Metadaten : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

II.  Die  Mark  Brandenburg.  110

als  anderwärtö  zur  Geltung.  Zuerst  Otto  J.  und  Johann  III.
mußten  Geldbewilligungen  der  Stände  durch  Ueberlassung  einzelner
  Hoheitörechte  erkaufen.  Das  geschah  in  den  folgenden
kriegerischen  Zeiten  häufiger,  wo  namentlich  die  Kämpfe  mit
Pommern  immer  neue  Opfer  verlangten  und  die  Stände  der
einzelnen  Landschaften  es  als  vorteilhaft  erkannten,  fürstliche
Anliegen  der  Art  nur  gemeinsam  auf  einem  Landtage  zu  erledigen.
  Wurden  sie  von  altersher  befragt,  wenn  es  sich  um
Krieg,  Verträge,  Erbteilungen  u.  a.  handelte,  so  machten  sie
jetzt  die  Fürsten  gerade  in  den  entscheidensten  Momenten  von
ihrem  guten  Willen  abhängig,  ja  die  der  Altmark  setzten  es  1282
durch,  daß  ihnen  als  Pfänder  für  die  Respektierung  ihrer  Rechte
die  drei  Landesfestungen  überliefert  wurden  und  das  Recht  zu
gewaffnetem  Widerstand  und  zum  Uebertritt  zu  einem  anderen
Herrn  ausdrücklich  zuerkannt  wurde.

Die  Zeiten,  die  Waldemars  Tod  folgten,  begünstigten  die
Erweiterung  der  standischen  Rechte,  da  die  einzelne  Teile  an
sich  reißenden  Nachbarfürsten  die  Herren,  Prälaten  und  Städte
für  sich  zu  gewinnen  suchten.  Als  letzter  männlicher  Sproß  der
Anhaltiner  war  Heinrich  II.  übrig,  der  Sohn  Heinrichs  von
Landoberg.  So  suchte  Waldemars  Witwe  Agnes,  auf  die  als
Tochter  des  Markgrafen  Hermann  die  Rechte  der  Salzwedeler
Linie  übergegangen  waren,  die  Herrschaft  zu  gewinnen,  fand
aber  nur  in  der  Altmark  und  einem  Teile  der  Mittelmark  Anerkennung.
  Als  sie  aber  Herzog  Otto  von  Braunschweig  beiratete,
erklärte  sich  ihr  Beschützer  Nudolf  von  Sachsen-Wittenberg  für
den  jungen  Landeberger  Markgrafen.  Gegen  ihn,  die  Hauptstütze
Friedrichs  von  Oesterreich,  veranlaßte,  wie  es  scheint,  Ludwig
der  Bayer  Herzog  Wladiolaw  von  Pommern-Wolgast,  der
Aufforderung  etlicher  Städte  folgend,  ale  Vormund  Heinrichs  II.
sich  der  Nenmark  zu  bemächtigen.  Nun  trat  auch  Heinrich  von
Schlesien  mit  Ansprüchen  hervor  und  fand  gegen  Ueberlassung
der  Oberlausitz  und  des  Görlitzer  Landes  die  Hilfe  Johanns  von
Böhmen.  Der  Tod  Heinrichs  II.,  mit  dem  die  Anhaltiner  erloschen,
  steigerte  die  Verwirrung.  Sachsen  suchte  sich  in  der
Lausitz  und  Mittelmark  einzunisten.  Agnes  flüchtete  unter  die
Lehensêhoheit  des  Magdeburger  Erzbischofs,  der  die  Lausitz  an