thumbs : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

9.  Das  Verhältnis  zwischen  der  rumänischen  Regierung  und  der  russischen
Provisorischen  Regierung.

Geheimtelegramm  des  Ministers  der  Auswärtigen  Angelexrenheiten
  an  den  Direktor  der  diplomatischen
Kanzlei.  8.Mai  1917.  Nr.  1849.

Im  Hinblick  auf  die  Reise  Bratianus  hierher  hat  die  serbische  Regierung
nach  «den  vorliegenden  Nachrichten  angeregt,  die  Frage  der  Revision  des
zwischen  Rumänien  und  den  Verbandsmächten  im  August  v.  J.  abgeschlossenen
  Vertrages  aufzuwerfen,  um  von  Rumänien  einen  Verzicht  auf  den  Banat
zu  erlaugen.  Ich  bin  der  Ansicht,  daß  jetzt,  nachdem  wir  eben  erst  erklärt
haben,  an  den  internationalen  Verträgen  festhalten  zu  wollen,  die  Anregung
einer  solchen  Frage  unzulässig  ist  und  große  politische  Verwicklungen  hervorrufen
  könnte.

gez.  Miljukow.
(Prawda  vom  31.  Januar  1918.)

Gelheimtelegramm  des  Gesandten  in  Rumänien.
‚Jasay,  19.  Mai  1917.  Nr.  567.

Aus  Gesprächen  wit  hiesigen  Politikern  konnte  ich  die  Überzeugung
erlangen,  daß  Bratianu  in  seinem  Bericht  über  seine  Reise  nach  Rußland  aus
Anlaß  des  ihm  bei  uns  zuteil  gewordenen  Empfanges  und  der  Beziehungen  der
Provisorischen  Regierung  zu  Rumänien  seine  vollste  Zufriedenheit  ausgesprochen
  hat.  Bratianu  gab  jedoch  zu,  daß  er  Rußland  mit  dem  Gefühl
lebhaftester  Unruhe  verlassen  habe,  da  es  ihm  nicht  entgangen  sei,  daß  der
Übergangszustand,  in  dem  sich  Rußland  jetzt  befindet,  der  Provisorischen
Regierung  noch  nicht  die  Möglichkeit  gegeben  habe,  ihre  Macht  so  weit  zu
kräftigen,  daß  man  schon  jetzt  davon  überzeugt.  sein  könne,  daß  es  der  Provisorischen
  Regierung  gelingen  werde,  ihr  Programm  der  Fortsetzung  des
Krieges  bis  zum  siegreichen  Ende  und  der  schleunigen  Wiederberstellung  des
aktiven  energischen  Handelns  an  unserer  und  der  rumänischen  Front  in  die
Tat  umzusetzten.  Bratianu  machte  dabei  den  Vorbehalt,  daß  er  keineswegs
die  Hoffnung  auf  die  Fortsetzung  des  Krieges  verloren  habe  und  daß  er  die
Lage  Rumäniens  deshalb  noch  nicht  als  hoffnungslos  ansehe.

gez.  Poklewski.
(Prawda  vom  31.  Januar  1918.)