Full text : Europäischer Geschichtskalender. Dritter Jahrgang. 1862. (3)

Deulschland.  91

20.  Sept.  (Württemberg)  lehnt  in  Antwort  auf  die  erneuerte  Auf-








forderung  Preußen's  neuerdings  seine  Zustimmung  zu  dem  Handelsvertrage
  mit  Frankreich  ab:

Dep.  an  Preußen:  „..  Indem  sie  dies  gethan  hat  und  thut,  handelt  sie
im  Einklang  mit  sämmtlichen  für  die  Interessen  des  Handels  und  der  Industrie  im
Lande  bestehenden  Organen,  und  ebenso  zuversichtlich  darf  sie  auf  die  entschiedene
Zustimmung  der  ständischen  Kammern  rechnen,  von  welchen,  wie  die  Kundgebungen
  der  Mitglieder  ihrer  Commissionen  außer  Zweifel  stellen,  nur  eine
beinahe  einstimmige  Verwerfung  jener  Verträge  zu  erwarten  gewesen  wäre.“

„  (Abgeordnetentag).  Die  österr.  Abgeordneten  lehnen  in
Folge  einer  Besprechung  in  einem  größeren  Kreise  die  Theilnahme
an  dem  Abgeordnetentage  ab.

Schreiben  der  HH.  Dr.  Berger  und  Rechbauer  an  Hofrath
Bluntschli:  „Es  hat  uns  hiezu  nicht  sowohl  der  allerdings  nicht  gleichgiltige
Umstand  veranlaßt,  daß  die  Versammlung  trotz  des  zu  Wien  nachdrücklich
ausgesprochenen  Wunsches  nun  dennoch  in  Weimar  und  nicht  in  Frankfurt
abgehalten  werden  wird;  wir  wurden  vlelmehr  sachlich  durch  die  in  der
Einladung  aufgestellte  Tagesordnung  bestimmt,  welche  den  durch  die  Wiener
  Conferenz  während  des  Juristentages  hervorgerufenen  berechtigten  Erwartungen
  durchaus  nicht  entspricht.  Es  konnte  nach  jener  Vorbesprechung
zu  Wien,  sowie  überhaupt  nach  den  derselben  vorhergegangenen  verschiedenen
  Verhandlungen  bei  uns  und  unseren  österr.  Collegen  nicht  der  geringste
Zweifel  darüber  obwalten,  daß  die  deutsche  Reformfrage  vor  Allem  auf  die
Tagesordnung  der  nach  dem  Wunsche  unserer  österr.  Collegen  in  Frankfurt
abzuhaltenden  Versammlung  zu  setzen  war.  Statt  dieser  Cardinalfrage  der
deutschen  Reformbestrebungen  wurden  die  unseres  Erachtens  zunächst  nur
nebensächlichen  Fragen  über  das  Verhältniß  der  deutschen  Kammern  gegenüber
  den  Anträgen  auf  eine  Delegirtenversammlung  bei  der  deutschen  Bundesversammlung
  und  über  die  Reorganisation  des  Zollvereins  für  die  Tagesordnung
  bestimmt.  Die  Lösung  der  ersten  Frage  ist  von  selbst  gegeben,
sobald  eine  Verständlgung  über  die  deutsche  Reformfrage  erzielt  wird;  die
Zollvereinsfrage  aber  ist  in  erster  Linie  keine  politische."“

„  (Kurhessen).  Allgemeine  Landtagswahlen  nach  dem  Wahlgesetze
  von  1849.  Unter  den  Gewählten  ist  auch  nicht  Ein  Anhänger
  der  nunmehr  beseitigten  Ordnung  der  Dinge  mehr.

21. Gründung  eines  deutschen  Sängerbundes  in  Coburg.

23. „  (Bayern)  lehnt  neuerdings  den  Beitritt  zum  Handelsvertrage
mit  Frankreich  in  einer  übrigens  sehr  versöhnlich  gehaltenen  Depesche
  ab:

„  Es  scheint  mir  weder  nothwendig  noch  zweckmäßig,  Herrn  Grafen  v.
Bernstorff  in  das  gesammte  Detail  umfassender  Erörterungen  über  die
einzelnen  Tarifsfragen  weiter  zu  folgen,  als  dieß  zur  Feststellung  der  allgemeinen
  Gesichtspunkte  und  zur  Berichtigung  einzelner  thatsächlichen  Verhältnisse
unbedingt  erforderlich  ist,  da  die  bayer.  Ablehnung  des  Vertrags  weniger  durch
einzelne  Tarifsfragen,  als  vielmehr  durch  gewisse  allgemeinere
  und  höhere  Rücksichten  begründet  wurde  und  ohnedies  diese  Fragen,
wenn  doch  eine  umfassendere  Revision  des  Zollvereins-Tarifs  vorgenommen
werden  soll,  einer  nochmaligen  sorgfältigen  Erörterung  nicht  entgehen  können.
  Dagegen  scheint  es  mir  unbedingt  nothwendig,  vor  Allem  die  Gründe,
auf  welchen  die  Ablehnung  Bayern's  beruht,  nochmals  kurz  und  bestimmt
zusammenzufassen,  weil  durch  eine  solche  übersichtliche  Zusammenstellung  und