Oktober 1902. 355
Staaten sich gegenseitig etwas zu bieten haben. Deshalb sind die gollpolitisch
verwertbaren Positionen so bemessen, daß dem betreffenden Artikel
ein erhöhter Zollschutz gesichert bleibt, auch wenn im Vertragswege Zugeständnisse
gewährt werden. Bei der Aufstellung des Tarifs ist sorgsam darauf
geachtet worden, daß solche Positionen für Handelsvertragsunterhandlungen
einen hinreichenden Spielraum bieten. Ob bei den von der Kommission
vorgenommenen Veränderungen diesen Gesichtspunkten überall Rechnung
getragen worden ist, erscheint den verbündeten Regierungen zweifelhaft.
Die einzige Ausnahme in dem System des Ihnen vorgelegten Einheitstarifs
bilden die Zölle für die vier Hauptgetreidcarten: Weizen,
Roggen, Gerste und Hafer. Für diese sind, einem dringenden Wunsche
unserer Landwirtschaft entsprechend, Maximal= und Minimalzölle eingesetzt
worden. Keine Position im ganzen Tarif ist der Gegenstand so lebhafter
Angriffe gewesen wie diese, mit welchen dies hohe Haus die zweite Lesung
der Tarifvorlage zu beginnen soeben beschlossen hat. Die einen behanpten,
die Getreidezölle seien viel zu hoch gegriffen, sie enthielten eine unerträgliche
Belastung der notwendigsten Lebensmittel und bedeuteten durch die
dadurch bewirkte Verteucrung der Arbeitslöhnec eine schwere Schädigung
für unsere Exportindustrie. Andere umgekehrt sind der Ansicht, die Getreidczölle
seien zu niedrig normiert; noch andere erblicken in der Durchbrechung
des Systems des Einheitstarifs durch Maximal= und Minimalzölle
für die Cerealien eine ungerechtfertigte Bevorzugung der Landwirtschaft,
welche dahin führen müssc, das Zustandekommen von Handelsverträgen
unmöglich zu machen. Die verbündeten Regierungen halten in ihrer großen
Mehrheit diese Befürchtung nicht für begründet. Die verbündeten Regierungen
glauben, daß die Höhe der Getreidezölle gerade richtig bemessen
ist, um unsere Landwirtschaft in ihrer bisherigen Intensität und ihrem
bisherigen Umfange zu erhalten und andererseits den Abschluß langfristiger
Handelsverträge noch möglich erscheinen zu lassen.
(Hört! hört! links.)
Daß, meinc Herren, die Landwirtschaft einc schwere Krisis durchgemacht
hat und zum Teil noch durchmacht, das kann nicht ernstlich bestritten
werden. Es kann nicht bestritten werden, daß die Landwirtschaft,
welche eine gewaltige Produktion ist, die der industriellen Produktion
mindestens gleichwertig ist, daß diese gewaltige Produktion trotz eines
großen Aufwands an Produktionskraft, an ehrlicher und fleißiger Arbeit,
mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Und auch das kann
gerechterweise nicht bestritten werden, daß es die Pflicht der verbündeten
Regierungen wie dieses hohen Hauses ist, der Landwirtschaft zu helfen,
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