Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

36  Vorgeschichte  der  Akademie.

eegenüber  Brandenburg,  neben  der  öffentlichen  Diplomatie  eine  geheime
  der  beiden  Fürstinnen  einzurichten,  hätte  nieht  er,  sondern
die  brandenburgische  Kurfürstin  getragen,  wenn  es  zu  solcher  Einrichtung
  damals  wirklich  gekommen  wäre.

Die  Entwicklung  der  Beziehungen  Leisnizens  zu  Brandenburg
bietet  ein  fast  dramatisches  Interesse:  ob  sie  sich  finden  werden.
Lriexız  und  Berlin.  ob  eine  Akademie  der  Wissenschaften  in  Brandenbiurg
  die  Frucht  dieser  Verbindung  sein  wird?  Das  vorstehende  Actenstück
  hat  den  grossen  Plan  Leigsizens,  der  hier  nur  wie  eine  Hülfslinie
  erscheint,  der  Verwirklichung  jedenfalls  um  einen  bedeutenden
Sehritt  näher  gebracht.

S.

Die  brandenburgische  Kurfürstin  entschloss  sich  damals  nicht.
auf  den  von  Lrissız  vorgelegten  gefährlichen  Plan  einzugehen‘.  Wohl
wollte  sie  ihn  in  Berlin  sehen,  aber  sie  erblickte  zunächst  keine
Möglichkeit,  dies  zu  bewirken,  ohne  sich  in  ein  bedenkliches  politisches
  Abenteuer  zu  stürzen.  Wie  sollte  sie  den  Wunsch  des
sanguinischen  Gelehrten,  Oberstudien-Direcetor  in  Brandenburg  zu
werden.  im  Handumdrehen  erfüllen?  Und  wie  gefährlich  war  das
Ansinnen,  eine  Art  von  Vollmacht  für  den  welfischen  Staatsmann  aııszustellen?
  Leissiz  hatte  ihren  Einfluss  beim  Kurfürsten  überschätzt
und  die  Reserve,  die  sie  sich  auferlegen  musste,  verkannt.  So  begnügte
  sie  sich,  die  Angelegenheit  langsam  zu  fördern,  indem  sie
einerseits  den  Plan  des  Observatoriums  wieder  aufnalhın,  an  den
sich,  wie  Lxissız  früher  ausgeführt  hatte,  Weiteres  anschliessen
konnte,  andererseits  ihre  Geneigtheit  erklärte.  mit  Leissiz  in  eine
Geheimeorrespondenz  zu  treten,  aber  nicht  direct,  sondern  durch
eine  vertraute  Mittelsperson,  den  Hofprediger  Jagrosskı.  Merkwürdig
  —  es  war  derselbe  Mann,  der  im  Auftrage  des  Kurfürsten
die  ebenfalls  geheim  betriebenen  confessionellen  Unionsverhandlungen
zwischen  Brandenburg  und  Hannover  zu  führen  hatte,  an  denen
Leienız  den  regsten  Antheil  nahm.  Am  5.  März  1698  schrieb  Ja-BLONSKı
  an  Leiesız  auf  Befehl  der  Kurfürstin  jenen  ausführlichen
Brief,  der  die  gehaltvolle  Correspondenz  zwischen  beiden  Männern
eröffnet”.  Der  Brief  beginnt  mit  den  Worten:

on  ia  men

!  Später  hat  sie  es  gethan.  s.  die  fir  Lerxız  ausgestellte  Vollmacht  vom
2.December  1701  (Krorr.  Werke.  10.Bd.  S.grf.).

?  Der  Brief  befindet  sich  auf  «der  Bibliothek  zu  Hannover  und  ist  von  Kvacsarı
  (2.2.0.  8.11.)  abgedruckt.  Vollständig  mitgetheilt  im  Urkundenband  Nr.  17.