298 Nord-Ameriks. (Dezember 2.)
stimmen, daß diejenigen, welche in den Vereinigten Staaten aufgefunden
werden sollten, wieder nach dem Lande hingeschafft werden, aus dem sie
gekommen sind Die Strafen für erfolglose Mordversuche gegen den Präsidenten
und den Vizepräsidenten sollen verschärft werden. Alle zivilisierten
Mächte sollten in besonderen Verträgen die Verbrechen der Anarchisten für
Verstöße gegen das Völkerrecht erklären, wie Seeräuberei und Sklavenhandel.
Die Botschaft spricht dann von dem überaus blühenden Wohlstande
des Landes und erklärt, daß ein großer Teil der Feindschaft gegen
die Trusts gänzlich ungerechtfertigt sei. Das Land sei den Männern zu
großem Danke verpflichtet, welche den Handel des Landes geschaffen und
seine Industrie entwickelt hätten. Ein weiterer Grund, diese kommerziellen
und industriellen Korporationen mit Bedacht zu behandeln, liege in den
internationalen Handelsverhältnissen. Die Bedeutung der herrschenden
Stellung, welche Amerika im internationalen Geschäftsverkehr der Welt
erst seit kurzer Zeit einzunehmen begonnen habe, dürfe nicht auf das Spiel
gesetzt werden. Es sei ja richtig, daß wirkliche und ernste Uebelstände vorhanden
seien, der Hauptfehler sei die Ueberkapitalisierung; Verschmelzungen
sollten nicht verboten, aber innerhalb vernünftiger Grenzen beaussichtigt
werden. Ein wesentliches Erfordernis, um eine solche Kontrolle ausüben
zu können, liege in der Kenntnis aller Vorgänge bei derartigen Gesellschaften
und in der Oeffentlichkeit ihres Geschäftsganges. Die Regierung
sollte das Recht haben, in den Geschäftsgang der großen, am internationalen
Geschäftsverkehr beteiligten Korporationen einzusehen, und die Nation
selbst die Aufsicht über dieselben übernehmen. Darin liege keine Härte.
Die Banken seien schon jetzt der gleichen Maßnahme unterworfen. Die
Oeffentlichkeit sei das einzig sichere Mittel, das man jetzt zur Anwendung
bringen könne. Was für Hilfsmittel weiter noch erforderlich sein würden,
könne erst festgestellt werden, nachdem gesetzlich bestimmt sei, daß der Oeffentlichkeit
Einblick in derartige Geschäftsbetriebe zu gestatten sei. Ein neues
Mitglied des Kabinetts solle unter der Bezeichnung „Sekretär für Handel
und Industrie“ ernannt werden, der die Interessen des Handels im weitesten
Sinne wahrzunehmen hat. Die amerikanische Arbeit muß geschützt
werden nicht nur durch den Zolltarif, sondern auch soweit als möglich vor
Arbeitern, die mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche nach Amerika gebracht
werden oder die eine so niedrige Lebenshaltung haben, daß sie die
amerikanischen Arbeiter auf dem Arbeitsmarkt unterbieten oder sie auf ein
niedrigeres Niveau herabdrücken können. Es ist deshalb nötig, das Gesetz
gegen die Chineseneinwanderung wieder in Krast zu setzen und zu verschärfen.
Die Gesetze betreffend die Einwanderung sind unbefriedigend.
Sie müßten Anarchisten und Personen von üblem Ruf fernhalten, durch
eine sorgfältige Prüfung dafür sorgen, daß die zur Einwanderung Zuzulassenden
eine gewisse geistige Fähigkeit haben, die amerikanischen Institutionen
zu würdigen, und den Nachweis verlangen, daß die Einwandernden
fähig sind, sich in Amerika ihr Brot zu verdienen, und genügend Geld
haben, um ihre Existenz in Amerika auf anständige Weise nach amerikanischen
Verhältnissen zu beginnen. Es muß eine sehr genaue Ueberwachung
der Dampfschiffahrts-Gesellschaften, welche hauptsächlich Einwanderer nach
Amerika herüberbringen, platzgreifen. Nichts könnte unweiser sein, als die
geschäftlichen Interessen des Landes durch eine allgemeine Tarifänderung
zu stören. Doch ist es höchst wünschenswert, für ein Ergänzungssystem
der Reziprozität zu sorgen. Die Reziprozität muß als die Gehilfin der
Schutzpolitik behandelt werden. Das phänomenale Anwachsen unseres
Ausfuhrhandels verlangt gebieterisch ausgedehntere Absatzmärkte und eine
liberalere Politik den fremden Nationen gegenüber, behufs Gewinnung