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Hilfe geboten werde; wir halten diese Annahme für einen
schweren Irrtum, der sich als solcher bald genug erweisen
wird. Durch die Annahme des Zolltarifs ist die Grundlage
zum Abschluß langjähriger Handelsverträge geschaffen
worden. Wird die Landwirtschaft den Zustand,
der durch solche Handelsverträge wiederum auf ein Jahrzehnt
und länger herbeigeführt wird, ertragen können?
Diese Frage müssen wir auf Grund der Erfahrungen und
auf Grund unserer Beobachtungen entschieden verneinen«!).
Diese Worte bedürfen heute keiner Kritik mehr, denn wenn
Befürchtungen der Gegner der Zolltarifvorlage eingetroffen sind,
dann sind es die der Linken und nicht der Rechten. Der Schutzzollgedanke
ist ıgo2 ebenso wie 1887 überspannt worden. Das
war schon bei der Verabschiedung der Zolltarifvorlage die Meinung
Brentanos, Schäffles, Conrads u. a. Und erst in jüngster Zeit
schrieb Schmoller: »Soweit wir in Deutschland den Schutzzoll
1885 bis ı892 übertrieben haben, waren die Bundesstaaten stark
genug, 1892 bis 1894 die Übertreibungen zu korrigieren, und solche
Korrektur wird wieder kommen«?).
Vierunddreißigstes Kapitel.
Fortschritte in der formellen Ordnung des Reichsfinanzwesens.
Mit einem nicht unbeträchtlichen Schuldenstand aus der
Zeit des Norddeutschen Bundes und infolge des Krieges gegen
Frankreich trat das Deutsche Reich ins Leben. Doch wurden
sämtliche Anleiheschulden aus den Mitteln der französischen
Kriegsentschädigung bis zum Jahre 1873 getilg. Mit dem Jahre
1876 begann dann die ununterbrochene Reihe der Reichsanleiben.
Vier Perioden lassen sich in der Entwicklung der Reichsschuld
unterscheiden. Die erste ist die der kleinen Schulden
verschiedener Verwaltungszweige. Sie reicht etwa bis zum Jahre
1888, bis zu welchem Zeitpunkt die erste Milliarde der Reichsschulden
annähernd erreicht wurde. In der zweiten Periode, jener
der vorwiegenden Heeresschulden, wurde die zweite Milliarde
schon im. Jahre 1894 überschritten. Es folgt eine Periode der
Flotten- und Heeresschulden, die vor Erreichung der dritten
Milliarde in die Periode der Kolonial- oder besser vielleicht der
1) Deutsche Tageszeitung vom 16. Dezember 1902.
*) Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, 1912, S. 1912.