Full text : Die Entstehung der constitutionellen Verfassung des Königreichs Sachsen.

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macht.  Die  Bekanntmachung  durch  den  Druck  erfolgte  erst  später,
jedoch  noch  in  demselben  Jahre.  Die  praktische  Inslebenführung
der  „Constitutionen“  ging  übrigens  nicht  so  ganz  ohne  Opposition
von  Statten,  deren  Seele  hauptsächlich  die  Städte  waren,  welche
es  empfindlich  vermerkten,  daß  man  sie  zu  dem  Ausschußtage  von
1572  nicht  zugezogen  hatte,  und  unter  diesen  war  es  wieder  in
erster  Stelle  Freiberg,  dessen  Rath  sich  geradezu  geweigert  hatte,
die  „Constitutionen“  der  Bürgerschaft  zu  publiciren.  Man  setzte
sich  hier  mit  Dr.  Craco,  als  dem  Verfasser  der  neuen  Gesetzgebung,
  in  Verbindung,  erreichte  aber  gerade  das  Gegentheil  des
Beabsichtigten,  denn  Dr.  Craco  benutzte  die  ihm  hierdurch  gebotene
  Gelegenheit,  über  die  „Stadtrechte“  überhaupt  und  über  das
alte  Freiberger  Stadtrecht  insbesondere  seinem  Herzen  in  seiner
nichts  weniger  als  urbanen  Art  Luft  zu  machen.  „Etliche  Städte,“
sagte  er,  „hätten  ein  grob  unvernünftig  Recht,  welches  auch  wider
die  Natur  liefe,  und  eben  dieses  sollte  nunmehro  aufgehoben  seyn“.
Die  Bestimmung  des  Freiberger  Stadtrechts:  daß  ein  Kind  sein
eignes  Vermögen  nicht  auf  die  Aeltern,  sondern  auf  seine  Geschwister
  vererben  sollte,  nannte  er  „grobe,  viehische,  unmenschliche
und  unbillige  Rechte,  die  durch  alte  Gebräuche,  weil  Freiberg  dem
Walde  nahe,  aus  Böhmen  in  diese  herrlichen  Lande  geflohen  wären
und  nun  ausgerottet  werden  müßten.  Wenn  die  alten  Fürsten
und  Herren  der  Stadt  Freiberg  und  anderer  Städte  Statuten  also
conformiret  und  einfältig  privilegiret,  so  sei  solches  aus  Alberkeit
geschehen;  man  habe  dies  nicht,  wie  jetzt  erwogen,  denn  die  Höfe
seien  eingezogen  gewesen  und  man  habe  auch  nicht  so  viele  gelehrte
Leute  wie  gegenwärtig  gehalten“.')  Eine  Audienz,  welche  die
Freiberger  bei  dem  Kurfürsten  selbst  nachsuchten,  wurde  auf  Craco's
Betrieb  verhindert.“)

*)  Vergl.  „Versuch  einer  Lebensgeschichte  D.  Georgen  Cracau,
Churfürst  Augusts  Geheimbden  Raths“  in  der  „Sammlung  vermischter
Nachrichten  zur  Sächsischen  Geschichte“,  VIII.  Bd.  S.  64  fg.,  Chemnitz
  1772.