Eierstockskrankheiten. 579
Eierltockskrankheiten. Im letzten Kapitel des I. Teiles ist von
den Eierstöcken schon gesprochen. Ihre Erkrankungen sind vielfältige und
sowohl für den Gesundheitszustand der Frau, wie auch für die Mutterschaft
und den psychischen Zustand von größter Bedeutung; das Verhalten der
Menstruation darf als Barometer für die Gesundheit der Eierstöcke gelten;
doch gibt es auch nervöse Personen, die ganz gesunde Genitalien haben und
dennoch selten regelmäßige Menstruationen nachweisen können. Das sind
meistens Mädchen mit erregbaren Herznerven, die öfters auch an Zirkulationsstörungen
leiden. In solchen Fällen hat die Unregelmäßigkeit nicht viel zu
bedeuten, verliert sich in den leichteren Fällen auch oft durch die Ehe.
Kommen aber stechende und drückende Schmerzen hinzu, die nicht selten in
die Nabelgegend verlegt werden, ist Gemütsverstimmung, Reizbarkeit und
Veränderlichkeit vorhanden, dann hat man es mit einem ausgesprochenen
örtlichen Leiden zu tun. Man unterscheidet akute und chronische Eierstocksentzündung
und Eierstocksgeschwülste.
Die akute kommt recht oft im Anschluß an Gebärmntterentzündungen
vor, ferner bei Tripperinfektion, wenn sich der Trippereiter rasch in die Gebärmutter
hineinzog, aber auch selbständig aus mannigfachen Veranlassungen.
Viel häufiger indessen sind die chronischen Entzündungen, die schleichend
beginnen und eine beständige Quelle von Beschwerden bilden. Überanstrengung
der Geschlechtsorgane in und außerhalb der Ehe durch zu häufige geschlechtliche
Reizungen, wiederholte Tripperinfektionen durch den Mann sind die häufigsten
Ursachen; es gibt auch andere bei blutarmen Personen oder im Anschluß an
Entzündungen der Nachbarorgane. Zur Behandlung ist die Feststellung
dieser Verschiedenheiten notwendig.
Unter den Geschwülsten ist die „Zyste", das ist eine wasserhaltige
Blase von Erbsen= bis Kopfgröße, die häufigste. Sie wächst mitunter überraschend
schnell, platzt wohl auch und überschwemmt die Bauchhöhle oder vereitert
und bricht nach außen auf. Sind keine ausgedehnten Verwachsungen
mit der Umgebung eingetreten, so ist die Ausscheidung der ganzen Zyste
samt dem Rest des Eierstockes durch Operation (Bauchschnitt) das radikalste
Mittel, um (bei gutem Kräftezustand) noch Heilung zu erzielen. Die
Operationstechnik ist jetzt so hoch entwickelt, daß kaum sieben Prozent Todesfälle
dabei nachweisbar sind. Aber auch durch Dampfanwendungen und
heiße Kompressen, verbunden mit Diät und ableitenden Bädern, erzielt man
mitunter Heilung. Auch Eierstockskrebs kommt vor, ist aber selten.
Behandlung. Bei akuter Eierstocksentzündung, oft mit Fieber
verbunden, haben sich kalte Unterbauchwaschungen sehr bewährt (siehe
Fig. 342), stündlich zu wechselnde Leibpackung, leichte, kühle Diät, Entleerungsklystiere.
Bei chronischer Eierstocksentzündung sind Sitzdämpfe, täglich zweistündig
heiße Bauchflasche, darnach ableitende Halbbäder mit kaltem Rückenguß,
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