Allgemeine Chronik. 9
ihren. Antrag zurück, wodurch ihre numerische Schwäche verhüllt
wird.
13. April. (Deutsches Reich.) Reichstag: Debatte über das Schreiben des
Reichskanzlers vom 11. d. M. Von keiner Seite wird ein förmlicher
Antrag eingebracht und die große Debatte bildet also im Grunde
nicht mehr als einen bloßen Meinungsaustausch.
„ „ (Rußland.) Die russische Südarmee setzt sich in Bewegung gegen
den Pruth.
„ „ (Montenegro) Die Friedensunterhandlungen mit der Pforte zerschlagen
sich definiv.
14. „ ( Deutsches Reich: Preußen.) Der kgl. Gerichtshof für kirchliche
Angelegenheiten spricht die Amtsentsetzung des Bischofs von Limburg.
aus.
„„ (Pforte) Abdul Kerim P. geht als Oberbefehlshaber der gesammten
türkischen Streitkräfte in Europa an die Donau ab.
16. „ (Deutsches Reich.) Der Reichskanzler geht zunächst auf seine
lauenburgischen Besitzungen und dann nach Barzin.
Bundesrath: beschließt, dem Reichstag den Erlaß eines Gesetzes
betr. die Erhebung eines Eingangszolls von Eisen in der Höhe von
75 Pf. pro Centner vorzuschlagen, zunächst als Retorsionszoll. gegen
Frankreich, im Weiteren aber doch auch als theilweise Wiederherstellung
der abgeschafften Eisenzölle überhaupt.
„„(Deutsches Reich — Oesterreich-Ungarn.) In Wien beginnen
die Conferenzen zwischen beiden über die Erneuerung des Handelsvertrags
von 1867.
„ „ (Rumänien) schließt mit Rußland eine Durchzugs-Convention ab und
beruft die Kammern auf den 26. d. M. ein, um ihr dieselbe vorzulegen.
17. „ (Oesterreich-Ungarn: Thyrol.) Die clericale Majorität des Landtags
macht wieder wie voriges Jahr eine Glaubenseinheits-Demonstration.
20.„ (Deutsches Reich: Bayern.) Die Uneinigkeit, im ultramontanen
Lager ist sichtlich im Steigen begriffen. „Gemäßigte" und „Extreme"
greifen sich gegenseitig mit immer größerer Heftigkeit an.
„„(Deutsches Reich: Preußen.) Der rheinische Provinziallandtag
bewilligt 100,000 Mk. für ein Fest zu Ehren des Kaisers mit 52
gegen 16 Stimmen, ultramontane Adelige, welche die Bewilligung
wegen des Culturkampfs ihrerseits verweigern.
„„(Belgien.) II.Kammer: Debatte über eine Petition der Bischöfe
und zahlreicher Clericaler bez. der Lage des Papstes in Folge seiner
Allocution vom 12. März. Der Minister Malon sieht sich genöthigt,
die von den Bischöfen im Lande geschürte Agitation für ein unkluges
Unternehmen zu erklären.
„„(Schweden und Norwegen.) Die beiden Kammern können sich
über die Vorlage der Regierung bez. Neurggnisation der Armee nicht
einigen. Dieselbe bleibt daher vorerst abgelehnt.
„ „ (Rußland.) Es wird für Rußland schwierig sein, die gewaltigen
Summen für den Krieg mit der Türkei aufzubringen: sogar ein
kleines Vorschußgeschäft im Ausland gelingt ihm nur unter sehr
lästigen Bedingungen.
23.„ (Oesterreich-Ungarn.) Die Regierungen beider Reichshälften bringen
in beiden Abgrordnetenhäusern die sämmtlichen Ausgleichsvorlagen
mit einziger Ausnahme des Quotengesetzes und des Zolltarifs ein.
„„ (Frankreich.) Die Regierung sieht sich genöthigt, durch Rundschreiben
an die Präfecten die Colportage gedruckter katholischer Petitionen
gegen die italienische Regierung zu verbieten.