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[Frankfurt, 22. 12. 13531.
Liebe Malle!
Während ich genöthigt bin, in der Sitzung einen ganz unglaublich
langweiligen Vortrag meines mit Erlaubniß zu sagen
Darmstädtischen TCollegen 1) über die anarchischen Justände in
Ober-Lippe anzuhören, dachte ich darüber nach, wie ich diesen
rnoment utilisiren könnte, und als hervorragendstes Bedürfniß
meines Serzens stellte sich ein Ergutz brüderlicher Gefühle heraus.
Es ist eine sehr achtungswerthe, aber wenig unterhaltelnde
Tafelrunde, die mich hier an einem grünbehangnen, etwa 20
Fuß im Durchmesser haltenden Kreisrunden Tische, im Darterre
des Taxischen Halais mit Aussicht auf Garten, umgiebt. Der
durchschnittliche Schlag ist etwa der wie WMalzen und Linden?)
in Berlin, die haben ganz bundestäglichen pli. Weine tlage
wird etwas erschwert, durch das Rreuzfeuer von Athem, dem
ich zwischen meinen Nachbarn und “ ausgesetgt bin. Der
Geruch des erstern wird Dir noch in Erinnrung sein, es ist eine
kräftige Mmischung von unausgespühlten hohlen Zähnen und mit
etwas Rippe, wenn er den Nock öffnet. Der andre liefert den
unverfälschten Ausdruck verdorbnen Magens vor dem essen,
die unausbleibliche irkung der Combination häufiger und
schwerer diners, bei geringer Rörperbewegung, der natürliche
Geruch der Diplomaten und Sofmarschälle. Außer den Sitzungen
geht es mir übrigens ganz gut; Johanna und Kinder sind wohl,
1) Freiherr v. Münch-Bellinghausen, Großberzoglich-Lessischer Bundestagsgesandter.
) Freiherr v. Linden war damals württembergischer Gesandter in Berlin.
5 Briefe Biemarcks an Schwester und Schwager 65