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Ein" Jahrhundert verrollt; leuchtend hebt sich ein neues empor. Von der Höhe der Geschichte erschaut,
nur eine verbrandende Flutwelle; vom Standpunkte der Lebenden, eine mächtige Zeitenwoge; für das
Leben des deutschen Volkes aber seit einem halben Jahrtausend die bedeutungsvollste Jahrhundertwende.
hat sich doch aus unseliger Gebrochenheit seiner Kraft, aus demütigender Zerstückelung und Abhängigkeit
unser Volk in eben dieser Zeitenspanne, uralten Bann abschüttelnd, unter der Führung begnadeter Helden,
endlich zur Nation machtvoll zusammengeschlossen, die nicht mehr wie bisber, nur danklos und missachtet
der beiruchtende Kulturträger der Welt sein will, sondern entschlossen ist, in stolzer Selbstbestimmung num
im eignen Genuss seiner herrlichen Gaben sich selbst zu leben, sein weithinleuchtendes, Sturm trotzendes
Haus zu schirmen, ein Hort des Friedens, der Geistesfreibeit, der Kultur unter den Völkern der Erde.
Darum blicken wir, denen es vergönnt war, die ersten Schritte unseres nationalen Bochgangs mitzuerleben,
wohl vor allen anderen Mitlebenden mit besonders dankesfreudiger Erhebung auf dieses Jahrhunderts
Schluss, das zugleich der gesamten Menschheit, nicht zuletzt durch deutsche Geisteskraft und Wissenschaft,
neue Waffen auslieferte zur Beberrschung der dunklen Mächte der Natur, gewaltige Kräfte erschloss zur
hebung ihrer Schätze und damit einen ungeahnten Aufschwung der Gütergewinnung, des erhöhten Daseins-
genusses schuf. — Dieser doppelt berrlichen Erbschaft des scheidenden Jahrhunderts froh bewusst, tritt unser
Volk in dieser Scheidestunde zu weiter Umschau auf die Höhe einer neuen Zeit. Dicht nur des Unerreichten,
vergeblich Erhofften, Missgediebenen, oder des sorgenvoll Dräuenden geziemt es uns da zu gedenken,
sondern vor allem uns in stolzer Genugthuung des ungeabnt Erreichten, des Gewaltigen, das diese grosse
Zeit im Werdegange des Weltlebens uns geboren bat, dankbar zu freuen. In solchem freudigen Hoch-
gefühl drängt es uns, einen Ehrenkranz um die Stirnen derer zu flechten, die mit ihrem Wissen,
ihrem Können, ihrer Tatkraft und Hingebung an der ruhmvollen Erhebung unseres Volkes, an der
Befreiung der Geister, an der Erhöhung des nationalen Wohlstandes mitgeschaffen haben. Das „Goldene
Buch des Deutschen Volkes an der Jahrhundertwende“ möchte diese Aufgabe für die Lebenden erfüllen.
Bewährte Kenner auf allen Kulturgebieten betrauten wir: verdiente Männer ihres Arbeitsieldes zum
Eintritt in diesen Ehrentempel zu laden. Warmen Dank haben wir in erster Linie eben diesen unseren
Führern, sowie allen den bedeutenden Männern zu sagen, die vertrauensvoll ihre glänzenden Namen dem
vorbereitenden Ehrenkomitee zur Verfügung stellten; Dank besonders aber den Geladenen selbst, die diesen
Aufforderungen freundlich Folge gaben, vor allem Seiner Majestät dem Kaiser, den Königlichen Herren und
Fürsten des Reiches, die unser Werk durch huldvolle Eintragungen auszeichneten. Nicht unterlassen dürfen
wir aber auch zugleich unserem herzlichen Bedauern darüber Ausdruck zu geben, manchen der Verdientesten
des Vaterlandes in dieser Ehrenhalle deutscher Damen noch zu missen, der unserem wiederholten Ersuchen,