Das Deulsche Reit und seine einjelnen Glieder. (Mai 7. -— 11.) 115
nicht zu umgehen. Bei den Zollsätzen für Industrieerzeugnisse erstrecken
sich die Zugeständnisse hauptsächlich auf Leder und Lederwaren, auf Kautschukwaren,
auf Papier und Papierwaren und auf Glas und Glaswaren. Hinsichtlich
der chemischen Erzeugnisse, der Steinwaren, der unedlen Metalle
und der Waren aus solchen sind einige Vertragssätze zugestanden worden.
Auch aus den beiden letzten Tarifabschnitten (Maschinen u. s. w.) hat ein
Teil der Konventionalsätze in der dem Abkommen beigegebenen Liste unserer
Konzessionen Aufnahme gefunden.
7. Mai. (Hamburg.) Der Verband deutscher Seeschiffswerften
schließt mit einer Kommission der Werftarbeiter und mehrerer
Arbeiterverbände einen Vertrag über Lohn und Arbeitszeit. —
Es wird viel beachtet, daß dieses paritätische Verhandeln sozial
einen prinzipiell wichtigen Fortschritt darstellt.
7. Mai. (Reichstagswahl.) Bei der Ersatzwahl in
Schleiden-Montjoie erhalten Fervers (Z.) 10487, Graf Spee (3Z.)
4449, Scheiblen (nul.) 544, Hoffrichter (Soz.) 99 Stimmen.
Mai. In der sozialdemokratischen Presse finden Auseinandersetzungen
über Patriotismus statt; der „Vorwärts“, die „Leipziger
Volkszeitung“ und die „Dortmunder Arbeiterzeitung“ polemisieren
gegen einige Außerungen Bebels und Noskes im Reichstage.
8. Mai. (Preußisches Abgeordnetenhaus.) In der
Budgetkommission teilt Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben mit,
die Aufbesserung der Beamtenbesoldungen werde 100 Millionen
erfordern, die zum Teil durch Erhöhung der Einkommensteuer aufgebracht
werden müßten.
10. Mai. (Reichstag.) Beratung der Entschädigung für
die südwestafrikanischen Ansiedler. (Vgl. 1906.)
Eine Vorlage der Regierung forderte 7½ Millionen, die Kommission
beantragt nur 5 Millionen zu bewilligen unter folgender Bedingung: Die
Hilfeleistung erfolgt unter der Voraussetzung, daß anderweitige Ansprüche
auf Entschädigung gegen das Reich oder die Kolonie aus Verlusten infolge
des Eingeborenenaufstandes seitens des Empfängers der Hilfeleistung nicht
gestellt werden.“ Die Kommission hat einen Antrag Semler, 7½ Millionen
als rückzahlbares Darlehen zu gewähren, mit 14 gegen 12 Stimmen
abgelehnt; die 5 Millionen sollen geschenkweise hergegeben werden. — Abg.
Gröber (3.) lehnt alle Forderungen ab, da die Schadensansprüche auf
sehr unsicherer Grundlage ruhten. Deutscher Unternehmungsgeist werde
auch ohne die Unterstützung durchkommen. — Der Kommissionsantrag wird
nach Begründung durch den Gouverneur von Südwestafrika v. Lindequist
gegen Zentrum, Polen und Sozialdemokraten angenommen.
11. Mai. (Preußen.) Das Herrenhaus beendet die Etatsberatung.
— Der Etat balanciert mit 3187109250 Mark. Davon
sind 284 127410 Mark einmalige und außerordentliche Ausgaben.
8*