auch  die  Lautverbindung  gn,  weil  ihre  Zerlegung  in
den  meisten  Fällen  der  Aussprache  nicht  entsprechen  würde,  immer  auf  die
folgende  Zeile  gebracht,  z.  B.  Basgno,  Malgnolia,  Masgnet,  Sisgnet,  Silgnal.

2.  Zusammengesetzte  Wörter  sind  nach  ihren  Bestandteilen  zu  trennen,
die  Bestandteile  selbst  werden  wie  die  einfachen  Wörter  behandelt,  z.  B.  Dienstag,
  Tür-an-gel,  Emp-fangs-an-zei-ge,  Vor-aus-set-zung.  Diese  Teilung  bleibt  auch
da  geboten,  wo  sie  der  gewöhnlichen  Aussprache  nicht  gemäß  ist,  z.  B.  hier-auf,
her-ein,  hin-aus,  dar-Über,  war-um,  wor-an,  be-ob-Machten,  voll-enden.

Anmerkung.  Für  zusammengesetzte  Fremdwörter  gilt  dieselbe  Regel  wie
für  solche  deutsche  Wörter.  Man  schreibt  also  z.  B.  Atmo-sphäre,  Mikro-skop,
Inter-esse.  Erkennt  man  die  Bestandteile  von  Fremdwörtern  nicht,  so  richte
man  sich  nach  den  Regeln  unter  1  a  und  b.

Zusatz  1.  Wo  für  die  Silbenverteilung  der  Mitlaute  in  Fremdwörtern
eine  andre  Regel  gilt  als  für  die  deutschen  Wörter  (vgl.  die  Anm.  zu  1b),  wo
bei  deutschen  Zusammensetzungen  die  Zusammensetzungsfuge  nicht  auf  den  ersten
Blick  zu  erkennen  ist,  ferner  in  allen  zusammengesetzten  Fremdwörtern,  bei
denen  die  Mitlaute  nicht  ganz  nach  den  Regeln  für  deutsche  Wörter  auf  die  Silben
verteilt  werden,  ist  die  Stelle  der  Trennung  durch  einen  senkrechten  Strich  ()
bezeichnet,  z.  B.  Pulblieum,  Hysdrant;  darsauf,  vollsende;  Monsarch,  Alexsander.
Wo  sich  in  Fremdwörtern,  einfachen  und  zusammengesetzten,  der  Trennungsstrich
  nicht  findet,  ist  nach  den  Regeln  1  a  und  b  zu  verfahren,  z.  B.  Fis-kus,
Mis-zelle.  In  solchen  Fällen,  wo  die  Trennung  zusammengesetzter  Wörter
nach  ihren  Bestandteilen  Mitlautgruppen,  die  sonst  nur  im  Aufang  einer
Silbe  vorkommen  können,  an  den  Schluß  der  Silbe  bringen  würde,  z.  B.  in  Arthrsalgie,
  ist  angenommen  worden,  daß  der  erste  Bestandteil  einen  zweisilbigen
Stamm,  z.  B.  Arthro,  darstelle,  innerhalb  dessen  eine  Silbentrennung  nach  den
allgemeinen  Regeln  stattfinden  kömme.  Demgemäß  teilen  wir  ab:  Arsthralgie,
Milkrophthalmie,  Phantasmagorie.  Der  punktierte  Strich  nach  dem  ersten
Selbstlaut  in  Wörtern  wie  Afbraham  soll,  da  die  Abtrennung  eines  Buchstabens
am  Anfang,  eines  Wortes  typographisch  unstatthaft  ist,  nur  darauf  hinweisen,
daß  man  die  auf  den  Selbstlaut  folgende  Mitlautgruppe  nicht  trennen  darf,
daß  also  eine  Trennung  wie  Ablraham  unzulässig  ist.  Vgl.  die  Anm.  zu  1b.

Die  alte  Buchdruckerregel,  daß  man  Selbstlautverbindungen  nicht  trennen
dürfe,  bedarf  sehr  der  Einschränkung.  Es  kommt  darauf  an,  welcher  Art  die
Verbindung  der  nebeneinanderstehenden  Selbstlaute  ist  Wenn  zwei  Selbstlaute
  in  der  Aussprache  miteinander  verschmelzen,  so  daß  sie  einen  Doppellaut
(Diphthong)  bilden,  so  darf  man  sie  natürlich  nie  trennen.  Dasselbe  gilt  auch
für  die  in  Fremdwörtern  vorkommenden  Gruppen  von  Selbstlauten,  die  sich