Contents : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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weilt,  dem  wird  es  unter  diesem  Völklein  auch  darum  sonderlich
  gefallen;  denn  die  Musik  ist  ihm  seine  liebste  Lust.  Die
Bauersleute  in  ihren  Dörfern,  jung  und  alt,  kennen  kein  größeres
  Vergnügen  als  am  Feierabend  zusammenzutreten  und
ein  Lied  zu  singen  oder  Musik  zu  machen  mit  Horn  und  Flöte,
Geigen  und  Bässen.  Und  könntest  du  einmal  an  Feiertagen
ihr  Singen  und  Musizieren  in  den  Kirchen  hören,  du  würdest
es  fürwahr  nicht  tadeln.

Viel  Arbeit  und  viel  Fleiß  gibt  es  auf  dem  Thüringer
Walde.  Da  ist  Lehesten,  von  wo  aus  jährlich  unzählige  Gebäude
  ihre  Schieferdächer  und  Tausende  von  Kindern  ihre
Schieferstifte  und  Tafeln  erhalten;  oft  werden  in  einem  Jahre
5  Millionen  Tafeln  und  70  bis  100  Millionen  Griffel  fertig.
Oder  schau  dich  einmal  in  Sonneberg  um!  Fast  in  jedem  Hause
der  Stadt  und  Umgegend  wird  geschnitzt  und  gedreht,  gekleistert,
  gemalt,  gestrichen,  genäht,  gezeichnet.  Ganze  Wälder
werden  ausgerodet  und  in  Spielsachen  und  Schachteln  verwandelt,
  die  aus  dem  freundlichen  Städtchen  bis  in  die  fernsten
Teile  der  Erde  gehen.  Aus  Gotha  kommt  Knack-  und  Zervelatwurst,
  Ruhla  liefert  berühmte  Schlosserwaren,  und  Erfurt  ist
die  freundliche  Blumenstadt.

Wie  das  Rheinland,  so  ist  auch  Thüringen  ein  Land  der
Burgen  und  Sagen.  Denk  nur  an  die  Wartburg,  wo  einst  die
heilige  Elisabeth  lebte,  und  an  den  Kyffhäuser,  in  dem  Kaiser
Barbarossa  verzaubert  ist!

268.  Sagen  vom  Kyffhäuser.  Von  Otto  Richter.
1.  Der  Schäfer  bei  dem  Kaiser.
Ein  Schäfer  trieb  einmal  seine  Herde  ziemlich  weit  hinauf  an  das
alte  Kyffhäuserschloß.  Fröhlich  blies  er  auf  seiner  Schalmei,
daß  es  weithin  hallte  und  schallte.  Plötzlich  stand  ein  ganz  kleines
Männlein  neben  ihm,  grüßte  ihn  artig  und  fragte:  „Möchtest
du  wohl  den  alten  Kaiser  Friedrich  sehen  und  ihm  auch  solch  ein
fröhliches  Stücklein  aufspielen?"“  „Warum  nicht?"  erwiderte  der
Schäfer.  Dann  folgte  er  getrost  dem  Männlein  in  den  Felsengang,
der  sich  mit  einem  Male  vor  ihnen  auftat.  Nach  langer  Wanderung
  kamen  sie  in  eine  weite  Halle.  Hier  schlummerte  der  Kaiser
Barbarossa  mit  geneigtem  Haupt  und  geschlossenen  Augen.  Sein
roter  Bart  war  durch  den  Tisch  gewachsen.  Beherzt  ergriff  der
Schäfer  seine  Schalmei  und  blies.  Da  hob  der  alte  Kaiser  sein