Full text : Schwerin und Bleichröder.

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„Ich  bin  in  dem  Weinlokal  von  Siebert  am  Moritzplatz
einer  Spielergesellschaft  in  die  Hände  gefallen.  Mir  ist  dort  nicht
nur  das  gesammte  baare  Geld  abgenommen  worden,  sondern
ich  habe  auch  noch  Wechsel  in  höheren  Beträgen  ausstellen  müssen;
auch  ein  Amtskollege  von  Ihnen  war  als  Hauptspieler  dabei
betheiligt.“

Pierau  bat,  Derr  von  Schwerin  möchte  doch  einmal  dorthin
kommen,  um  sich  davon  zu  überzeugen;  so  begab  sich  dieser  in
die  betreffende  Weinhandlung  und  fand  dort  in  einem  Gimmer
den  Derrn  Hriminalkommissar  Schuchhardt  mit  mehreren
Herren  und  in  einem  andern  Herrn  Oierau,  ebenfalls  in  Derrengesellschaft.
  Gespielt  haben  die  Derren  in  seiner  Gegenwart
nicht,  wohl  aber  sah  er,  daß  sich  eine  gewisse  Aufregung  aller
dieser  Herren  bemächtigte  und  daß  bald  darauf  HDerrn  Hierau
seine  Mechsel  ohne  jegliche  Zedingung  aus  freien  Stücken  zurückgegeben
  wurden.  Deranlassung  zu  amtlichem  Einschreiten  hatte
er  somit  nicht.

Bald  darauf  wurde  der  lellner  RKichter  aus  dieser  Mneipe
entlassen.  Derselbe  denunzirte  nun  den  Wirth  Siebert  wegen
Duldens  von  Hazardspiel,  wobei  er  angab,  daß  der  Kriminal-=inspektor
  Schuchhardt  an  diesen  Spielen  dauernd  betheiligt  gewesen
und  schließlich  Herr  von  Schwerin  diese  Sache  geschlichtet  habe.
Gufolge  dieser  an  das  Hôönigl.  Dolizeipräsidium  gerichteten  Denunziation
  ließ  der  Thef  der  Kriminalpolizei  —  Herr  Regierungsrath
Graf  Dückler  —  den  Kriminalkommissar  von  Schwerin  rufen  und
stellte  denselben  darüber  zur  Rede.  Herr  von  Schwerin  gab  an,
daß  nach  Lage  der  vorgefundenen  Derhältnisse  er  keine  Deranlassung
  gehabt  hätte,  in  irgend  welcher  Eigenschaft  schlichtend
einzugreifen,  zumal  in  seiner  Gegenwart  nicht  gespielt  worden  sei.
Darauf  wurde  der  Kriminalinspektor  Schuchhardt  zum  Herrn
Grafen  beschieden.  Als  er  von  diesem  entlassen  war,  kam  er
direkt  in  Schwerins  Dienstzimmer  und  bat,  über  die  Spielgeschichte
Stillschweigen  zu  beobachten,  um  ihn  nicht  unglücklich  zu  machen;
bei  seinem  VDorgesetzten,  dem  Derrn  Grafen  Hückler,  hätte  er  die
Geschichte  schon  todt  gemacht.  Schwerin  versprach  Stillschweigen
und  hatte  keine  Ahnung  davon,  daß  sich  in  allernächster  Seit  Dinge
creignen  sollten,  welche  ihn  ein  für  alle  Mal  unschäclich
machen  würden!