Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

  
 

J  –“
l

—  —
—
—  22
152

—
—

—
.

–—  4

—.
.**
1½„

 

—..——

TPäen*

**

—

————

*ri  i
*  "
.

---..-.-—-.-.-.--«---.--.--.«- 



Den  Truppen  zogen  mit  Zündmaterial  a

NRummer  206

Abend  vor  den  Dods  Torpedonehe  aus  gelpannt.
Di:  Nervosität  wegen  der  deutschen  Minen  an
der  britischen  Küfte  sei  unbeschreiblich.  Auberhalb
  des  Tyne  seien  an  einem  (Tage  5  Fahr-Leuge
  in  die  Luft  geflogen,  drei  englische  und
zwei  fremde.  Die  Rekrutenanwerbung  für  die
englische  Armee  gehe  nur  langsam  vor  sich.  In
einer  Stadt  mit  70  000  Einwohnern  haben  sich
nur  hundert  Mann  gemeldet,  größtente#ls
Strolcke  und  andere  heruntergelommene  Menschen.
  In  England  herrsche  eine  flrenge  Zenjur.
Da-  Volt  erfahre  den  wirklichen  Zustand  auf
dem  Kriegeschauplatze  nicht.  Die  Niederlauen
der  Engländer  würden  von  den  Zeitungen  —

Bagatelle  hingestellt.  Im  grohßen  und  ganzen
herucke  wenig  Begeisterung  für  den  Krieg,  m
mehreren  großen  Industriegebieten  liege  die  Arbeit
  darnieder.

Die  englischen  Verluste.
Frankfurt  a.  M.,  6.  Sept.  Die  .  Franl
furter  Zeitung“  meldet  aus  Amsterdam:  Die
Enoländer,  die  bisher  offiziell  behauptelen,  daß
ihre  Verluste  4000  Mann  betrugen,  geben  jeht
amtisck  4  daf  sie  10  000  Mann  BVerluste  haben.

Meschädigie  englische  Krieg?=schissc.


Wien.  6.  Sept.  Die  „Südflavische  Kocleip
  onden"“  meldet  aus  Konstantlinopel:  Wie
an  unterrich##eter  Stelle  verlautet,  liegt  im  Ha
sen  von  Alexandrien  ein  sch  wer  beschädigter  eng-Im##er
  Kreurer,  der  deutliche  Spmen  einer  Veschiee
  ung  aufweist.  Außerdem  liegen  dort  ein
zmieiler  englischer  Kreuzer,  ein  Torpedofäger  u.
zwei  Torpedoboote,  die  nack  Port  Saib  slüchteten,
  im  Doä  in  Reparatur.

Wegrahme  englischer  Fischerboote.

London,  6.  Sept.  Das  Preßbureau  der
Admiralität  meldet:  Ein  deulscher  Geschwader
(bestehend  aus  zwei  Kreuzern  und  vier  Torpedo-=booten)
  nahm  15  englische  Fischerbvot=  mit  einer
  Ladung  Fische  in  der  Nordsee  weg  u.  brachte
die  Mannschaften  und  Fischer  gefangen  nach
Wilhelmshaven.

Russische  Schandtailen  und  Grausamleiten.


Sept.  Reim

Berlin,  6.  Eindringen  in

Teile  von  Cnpreußen  begingen  dir  Nulsen  zahllose

  Schandtaten  und  Grausamleilen.  Eine
Reihe  von  Landräten  sfind  von  den  Russen  festgenommen
  und  nach  Rußland  abgeführt  worden.
Der  Landrat  von  Goldap  soll  gez  wungen  worden
sein,  das  Vieh,  das  aus  jeinem  Kreiie  von  ben
Russen  ufammengebracht  wurde,  nach  Rußland
zu  treiten.  Von  viele  n  (Henba#men  der  Geengebiete
  jehlt  jede  Spur.  Es  steht  jest,  daß  ein
Eendarm  aus  dem  Krei  sie  Pilllallen  erstochen
worden  ist.  Eir.  Gendarm  aus  Bilderweitschen
wurde  vonden  Russen  gesungen  genommen.  Man

sob.  uie  er  auf  eine  Proßze  gejesselt  durch  Shotkuhnen

  geb#ackt  wurde.  Dann  ist  er  erslocher
worden.  Seine  -  lag  auf  dem  Macttplat
von  Kibor#in.  Die  er  angelischen  Pfarrer  in
Scharenler.,  Kreis  Morggrabowa,  und  Zzittkehmen.
  ireis  Goldap,  weigerten  sich,  den  Rus—-jen
  Angaben  über  die  Stellung  unierer  Trup—
pen  zu  machen.  Sie  wurden  dekhatn  in  den
Mund  gesckossen,  der  eine  ist  tot,  der  audere
sckwer  verwundet.  CEn  murde  ohr  "·  Wi’b.r
seine  Wenesung  in  du#s  Kranlenhaus  nach  Goldap
  gebracht,  In  cinnrem  Dorf  im  Kreise  Vill—

tallen  wo#rden  die  Fr  auen  und  Kinder  usommen

  auf  ein  Gehöft  getrieben,  die  Hoftore  geschlossen
  und  das  Ge  hft  in  Brand  gefteckt.  Erst
I#  die  Eingeschlossen#en  in  die  höchste  Not  und
Bedrängnie  geraten  waren,  wurden  die  Tore
zeöffnet  und  die  ge  zuälten  Leute  herausgelasen.
  Auf  einem  Gut  ehof  bei  Szittlehmen  wurde
der  alte  Vesitzer  ersehlagen.  Die  Wirtin  wurde
zenötigt.  den  Russei!  Speisen  und  Getränle  zu
pringen.  Als  alles  aufgezehrt  war,  mußle  #i
uißn  einer  Gasse,  die  vo#n  russischen  SZoldalen  mit
Jtusgepflo  zutem  Bajomett  gebildet  worden  war,
Sriehru  r  laufen  und  wurde  oabei  verlegzt.
In  einm  Dorf  dis  Kreises  Stallupônen  wurde
inter  der  unwahten  Beh  auptung,  daß  aus  dem
Dor##gesckofsen  worden  sei,  eine  Reihe  von  Berohrtern,
  darunter  Frauen  und  Kinder,  nach
2230  rriger  Marterung  erschossen.  Ebenso  wurden
  in  dem  Dorse  Schillehnen  im  Kreise  Pilllallan
  10  Persowen  unter  dem  gleichen  falschen
Vorgehen  niedergemacht.  In  dem  Dorf  Radszen
  zündeten  die  Russen  *  alle  Gebäude  an,
(o  daß  im  Vugenblid  fast  das  ganze  Dorj
in  Flammen  aufging.  Auf  die  unglücklichen
Bewohner  des  Dorfes  wurde  mit  Hieb-  und
Schußnaffen  le  gegangen.  Getotet  mirrden  in
dichem  einen  Lorie  2  Männer  und  3  Frauen,
;3  Männer  wurden  verletzt.  Aehnliche  Vorfälle
von  Mord,  Brund  und  Verwüstung  werden  aus
zahlreichen  Gremrorten  gemeldet.  Nach  den  vorliegenden
  Meldungen  sind  die  Russen  bei  diesen
Mordbrennereien  ganz  systematisch  vorgegangen.
Gnsge- 



Früstete  Brandlommandos  voran.

Um  Lemberg.

 

5’r  1  #  1  7
4  3  der
"1!  !

Berlin,  6.  Sept.  Die  österreichisch-ungarische
  Botschaft  veröffentlich  folgende,  ihr  vom

Ministerium  des  Aeußern  in  Wien  zugegangene

Depesche:  Die
Schlacht  bei

russische  Meldung  von  der
Lemberg  und  der  siegreichen  Ein-Stadt
  ist  erlogen.  Die  offene

1

1
1

 

Ein  deutsches  Solbatengrab  im  Feindesland.

Vor  Lüttich  halten  unsere  tapseren  Truppen
besonders  harte  Kämpse  zu  beilehen,  ehe  die
Festung  zu  Fall  gebracht  wurde.  Mancher  un.
serer  braven  Krieger  fand  dabei  den  Heridentod.
Unser  heutiges  Bild  zeigt  das  cinsame  Grab
eines  Gardedragoners  vor  dem  Forts  Loucin,
welcher  die  erste  deutsche  Fahne  dortselbst  errichten
  wollte  und  dabei  ĩ  seinen  Too  fand.

Das  Bild  gibt  gleichzeilig  einen  Begriff,  unter
  welchen  schwierigen  Umständen  unsere  Sol-Die
  Stacheldrähte,  die
a  noch  durck  eleltrischen  Strom  wirldalen

  lämpfen  mußtlen.
hier  und  ?P
samer  gemacht  worden  waren,  bildeten  große
Hindernisse,  die  zu  bewältigen  ieine  leichte  Aufgabe
  war.

—  s##

 

————  ——

*

 

Stadt  Lemberg  wurde  aus  strategischen  und  humanilären
  Rücksichten  ohne  Kampf  freiwillig  geräumt.
  1  „r34

Der  Krieg  gegen  Montenegro.

Wien,  6.  Sept.  Aus  dem  Pressequartier
wird  gemeldet:  Die  im  i’i  von  Autovac
stehende  3.  Gebirgsbrigade  hatte  schon  vor  kurzer
Zeit  einen  schneidigen  Einbruch  auf  montenegrinisches
  Gebiet  unternommen,  oer  ron  vollem
Erfolg  gelrönt  war.  Nach  kurzer  Ruhe  unternahm
  diese  tax  fere  lleine  Schar  am  30.  August
neuerlich  einen  Vorstoß  gegen  die  bei  Bilec  stehenden,
  an  Zahl  überlegenen  montenegrinischen
Streitkräfte.  In  mehrtägigen  heioenmütigen
Angrifsen  gelang  es,  die  Montenegriner  unter
großen  Verlusten  zurüchuwerfen.  ihnen  schweres
Gcschütz  abzunehmen  und  die  hart  bedrängte
Grenzbefestigung  Vilec  völlig  zu  befreien.

Die  Nachrichten  aus  Odessa.

Hamburg,  6.  Sepl.  Von  dem  geflern  hier
eingetroffenen  Mitgliede  der  hieiigen  Sonnenjinsternis-Expedition,
  Dr.  Graff.  wird  dem  hiesigen
  „Fremdenblatt“  berichtel:  Die  über  Rumänien
  gekommenen  Nachrichten  über  einen  Ausbruch
  der  Revolution  in  Odesia  mit  Straßen
kämpfen,  Erschießung  der  höheren  Polizeibeam
ten  und  Offiziere  und  der  Beschießung  der  Stadt
durch  ein  russisches  Kriegsschiff  uspy.  kind  un.
richtig.  Bis  zum  29.  August,  wo  ich  O  Odesta  verließ,
  herrschten  jedenfalls  in  der  Stadt  und
deren  Umgebung  volllommenste  Ruhe  und  Ordnung.
  Die  in  Odessa  zurückgebliebenen  Deutschen
  befinden  sich  ebensalls  außer  Gesahr.  Ihre
Verschickung  in  andere  Gouvernements,  wie  die
staatlichen  Behörden  noch  am  29.  Aug.  versicherten,
  ist  vorläufig  nicht  in  Aussicht  genommen.
  #

In  der  Türtkei.

Konstantinopel,  6.  Sept.  Die  iüngs
erlassene  Belanntmachung  des  Marinemirüleri-.
ums  setzt  die  verbotene  Zone  am  Eingang  des
Bosporus  vom  Rumelifeuer  bis  Messarburnn
bei  Bujuldere,  also  in  einer  Länge  von  elwa6
10  Kilometer  sesl.  Hieraus  geht  Dervor,  daß
die  anfänglich  verhältnismäßig  enge  Minen:#:
bedeutend  erweitert  worden  ist.  Die  Mililärverwaltung
  läßt  durch  Trommelschlag  oie  Reservisten
  und  den  nicht  ausgebildeten  Landflurin
bis  zum  45.  Lebensjahre,  der  als  beurlaubt  Hegolten
  hat,  auffordern,  von  heute  ab  einzurüden.

n
"  (Lichtamtliche  melbungen.)

Prin:  Erust  von  Sachsen-Meiningen
in  französischer  Gesangenichaft.

Weimar,  6.  Sept.  Prinz  Ernst  von  Sas

sen-Meiningen  isl  anscheinend  unverwundet  in

Rriegsgefangenschaft  geralen.  Die  Weimarische
##ndeszeitung  „Deutschland“  ist  ermächtigt,  sorlgendes
  Telegramm  des  Prinzen  Georg  von  Sa#
sen-Meiningen  an  die  Großher#gin  von  Sacksen-Weimar
  zu  veröffentlichen:  „Ernst  wuree
auf  Feldwacke  nördlich  Maubeuge  Pferd  erschossen,
  er  anscheinend  unverwundet  in  Händen
  der  Franzosen  in  Festung  Maubenge.  weorg.“

Für  den  Kampf  zur  See.

Berlin,  6.  Sept.  Führende  Mitglierer
der  bürgerlich  en  Reichstagsfraflionen  hielt'n
eine  Bespreckung  im  Reichstag  ab  und  bekundelen
den  Entschluß,  auch  im  Kampf  zur  See  alle  Kränte
der  Nation  bis  zu  Ende  einzusetzen.  nn-Besckluß
  wurde  dem  Reichemarineamt  übermittell:
  „Die  unterzeichieten  Mitglieder  des  Reil  2#
tage  erllären  sich  bereit,  in  ihren  Frallionen
und  im  Reichstag  dafür  einzutreten,  daß  alle

 

Maßregeln  des  Reick  marincamts,  weiche  die
Kriegenot  erheischt,  in  elatsrechtlicher  Hinsficht
und  be#üglich  der  Rechnungslegung  genehmigt

werden.  Juebesondere  find  sie  bereit,  einn#-treten:
  1.  Für  den  sofortigen  Ersatz  verlorener
Schisse;  2.  für  die  soforlige  2  Durchführung  L

ler  1012  beschlossenen  Masenahmen;  3.  für  den
sofortigen  Van  des  1915  falligen  Schiffversage:;
  4.  für  die  Herabsetung  der  Lebenscauer
der  Sdisse=  von  20  auf  15  Jahre.“  In  den
sorialdemolratischen  Reihen  erhob  sch  sofort
Proteit,  dase  ihre  Fraltion  von  dieser  Besprechung
  ausgescklossen  blieb.  Man  erilärt  jegt.
daß  es  sich  nur  um  eine  Vorbesprechung  gehandelt
  habe.  wäl,rend  die  eigentlichen  Beratungen,
  zu  denen  auch  die  Sozialdemotraten
gelaren  uürden,  erft  folgen  sollen.  Zu  dem
Kaiserwort:  „Id  teune  keine  Parleien  mehr“
ist  das  Vorlommnis  eine  eigenartige  Illustration.


Die  solidarische  Haftung  des  Dreiverbandes.



Rotterdam,  6.  Sept.  Aus  London  wird
amtlich  gemeldet:  In  einer  in  London  veröffenllichten
  Erklärung,  welche  vo#n  Grey,  Cambon
  und  Benckendorff  unterzeichnet  ist,  verpflichten
  sich  die  Regierungen  Englands,  Fraulreichs
  und  Rußland,  untereinander  im  Laufe
des  Krieges  einzeln  nicht  Frieden  zu  schliessen.
Wenn  die  Zeit  für  Friedensverhenolungen  da
sei,  dürfe  leine  der  verbündeten  Mächte  ohne
vorhergehende  Rüdsprache  mit  den  beiden  anderen
  ihre  Friedensbedingungen  steilen.

Diese  Erllärung  lann  Deutschland  nur  erwünscht
  kommen.  Unsere  Regierung  hat  leinen
Augenblick  einen  Zueifel  darüber  gelassen,  daß
sie  den  Dreiverband  solidarisch  haflbar  macht.
Da  auch  Frankreich  auf  diesem  Standpunlt  siehr,
wie  die  obige  Erklärung  zeigt,  wird  es  nun
die  Folgen  dieses  Rechtszustandes  zuerst  zu
tragen  haben.

Auf  Paris  los!

Berlin,  6.  Sept.  Aus  Nom  wird  gemeldel:
  Nach  Pariser  Telegrammen  finden  große
Kämpfe  in  nächster  Nähe  von  Paris  slatt,  da
täglich  zahlreiche  Verwundetentransporte  die
Hauptstadt  passieren.  „Daily  Chronicle“  berichtet,
  daß  in  Paris  der  Kanonendonner  schon
hörbar  sei.  Bezüglich  der  winstärischm  he  trösten
  sich  die  Zeitungen  damit,  3  Paris
  von  1914  nicht  das  von  10•  6  Um
es  auf  eine  so  große  Peripherie  einzuschtießen
und  zu  belagern,  bedürfe  es  einer  Armee  von
700  000  Mann.  Dazu  lommen  oie  unversehrten
und  verstärkten  Kräfte,  die  dem  Feino  Widerstand
  leisten  können.  Die  „Gazelta  det  Popolo“
  in  Florenz  veröffentlicht  einen  Bericht,  der
den  ungeheuren  Eindruck  schildert,  den  das  Erscheinen
  der  Aeroplane  über  Paris  auf  die  Pariser
  Bevölkerung  macht.  Der  materielle  Schaden
  sei  zwar  gering,  der  moralische  aber  ungeheuer.


Vor  der  Revolution  in  Paris?

Genfs,  6.  Sept.  Der  „Genfer  Kurier“"  melde!
aus  Paris:  Die  Ankündigung  der  Regierung,
daß  sie  Paris  verlasse,  erfolgte  erst  sechs
Stunden  nach  der  Abreise.  Andernfalls  wäre  es
ihr  nicht  mehr  möglich  gewesen,  zu  entlommen.
Denn  sofort  eilten  viele  Tausende  zum  Eldsee
und  eröffneten  ein  Steinbombardement  auf  das
Regierungsgebäude.  Zwei  Tore  sind  vollständig
  zertrümmert.  Es  war  wie  eine  Entsetzensbotschaft,
  die  in  das  Volk  drang,  und  die
Revolution  wäre  vielleicht  schon  in  jener  Nacht
ausgebrochen,  wenn  nicht  die  Polizei  alle  elektrischen
  Lampen  ausgelöscht  und  die  Stadt  in
Dunkel  gelegt  hälte.  Die  Wut  des  Volles
war  unaussprechlich.  Eingezogene  Reseroisten
beteiligten  sich  an  den  Kundgebungen.  Der  Andrang
  auf  den  Bahnhöfen  ist  weiterhin  unge- 



 

Sleinstas,  8.  sepfeer  1914
heuerlich.  Der  „Matin“  gibt  seibn  zu,  daß
600  000  Arbeitslose  in  Paris  sind.

Auch  in  Marseille  ist  die  Lage  sehr  ernst.
Der  Mob  steht  im  Kampf  mil  regulären  Trupen.
  Die  Turkos  stehlen  wie  die.  Naben.

Der  Polizeipräselt  von  Paris  gibt  bekannt,
daß  von  jetzt  ab  nur  noch  eine  gewisse  Anzahl
  von  Toren  der  Sladt  für  das  Publikum
geöffnet  bleiben,  die  übrigen  werden  geschlossen
  gehalten.  Die  Militärzone  und  gewisse
Punkte  des  nördlichen  Weichbildes  sind  getäumt
  worden.  %

Die  „Franlf.  Zig.“  meldet  aus  Mailand:
Bisher  war  ein  für  die  Presse  reservierter  beschränkter
  Telephondienst  zwischen  Paris  und
Italien  aufrecht  erhalten  worden.  Seit  Freilag
  miltag  antwortete  das  Fernamt  Paris  nicht
mehr.

IJIswo  lsli,  Frankreichs  böser  Geist.

Wien,  6.  Sept.  In  hiesigen  dip.omatischen
Kreisen  erlklärt  man,  der  russische  Bots#zafter  in
Paris,  Iswolsli,  habe  sich  durch  die  Flucht  der
ihm  drohenden  Volkswut  entziehen  wollen.  Man
ist  überzengl,  daß  er  es  auch  nicht  wagen  lönne,
sich  in  Bordeaur  zu  etablieren.  Man  begreift
jetzt  in  Frankreich,  welche  unbillige  Rolle  dieser
  slrupellose  Intrigant  all  die  Jahre  hindurch
  gespielt  hat.  -

Panik  in  Antwerpen.

Rott  erdam,  6.  Sept.  Ein  eben  aus  Ankwerpen
  geflüchteter  Holländer  erzählt,  daß  die
Panilstimmung  dort  auf  das  Höchste  gestiegen
sei.  Bei  jedem  verdächtigen  Geräusch  slüchten  die
Einwohner  in  die  Keller  aus  Furcht  vor  einem
neuen  Zeppelinbesuch.  Es  herrscht  eine  nervöse
Spxionenfurcht.  Die  Belgier  durchstachen  den  Löwenschen
  Kanal,  um  eine  Ueberschwemmung  berbeizuführen.
  .-Der
  Kommandant  von  Longwy  als

Kriegsgefangener  in  Stuttgart.

Stuttgart,  6.  Sept.  Der  franz.  Kommandant
  von  Longwy,  Oberstleutnant  Darcke,  ist
als  Kriegsgesangener  in  Vegleilung  mehrerer
deutscher  Ofsiziere  in  Siutigart  eingetrosfen.
Wie  verlaulet,  soll  der  Oberstleutnant  in  einer
bayerischen  Festung  Aufnahme  finden.  Der  Verteidiger
  von  Longwy  trug  den  Degen,  den  ihm
der  Deutsche  Kronprinz  wegen  seiner  Tapferkeit
belassen  hatte,  während  der  Adjvtant  ohne  Degen
  war.  Die  Freiheit,  die  ihm  der  Kronprinz
ebenfalls  angeboten  hatte,  lehnte  Oberstleutnat
  Darche  ab.  Nach  mehrstündigem  Ausenthalt
  in  der  Hauptwache  des  Bahnhofes  wurde
die  Fahrt  in  der  Richtung  Ulm  fortgesetzt.
Wieder  einenglischer  Gewaltstreich.

Kairo,  6.  Sept.  Der  deutsche  und  der  öfterreichische
  diplomatische  Vertreter  deim  Khediven
ist  vom  englischen  Militärkommandanten  aufgefordert
  worden,  binnen  24  Stunden  Aegypten
zu  verlassen.  Alle  Verbindungen  wurden  den  beiden
  Diplomaten  abgeschnitten.  Der  Regent  erklärt,
  daß  der  englische  Militärkommandam  ohne
sein  Wissen  und  ohne  seine  Zustimmung  vorgegangen
  ist.

Gesunkenc  englische  Schiffe.

Frankfurt  a.  M.,  6.  Sept.  Das  englische
Torpedoboot  „Speedy“  und  ein  Dampfer  stießen
  auf  eine  Miene  und  sanken.  Außer  den  bisher
  schon  gesunkenen  Booten  sind  noch  5  Boote
durch  Minen  untergegangen.  Ur

Kosakenpferde.

Berlin,  6.  Sept.  Die  Kosakenpferde  und  die
übrigen  Z'igtierc,  die  vor  den  erbeuteten  russischen
  Geschützen  gespannt  waren,  werden  auf
dem  Erezierplatz  des  4.  Garderegiments  versteigert.
  Die  Tiere  sind  für  unseren  Kavalleriedien#t
  vorläufig  nicht  zu  verwenden,  weil  sie
nur  auf  russische  Kommandoworte  hören.

Die  Schlacht  in  Galizien.

Wien,  6.  Sept.  Die  öflerreichischungarische
  Armee  hat  Lemberg  aus  strategischen  Gründen
  freiwillig  geräumt,  sodaß  die  Russen  auf
leere  Stellungen  trafen.  Es  gab  infolgedessen
leine  Gefeckte,  die  Russen  lamen  nicht  nach.  Doch
sind  Lemberg  und  Halicz  von  ihnen  besetzt  worden.
  Auf  dem  russischen  Kriegsschauplatz  dauert
  der  österreichische  Angriff  auf  Lublin  sort.
Der  russische  Offensivplan  ist  infolge  Auffenbergs
  glänzenden  Sieges  bei  Komarow  als  gescheitert
  anzusehen.  Die  russische  Nieverlage  bedeutet
  die  Katastrophe  für  einen  großen  Teil
der  russischen  Armee  und  vereitelt  endgültig
  ihr  geplantes  Zusammenwirken  mit  der
Armee  bei  Lemberg.  ·

Durch  Verräter  gefallen.

Wien,  6.  Sept.  In  der  hiesigen  Klinik  befinden
  jich  vier  Offiziere  in  Behandlung,  die
mit  zwei  anderen  Offizieren  in  Galizien  von
verräterischen  russophilen  Bauern  vergistet  worden
  waren.  Beim  Frühstück  reichten  die  Bauern
  den  Offizieren  eltwas  Brannte#ein,  nach  dessen
  Genuß  zwei  Offiziere  sofort  starben,  wäh-