Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

264  Ersies  Buch.  Die  Elemente  des  preußischen  Staates  (bio  1598).

bedroht.  Des  Kurprinzen  zweiter  Sohn  Johann  Georg  stu—
dierte  in  Straßburg:  von  der  protestantischen  Mehrheit  des
Domkapitels  zum  Propst  gewählt,  dachte  er  dort  als  Administrator
  eine  Versorgung  zu  gewinnen.  Auch  wurde  er,  als  am
2.  Mai  1592  Bischof  Johannes  IV.,  Graf  von  Manderscheid,
starb,  gegen  den  Protest  der  nach  Zabern  entwichenen  katholischen
  Minderheit  am  20.  Mai,  kaum  fünfzehnjährig,  zum
Bischof  gewählt.  Als  posiulierter  Administrator  des  Stiftes  zu
Straßburg  und  Landgraf  zu  Elsaß  nahm  er  die  Wahl  an  mit
Zustimmung  auch  des  Großvaters.  So  standen  die  Hohenzollern
hier  wie  in  Magdeburg  im  Brennpunkt  des  Kampfes  um  den
geistlichen  Vorbehalt.  Denn  die  Minorität  wählte  den  Kardinalbischof
  von  Metz,  Karl,  den  Sohn  des  Herzogs  von  Guise.
Die  Lignisten,  die  Spanier,  die  Habsburger,  die  gesamte  katholische
  Reaktion  hatte  dieser  hinter  sich,  als  er  zur  Gewinnung
des  Stifts  die  Waffen  ergriff.  Der  Religionskrieg  entbrannte
am  Oberrhein.  Am  Niederrhein  aber  drohte  ein  noch  gewaltigerer
  Zusammenstoß.

Zohann  Georg  wurde  angst  vor  den  Konsequenzen  der
ihm  halb  aufgedrungenen  Politik,  mehr  noch  vor  den  ausschweifenden
  Entwürfen,  mit  denen  die  ihm  unfaßbare  Verwegenheit
  der  Aktionspartei  sich  trug.  Ohne  seines  Hauses  Anrechte
  aufzugeben,  meinte  er  doch  von  ihrer  Verfechtung  zur
Zeit  absehen  zu  müssen  und  sich  mit  dem  Wenigen  zu  begnügen,
was  dermalen  erreichbar  blieb.  Darin  bestärkte  ihn  Friedrich
Wilhelm  von  Sachsen-Altenburg,  der  nach  dem  frühen  Tode
Christians  I.  (25.  September  1591)  die  vormundschaftliche
Regierung  in  Kursachsen  übernommen  hatte:  nun  war  es  auch
dort  mit  der  Toleranz  gegen  Philippisten  und  Calvinisten  vorbei
  und  ihre  Träger,  obenan  Kanzler  Crell,  wurden  die  Opfer
fanatischer  Verfolgung  durch  das  triumphierende  Luthertum.
Johann  Georg  und  sein  Christian  Distelmeyer  waren  mit  ganzem
Herzen  dabei.  Von  einem  Bündnis  mit  Heinrich  IV.,  mit  Elisabeth
  von  England,  mit  den  Niederlanden  war  keine  Rede  mehr.
Johann  Georg  aber  entnahm  aus  alledem  nur  die  Lehre,  es
komme  vor  allem  darauf  an,  die  Reichsverfassung  ungeändert
zu  erhalten  und  jede  Neuerung  abzuwehren.  Und  damit  kam