Full text : Geschichte der Hohenzollern.

er  auch  nur  einen  Theil  des  Besttzes  und  der  eventuellen  rechtlichen  Ansprüche,  m
religissen  Angelegenheiten  aber  den  Grundsatz  der  unbedingten  Duldung
für  die  verschiedenen  Formen  des  christlichen  Bekenntnisses,  d.  h.  die  Grundlage
einer  freien  geistigen  Entwickelung,  den  Quell  der  Macht  und  Größe  des  künf
tigen  preußischen  Staates,  seinen  glücklicher  gestellten  Nachkommen  erhielt  Fern
also  davon,  mit  ihm  zu  rechten,  wenn  er  nicht  thätiger  und  erfolgreicher  in  den
Lauf  der  damaligen  politischen  Entwickelung  eingriff,  wollen  wir  dankbar  aner
erkennen,  daß  er  den  Weg  zum  Ruhm  und  zur  Größe  seinen  Nachkommen
offen  erhalten  hat.

Mehr  als  um  das  Doppelte  hatte  sich  unter  Sigismund  die  Ausdehmmg
des  brandenburgischen  Besitzes  vermehrt.  Zu  Friedrich  I.  Zeiten,  dessen  fränkische
Besitzungen  etwa  120  Quadratmeilen  betrugen,  enthielt  das  Kurfürstenthun
gegen  380.  Durch  den  Rückkauf  der  Neumark  wuchs  das  Landesgebiet  auf  570
und  durch  Albrecht  Achilles  kluge  und  thatkräftige  Regierung  auf  600  Quadrat
meilen.  Als  Johann  Sigismund  die  Regierung  übernahm,  betrugen  sämmt
liche  Besitzungen  des  Kurhauses  670,  nach  der  Erwerbung  von  Preußen  und
der  clevischen  Lande  jedoch  etwa  1440  Quadratmeilen.

Allein,  wenn  auch  die  Ausdehnung  des  Länderbesitzes  sich  wesentlich
vermehrt  hatte,  so  entsprach  doch  die  Entwickelung  im  Innern  diesem  äußeren
Fortschritte  keinesweges.  Seit  einem  Jahrhundert  hatten  sich  alle  Verhältnisfe
des  Handels  und  der  Gewerbe  bedeutend  verändert,  und  während  andere  europdische
  Völker,  ja  viele  Gegenden  Deutschlands  von  diesem  durch  Entdeckungen
und  Erweiterung  des  Seehandels  erzeugten  Umschwung  des  Verkehres  Nutzen
gezogen  hatten,  waren  die  märkischen  Länder  schon  ihrer  natürlichen  Lage  wegen
davon  ausgeschlossen.  Hier  war  man  auf  dem  bisherigen  Standpunkte  verblieben
  und  hatte  deshalb  Andere  die  Vortheile  des  großen  socialen  Umschwungs
ausbeuten  lassen.  Fast  der  ganze  Handel  lag  in  den  Händen  der  Kaufleute
von  Hamburg,  Frankfurt  am  Main,  Augsburg  und  anderer  Städte;  sie
versorgten  die  nordischen  Gegenden  mit  allen  Waaren  und  Erzeugnissen  des
eivilifirten  Lebens,  und  zogen  so  fast  ganz  und  gar  den  Activhandel  an  sich,
durch  den  die  märkischen  Länder  im  Laufe  des  Mittelalters  sich  blühend  erhoben
hatten.  Selbst  in  den  hauptsächlichsten  Städten  bildeten  Ackerbau  und  Biehzucht
  fast  den  einzigen  Lebenserwerb.

Ueberdies  litt  das  Land  in  Bezug  auf  Handel  und  Wandel  noch  an
einem  ganz  besondern  Uebel,  welches  namentlich  während  des  dreißigjährigen
Krieges  in  einer  höchst  verderblichen  Weise  zunahm,  nämlich  an  der  Ueberschwemmung
  mit  schlechten  Geldsorten.  Eine  große  Anzahl  von  Menschen,  nach
damaligem  Sprachgebrauch  Kipper  und  Wipper  genannt,  machten  bei  dem
Mangel  an  regelmäßigen  Erwerbsquellen  ein  Gewerbe  daraus,  die  guten  Geldsorten
  an  sich  zu  bringen,  um  sie  im  Auslande,  wo  schlechtere  ausgeprägt  wurden,
umzutauschen  und  so  mit  Vortheil  diese  dafür  in  Umlauf  zu  bringen.  Da  im
Brandenburgischen  der  Groschen  zu  zwölf,  in  andern  aber  zu  achtzehn  Pfennigen