Full text : Geschichte der Hohenzollern.

bekannt,  um  in  Bezug  auf  sie  einen  solchen  Schritt  wagen  zu  können.  In  der
Stille  hatte  allerdings  Luthers  Lehre  durch  das  ganze  Land  hindurch  die  Herrschaft
  gewonnen,  allein  der  öffentlichen  Anzeichen  gab  es  noch  wenige,  da  jede
lautere  Kundgebung  derselben  bisher  mit  Strenge  niedergehalten  worden  war.
So  fand  der  junge  Fürst  gar  manches  Bedenken,  den  eindringlichen  Mahnungen
des  muthigen  Landgrafen  nachzugeben.

Weit  minder  zurückhaltend  zeigte  sich  Markgraf  Johann.  Kaum  hatte  er
die  Herrschaft  angetreten,  so  erklärte  er  sich  offen  für  die  Augsburger  Confession
ohne  weitere  Rücksicht  auf  das  seinem  Vater  gegebene  Versprechen.  Auch  theilte
er  die  Ansicht  seines  Bruders  über  die  Gefährlichkeit  des  Schrittes  nicht.  Ganz
im  Gegentheil  glaubte  er  wesentlichen  Vortheil  in  dem  schleunigen  Ergreifen  der
neuen  Richtung  zu  sehen.  Johann  war  kein  Glaubenseiferer;  obwohl  er  mit
aufrichtiger  und  redlicher  Gesinnung  das  Lutherthum  ergriffen  hatte,  unterschied
er  sehr  wohl  die  Grenzen  geistlicher  und  weltlicher  Macht,  und  nahm  die  letztere
bei  allen  aus  den  Kirchenspaltungen  hervorgegangenen  Streitigkeiten  auf  das
Entschiedenste  in  Anspruch,  wogegen  es  ihm  nie  einfiel,  Jemandem  in  Glaubens=Artikeln
  Zwang  anzulegen.  Daher  bewies  er  sich  stets  duldsam  und  bedrängte
seine  katholischen  Unterthanen  ihres  Glaubens  wegen  nicht.  Johann  trug  kein
Bedenken,  sich  unverzüglich  an  die  Schmalkaldischen  Verbündeten  anzuschließen,
stief  jedoch  in  Bezug  auf  den  Eintritt  in  den  Bund  auf  Schwierigkeiten.  Diese
kamen  von  Seiten  der  Herzöge  Georg  von  Sachsen  und  Braunschweig  und  selbst
von  seinem  Bruder,  dem  Kurfürsten.  Jene  beriefen  sich  auf  ein  Bündniß,  welches
  Joachim  I.  mit  ihnen  und  dem  Erzbischofe  von  Magdeburg  in  Halle  zur
Erhaltung  der  römisch-katholischen  Religion  geschlossen  hätte.  Der  Markgraf
entgegnete  mit  vollem  Rechte,  daß  er  an  das,  was  sein  Vater  mit  ihnen  in
Religionsangelegenheiten  verabredet  hätte,  nicht  gebunden  sei.  Joachim's  Einwurf
  dagegen  war  begründeter.  Beide  Brüder  hatten  bei  ihrem  gemeinschaftlichen
  Regierungsantritt  einen  Vertrag  abgeschlossen,  es  sollte  sich  keiner  von
ihnen  in  ein  Bündniß  einlassen,  welches  dem  andern  zum  Nachtheil  gereichen
könnte;  daß  aber  der  Anschluß  an  die  Schmalkaldener  bedenkliche  Folgen  haben
konnte,  ließ  sich  nicht  ganz  ableugnen.  Zwar  gab  die  Auslegung  des  Vertrages
zu  verschiedenen  Erörterungen  Anlaß,  doch  endete  die  Unterhandlung  damit,  daß
sowohl  Johann,  als  auch  der  treue  Anhänger  der  Sache  Luthers,  Markgraf
Georg  von  Anspach,  trotz  aller  Anhänglichkeit  an  die  protestantischen  Glaubensgenossen
  das  Bündniß  zu  unterzeichnen  Bedenken  trugen.

Nichtsdestoweniger  wirkte  Joachim  II.  unablässig  für  den  Fortschritt  der
protestantischen  Sache  in  seinen  Landen,  wenn  auch  mehr  auf  Umwegen  als
durch  selbstständiges  Eingreifen.  Er  hinderte  Niemanden,  sich  offen  für  den
lutherischen  Glauben  zu  bekennen,  und  veranlaßte  so  mehrere  seiner  bedeutendsten
  Städte,  wie  Cottbus  (1537)  und  bald  darauf  Frankfurt,  lutherische  Prediger
  an  ihre  Kirchen  zu  berufen.  Viele  andere  folgten  diesem  Beispiele.  —
Gleichwohl  zögerte  Joachim  II.  mit  seiner  persönlichen  Entscheidung  in  dieser