937 fliehen.
der geist Schiller Näub. 2, 1; der trost, den sic geboten,
fliegt zerstreut in grauen aschenfloecken Lenau
382; von munde zu munde flog . euer empfundenes
lied Schiller 11, 93; viel im Part.: ein fliegend blat.
Hiob 13, 25; ein flicgender brieve Sacharja 5, 1; üliegende
ürmel, fänlein, armee Stieler; üliegendes lazareth,
fliegende lager, brücken, schnell aufgeschlagene
und abgebrochene, u. a.; fliegende blätter, Pi#- eines
illustrierten Wochenblattes; raunt . die fliegenden worte
zu ohren Bürger Il. 3, 155; weil sie die hitze fliegend
überfüllt Goethe Tasso 2, 3; in fliegender eile Platen
Abbass. 1, 223; fliegende röte; eine fliegende blässe ging
uber ihr gesicht Wildenbruch Nov. 99, u. a.; betrachtet
er die andern flicgend und scharf Schiller
iesko 2, 17; — sprichwörtlich: ohne federn ist schwer
iegen; er will den adler fliegen lehren; fliegen, che
die federn wachsen; es fliegt keinem eine gebratene
taube ins maul; — in weniger gewählter Rede, in
Bezug auf Personen — hinausgeworfen werden: ver
sich muckt, fliegt die treppe hinunter; ober = verschwinden:
lebt dieses unthier noch die memme mag
fliegen. (Lomellin entwischt) Schiller Fiesko 5, 3; in
Bäug aus Dinge, — schnell vergehen, schwinden: das
geld flog ihm nur so aus den händen; die letzte schmucknadel
f#g dabin Kab. 2, 3.
Fllehen, eilend davon geben; meiden; gemeingerm.
Wort, im Gothischen als bliuhar erscheinend, der Anlant
hat sich erst in den späteren Dialecten gewandelt:
altnord. ñxja, altengl. flen aus Behan, altsächs. ahd.
fliohan, mhd. flichen; unbekannter Herkunft. Vermischungen
mit Formen von sliegen begegnen in älterer
Spr., wie umgekehrt (s. unter flicgen): vlogen kein irme
lande (Besiegte) liol. Reimchron. 9085; das man das licht
schewet, und die warheit fleugt Luther 5, 2945. Die
2. 3. Sing. des Präs. in älterer Spr. du feuchst, er
fleucht, Imp. fleuch, bisweilen auch noch in neuerer
gehobener oder altertümelnder Rede: fleuch auf der stelle!
chiller Räub. 3, 1; so wie der birsch .. ins dickicht
lleucht Geibel 1, 231; für die Prät.-Form üloh (in
älterer Spr. auch fohe, noch bei Schiller Kab. 2, 3
flohe nach Teutschland) oberdeutsch im 16. Ih. auch noch
louh (ganz wie mhd.): flouch ser hindersich Aventin
1, 295. Umschriebenes Prät. in älterer Spr. mit haben:
ich hete geflohn, swie kuene ich si Eree 6691; warumb
hastu beimlich geflohen 1. Mos. 31, 27; mit sein; sie
weren fur jm geliohen 1. Macc. 4, 5; in neuerer Spr.
mit sein bei intransitiver, mit daben bei transitiver
Fügung. Gebrauch 1) intranf., davon eilen bei Verfolgung:
fiohen die feinde 1. Macc. 5, 43; flichend zu
entrinnen Grillparzer 3, 32; Mose floh fur Pbarao
2. Mos. 2, 15; flohen von dem grabe Mare. 16, 8; fliebet
aus dem mitternacht lande Sacharja 2, 6; ein sglicher
fioch in seine hutten 1. Sam. 4, 10; fleuch zu meinem
druder Laban 1. Mos. 27, 43; flobe auf das gebirge
14, 10; das sie uber das blachfeld flohen 1. Macc. 4, 14;
des wild flieht vor dem jäger: der verbrecher ist nach
dem ausland geflohen; nicht zu schiffe kannst du flichen
Platen Abbass. 3, 223; auch vor etwas: fleuch fur der
sunde wie fur einer schlange Sir. 21, 2; drei münner,
vor deren blick flohe die ereatur Schiller Näub. 5, 1;
nicht zur rechten. nicht zur linken kann ich vor dem
schrecknis fiehn Kassandra 117; — in milderem Sinne
schnell davon ziehen, weggehen von einem, meiden, auch
schwinden: der mensch .. fleucht wie eine schatten,
und bleiht nicht Hiob 11, 2; meine tage sind gellohen
9, 25; monde wechseln und geschlechter flichen
Schiller Reich d. Schatten; die jahre liehen pleilgeschwind
Glocke 59; die leidenschaft flieht 104; die
kreude flicht mit schnellen sohlen Lenau 385; wochen.
flohn dem jungen paar voruder Platen Abbass. 3, 177.
2) tranf. einen fiehen. vor einem fliehen er vorhte im
flicszen mit wasser Ps. 119, 136; des
lider mit wasser flieszen Jer. 9, 18; werden
unde vloöch den töt Barl. 116, 30; Eugyppius. hat
Flies- fließen. 938
die Teutschen geffohen in Welschland (ist vor ihnen
nach W. geflohen) Aventin 1, 582; gewöhnlicher einen,
etwas fliehen, sich weit davon zurückziehen (verstärktes
meiden: der uns zu meiden, ja zu fliehen scheint
Goethe Tasso 1, 1): fleuch die bulerin Sir. 9, 3;
stiehet die hurerei 1. Cor. 6, 18; das heiszt den regen
fliehen und ins wasser fallen Kirchhos Wendunm.
1814; er hat den rauch geffoben und fallt ins feuer
Stieler; ich flohe dicse träume Schiller Karl. 2,10;
werd ich .. als wie ein reiszend thier geflohn Heyse
3,115; — mit sächl. Subi.: mich flichen alle freuden;
erfindung, die . kulte herzen flicht Platen Abbass. 1,
299; als sie sprechen wollte, floh der traum sic 3, 162.
Ilies, #. zottiges Fell, s. vliesz. »
Fliese, 1. dünne Steinplatte zur Bekleidung der Wände
und der Fußböden, niederl. vliss, niederd. dän. flise,
schwed. flisa: schwedische flies (Steinplatten, geringe
Marmorart), bolländische fiesen (aus Thon gebrannt)
risch, Adelung; der boden mit fiesen belegen;
er fliesenbocen Keller Werke 3, 185.
Fließen, als Flüssigkeit sich fortbewegen. Gemeingermanisches,
nur gothisch nicht bezeugtes Wort, altnord.
ljöta, altengl. flcötan, ahd. fiogan, mhd. vliczen, urverwandt
mit littanisch pluditi obenauf schwimmen, und
weiterhin mit altind. plu schwimmen, griech. pléein
schiffen, schwimmen, lat. pluere regnen. Altere Formen
der 2. 3. Sing. Präs. du fleuszest (fleuszt), er Heusxt,
Imp. üeusz; wovon noch in neuerer Spr., dichterisch:
von mancher edeln kelter fleuszt für mich der traube
feuergeist Bürger Danklied. Umschreibung des Prät.
mit sein, außer im Falle des Begrifftansches, vgl. nachher
2. Bed. 1) eigentlich, im Mhd. auch — schwimmen:
sach die vische flieszen Walther 8, 29 (vgl. noch
d% später auf den jetzigen Sinn eingeengt: den felsen
geschlagen, das wasser flossen Ps. 78, 20; flieszendes
Wasser (Gegensatz zum stehenden) 3. Mos. 14, 5; bach
der vom berge fleuszt 5. Mos. 9, 21; land darinnen
milch und bonig fleuszt 2. Mos. 3, 8; geifer flos jm
in deu bart 1. Sam. 21, 13; das blut flos von den
wunden mitten in den wagen 1. Kön. 22, 35; schweisz
fieszt von der stirne, thränen aus den augen uber die
wangen, harz den baumstamm berunter; die tinte will
nicht flicazcn, u. a.; (da) nicmand seinem blute gebieten
kann, stille zu stehn, wenn es rascher flieszt
Keller Seldw. 1, 1958; tbränen .. flossen — sturzten
stromweis von dieser mitleidigen wange Schiller Ränb.
1, 1; doch weiszt du nicht von wannen, und nieht
wohin der strom des windes fleuszt Voß 5, 72; auch
das licht flicszt, wenn sein Fett von der Flamme schmilzt
und nicht brennt. 2) begrifftauschend: meine augen
unser augendia
hugel mit milch flieszen Joel 3, 23; eine wunde, ein
geschwur flicszt; eine frau flieszt (hat Blutfluß) 3. Mos.
15, 25; dio nase flieszt bei schnupfen; druckpapier
flieszt. In diesen Fällen Umschreibung des Prät. mit
huben (die augen haben geflossen, u. s. w.). 3) übertragen,
von dem was nach Herkunft, Fülle, Leichtigkeit,
Vergänglichkeit einem Strome verglichen wird: eins
weisen mans lere fleuszt daher wie ein flut Sir. 21, 16;
sein scgen fleuszt daher wie ein strom 39, 27; gesetze
.. daraus die weisheit geflossen ist 24, 35; welches
herz flössc nicht aus sciven banden vor dicsem sammer ?
Goethe Egm. 5; verhaszt sei mir das bleibendeo
erwünscht was flieszt und schwankt nat. Tocht. 3, 2;
schimmer, welcher schien ums ganze haus zu flieszen
Platen Abbass. 2,177; es flosz zusammen in ein einzig
lied Freiligrath 2, 179; die lebenstage flicszen dahin;
flieszt die arbeit munter fort Schiller Glocke 12;
für jene zeit flieszen die geschichtsquellen spürlich;
aus diesen anzcichen flieszen folgerungen; woher dicses
geld flos? Schiller 4, 66; grenzen, unterscheidungen