1. Der Staat des Deutschen Ordeno in Preußen. (:n
neuen Vertrag, nach dem Waldemar zugleich im Namen seines
Mündels, des Markgrasen Zohann aus der ottonischen Linic,
den thatsächlich bereits an den Orden gekommenen Gebieten
gegen Zahlung von 10000 Mark Silber nochmals auodrücklich
entsagte. Erst als dieser Pakt am 27. Juli 1310 von Heinrich
VII. bestätigt und die Zahlung geleistet, dem Orden aber
der neue Besitz vom Kaiser verbrieft war, war die pommerellische
Frage gelöst. Die Zukunft in dem bisher halb polnischen Lande
gehörte der deutschen Kultur, für die ein Kampf zwischen dem
Orden und den Brandenburgern verhängnisvoll geworden wäre.
Denn Brandenburg war noch nicht stark genug, um die Grenzhut
im Nordosten wahrzunehmen. Hat Waldemar doch selbst
Stolp, Schlawe und Rügenwalde 1316 gegen Geld an Herzog
Wratislaw IV. von Pommern-Wolgast abgetreten: die Zeit war
noch nicht gekommen, wo der Brandenburger Adler sich an der
Ostsee einnisten konnte.
Die Eroberung Pommerellens schloß den Ordensstaat äußerlich
ab. Es erschien nun vollends als unnatürlich, daß der
Meister des Ordeno nicht dort seinen Sitz hatte, sondern seit
dem Verluste Accons (1291) gewöhnlich in Venedig weilte.
Dort hatte der Doge Nainer dem Orden zum Dank für die
Hilfe, die er der Republik 1252—1258 gegen Genua geleistet
hatte, die Kirche della Trinitä gebaut, neben der ein stattliches
Ordenshaus entstanden war. Aber wegen des Streites mit
dem Erzbischof von Riga und der pommerellischen Frage war
bereito Meister Gottfried von Hohenlohe 1302 nach Preußen
geeilt. Doch ist zweifelhaft, ob schon damals die Verlegung
seines Sitzes nach dem Ordenslande erörtert wurde. Sicherlich
hatte Hohenlohes Rücktritt vom Amte nichts damit zu thun,
ebensowenig wie nachher sein Widerruf, der heftige Streitigkeiten
im Orden veranlaßte. Die Kräfte des Ordens in Preußen
zu konzentrieren, erforderte schon seine Sicherheit. Das Schicksal
der Tempelherren enthielt in jedem Fall eine eindringliche
Warnung. In Preußen konnte der Orden jedem Gewaltstreich
der Art zuversichtlich begegnen.
So nahm denn etwa ein Jahr nach der Eroberung Danzigs
Siegfried von Feuchtwangen seinen Sitz in Preußen, aber nicht