20
Auf Ritterart wurde wohl immer noch der junge Fuͤrstensohn
erzogen; aber je mehr sich diese Periode zu Ende neigte,
desto größer wurde der Unterschied zwischen dem Fürsten
und dem Ritter, desto sorgfältiger unterschieden
Adel und Ritter bei sich selbst verschiedene mehr oder
weniger edle Gattungen. Die rikterliche Erziehung, die
im mittlern Zeitalter von so großem Vortheil war, wurde also
allmählich nur Ceremoniel. Der Zeitpunkt, da sich die
ritterliche Erziehung allmählich in eine gelehrte Erziehung
verlor, ist in der Geschichte des Privatlebens der deutschen
Fürsten eine sehr unglückliche Periode. Aus der Gelehrsamkeit
wurde gewöhnlich nichts, und die ritterliche Uebung
wurde vernachläßigt. Seltsam war es freilich, wenn sich die
Fürstensdöne, wie der Fall häufig war, auf Kenntniß der
Scholastik, der Alchymie und Astrologie legten, und
kläglich, wenn alsdann aller Rittergeist so sehr unter ihnen
sehlte, wie man auf dem großen Reichstage zu Worms im
Jahre 1495 sah, daß ein französischer Windbeutel von einem
Kitter der ganzen deutschen Nation hätte Hohn sprechen dürfen,
wenn' nicht Kaiser Mar, einer der letzten Fürsten, die
ritterlich erzogen wurden, die deutsche Ehre gerettet haͤtte. Wie
es aber mit der Gelehrsamkeit bestellt war, zeigt noch das
Beispiel Pfalzgraf Ruprechts, der 1379 schrieb: „er sey ein
Laie, der bloß seine Muttersprache verstehe,“ die Verwunderung
des Kardinals Aeneas Sylvius, daß der Herzog Ludwig
von Bayern schreiben könne; *) das Beispiel endlich
Kaisers Sigismund, der Lust hatte zu befehlen, daß man seiner
Unwissenheit zu Ehren „Schismam“ sagen sollte.
») 1457 schrieb Aeneas Sylvius an ihn: „Vidimus libenti animo
epistolam tuam ct wirati sumus subscriptionem propriae
manus. Scribis enim optime, quod est in tanlo Pprincipe
valde laudabile.“