Metadaten : Quellensammlung zur Entwicklungsgeschichte des modernen Staates. Zweiter Band. (2)

Jakoby:  Vier  Fragen.  67

2.  Die  Bürger  halten  in  Übereinstimmung  mit  der
Regierung  es  für  eine  notwendige  Sorge  des  Staates,  daß
die  Zahl  solcher  Staatsangehörigen,  welche  nur  in  der  Masse
zählen,  nach  Möglichkeit  verringert  werde.  Zuch  halten
beide  diese  Sorgen  nicht  bloß  darum  für  eine  Pflicht,  damit
durch  die  Bedürfnisse,  die  Forderungen  und  Gewalttaten
einer  immer  mehr  anschwellenden  Masse  nicht  am  Ende  die
Sicherheit  und  Wohlfahrt  der  Bürger  gefährdet  werde,
sondern  sie  betrachten  beide  es  als  eine  heilige  Liebespflicht
gegen  ihre  Mitmenschen,  denselben  auf  die  Wege  zu  helfen,
auf  denen  allein  sie  zum  Bewußtsein  und  zum  Genusse
ihrer  Menschenwürde  sich  erheben  können.  Ja,  es  stimmen
auch  darin  beide  überein,  daß  dieser  Sweck  nur  durch
wahre  Dolksbildung  erreicht  werden  kann.  Hber
das  mißbilligen  die  Bürger,  daß  die  Regierung  auf  die  Erreichung
  desselben  so  äußerst  geringfügige  Geldmittel  verwendet,
  daß  sie  die  Jugend  der  ärmeren  Dolksklassen  auf
ein  ganz  unzulängliches  Maß  der  Bildung  beschränken
will.  Die  Bürger  mißbilligen  es  ferner,  wenn  die  Regierung
auch  die  höheren  Schulen,  besonders  aber  die  Universitäten,
in  die  hände  einer  DHartei  zu  bringen  sucht,  welche  durch
ihre  unglüchseligen  Theorien  sich  bestimmen  läßt,  die  Jugend
von  dem  Wege  freier  Forschung  abzubringen  und  die  echte
und  ungefärbte,  die  rücksichtslose  Liebe  zur  Mahrheit  in
ihr  zu  erstichen.  Sie  mißbilligen  endlich,  daß  durch  die  gesamte
  Dreßgesetzgebung  nicht  bloß  die  volkstümliche  Entwichlung
  unserer  Eesetze  und  unserer  Staatseinrichtungen
gehemmt  ist,  sondern  daß  dieselbe  auch  den  Fortschritten
der  Wissenschaft  und  noch  mehr  der  Derbreitung  allgemeiner
Bildung  über  das  ganze  Dolk  offenbar  die  bedeutendsten
Hindernisse  in  den  Weg  legt.  Es  ist  ihnen  daher  nur  ein
unzulänglicher  Trost,  daß  diese  Bildung  zwar  gehemmt,
aber  nicht  vernichtet  werden  kann,  weil  die  Macht  desselben
doch  eine  größere  ist  als  die  der  Regierung.

S.  Die  Bürger  glauben  ebenso  wie  die  Regierung,  daß  ein

55