Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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Auf  Ritterart  wurde  wohl  immer  noch  der  junge  Fuͤrstensohn
  erzogen;  aber  je  mehr  sich  diese  Periode  zu  Ende  neigte,
desto  größer  wurde  der  Unterschied  zwischen  dem  Fürsten
  und  dem  Ritter,  desto  sorgfältiger  unterschieden
Adel  und  Ritter  bei  sich  selbst  verschiedene  mehr  oder
weniger  edle  Gattungen.  Die  rikterliche  Erziehung,  die
im  mittlern  Zeitalter  von  so  großem  Vortheil  war,  wurde  also
allmählich  nur  Ceremoniel.  Der  Zeitpunkt,  da  sich  die
ritterliche  Erziehung  allmählich  in  eine  gelehrte  Erziehung
  verlor,  ist  in  der  Geschichte  des  Privatlebens  der  deutschen
  Fürsten  eine  sehr  unglückliche  Periode.  Aus  der  Gelehrsamkeit
  wurde  gewöhnlich  nichts,  und  die  ritterliche  Uebung
wurde  vernachläßigt.  Seltsam  war  es  freilich,  wenn  sich  die
Fürstensdöne,  wie  der  Fall  häufig  war,  auf  Kenntniß  der
Scholastik,  der  Alchymie  und  Astrologie  legten,  und
kläglich,  wenn  alsdann  aller  Rittergeist  so  sehr  unter  ihnen
sehlte,  wie  man  auf  dem  großen  Reichstage  zu  Worms  im
Jahre  1495  sah,  daß  ein  französischer  Windbeutel  von  einem
Kitter  der  ganzen  deutschen  Nation  hätte  Hohn  sprechen  dürfen,
  wenn'  nicht  Kaiser  Mar,  einer  der  letzten  Fürsten,  die
ritterlich  erzogen  wurden,  die  deutsche  Ehre  gerettet  haͤtte.  Wie
es  aber  mit  der  Gelehrsamkeit  bestellt  war,  zeigt  noch  das
Beispiel  Pfalzgraf  Ruprechts,  der  1379  schrieb:  „er  sey  ein
Laie,  der  bloß  seine  Muttersprache  verstehe,“  die  Verwunderung
  des  Kardinals  Aeneas  Sylvius,  daß  der  Herzog  Ludwig
  von  Bayern  schreiben  könne;  *)  das  Beispiel  endlich
Kaisers  Sigismund,  der  Lust  hatte  zu  befehlen,  daß  man  seiner
  Unwissenheit  zu  Ehren  „Schismam“  sagen  sollte.

»)  1457  schrieb  Aeneas  Sylvius  an  ihn:  „Vidimus  libenti  animo
epistolam  tuam  ct  wirati  sumus  subscriptionem  propriae
manus.  Scribis  enim  optime,  quod  est  in  tanlo  Pprincipe
valde  laudabile.“