292 Frastreic. (Sept. 3—14.)
meinderath übrigens unmittelbar vorher auch hat aufgelöst werden
müssen.
3. September. Hr. Thiers i unerwartet, für die republikanische
Partei, deren Candidat für die Würde eines Präfidenten der
Republik er ist, wenn Mac Mahon freiwillig oder gezwungen sollte
zurücktreten müssen, ein schwerer Verlust.
5. September. Die Regierung beschließt, Hrn. Thiers auf
Staatskosten zu beerdigen, um die Republikaner davon möglichst
auszuschließen und jede Demonstration zu verhindern. Frau Thiers
nimmt es jedoch nur an unter der Bedingung, daß ihr selbst die
Anordnung des Leichenzugs überlasse werde. Die Regierung geht
darauf nicht ein und die Beerdigung auf Staatskosten unterbleibt.
8. September. Großartiges Leichenbegängniß des Hrn. Thiers.
Ganz Paris und zahlreiche Abordnungen aus der Provinz nehmen
daran Theil, die Regierung nicht; sie consignirt vielmehr die Truppen
für alle Fälle in die Casernen. In seinem Nachlasse wird ein sehr
einläßliches „Wahlmanifest an seine Wähler“ gefunden, dessen Veröffentlichung
allseitig tiefen Eindruck macht, da er darin als Resultat
seines ganzen langen Lebens neuerdings die Ueberzeugung
ausspricht, daß nur mehr ein liberales und conservativ-republikanisches
Regiment für Frankreich möglich sei, und das gegenwärtige
Regiment Mac Mahon-Broglie-Fourkou mit den schärfsten Zügen
zeichnet.
8.—14. September. Besuch Mac Mahon's in der Gironde.
Die Aufnahme ist überall ohne eine einzige Ausnahme eine überaus
kalte, besten Falls achtungsvolle. Wenn es sein Zweck war, für
seine Candidaten Propaganda zu machen, so sollte er davon gründlich
geheilt sein. Es ist bereits ganz und gar außer Zweifel, daß
die Wahlen überwiegend republikanisch ausfallen werden. Wären sie
frei, so würden wohl nicht bloß die 363 alle wieder, nicht bloß die
400 Gambettas, sondern noch viel mehr Republikaner siegreich aus
der Urne hervorgehen; nur der Hochdruck der Regierung mit ihren
offiziellen Candidaten und ihrer Anzahl von Beamteten bis auf die
Feldhüter herab wird dem Marschall wenigstens eine anständige
Minderheit sichern.
Gerade in Bordeaux, dessen Einwohner eigentlich nur Sinn für heitern,
epikuräischen Lebensgenuß haben und sich den politischen Fragen gegenüber
weit indifferenter keifen, als die der andern größern Städte Frankreichs,
find die republikani chen Demonstrationen am drastischsten. Der Ruf:
Vi#re la Republique! verfolgt den Marschall elf Stunden lang auf Schritt