Die Oesterreichisch.Angarischt Monarchie. (April 14.) 195
zu einer ungehörigen Demonstration gegen den, übrigens nicht ohne
Grund, mißliebigen Rektor und Professor Maassen.
14.—17. April. (Oesterreich.) Reichsrat: Generaldebatte
über die vom Herrenhaus herabgelangte Volksschulnovelle, welche
die allgemeine Schulpflicht thatsächlich von 8 wieder auf 6 Jahre
herabsetzt und durch ihren Art. 48 die Wiederauslieferung der Schule
an die Kirche, wie zur Konkordatszeit, anbahnt, die Polen jedoch um
der Ruthenen willen von dem Gesetz ausnimmt.
Der schließliche Ausgang ist. laum zweifelhaft, doch werden nur wenige
Stimmen den Ausschlag geben. Die Regierung stellt die Novelle ihrerfeits
als höchst unschuldig und lediglich dazu bestimmt, gewissen übelständen. namentlich
in den Landgemeinden abzuhelsen, dar und will nichts davon wissen, daß
die Schule allmählich wieder der Kirche überantwortet werden solle. Die
vereinigte Linke hat beschlossen, der Novelle auf Schritt und Tritt Opposition
zu machen und der Coroniniklub, gegen dieselbe zu stimmen. Der Czechenklub
stimmt, vielleicht mit einer oder zwei Ausnahmen, für sie, verwahrt aber
die Landtagskompetenz bez. der Schule überhaupt. Der Polenklub hat bezeichnender
Weise beschlossen, in der 2. Lesung zwar für die Novelle zu stimmen,
in 3. Lesung aber gegen sie, wofern die zu Gunsten Galiziens statnierte
Ausnahme irgendwie abgeändert werden sollte. Entschiedene Anhänger der
Vorlage sind nur die Klerikalen des Klubs Liechtenstein, betrachten sie aber
ausdrücklich nur als Abschlagszahlung. Den Ausschlag schienen die kroatischen
Abgeordneten Dalmatiens geben zu sollen, die denn auch bis vor wenigen
Tagen mit ihrer Ankunft in Wien zögerten und ihre Bedingungen stellten,
schließlich aber von der Regierung beschwichtigt wurden. Die Debatten sind
scharf, ohne indes viel neues bringen zu können. D Den meisten Eindruck seitens
der Opposition machen die Neden von Nechbauer.: Tomaszcuk und Süß. Der
Schluß der Generaldebatte wird mit 153 gegen 143 Stimmen ausgesprochen
und man nimmt an, daß auch das ganze Gesehz mit einem ähnlichen Stimmen-=verhältnis
werde angenommen werden.
14. April. (Ungarn.) Reichstag: Ministerpräsident Tisza
beantwortet eine Interpellation Helfy's über die sog. Tripelallianz
Deutschlands und Oesterreich-Ungarns mit Italien, indem er den
Anschluß des letzteren an die beiden ersteren als vollendete Thatsache
neuerdings konstatiert, über die Natur und die Bedingungen
dieses Anschlusses aber durchaus nichts enthüllt.
Die Interpellation ging von der Besorgnis aus, daß Oesterreich-Ungarn
durch Deutschland und Italien in Kombinationen hineingezogen werden könnte,
bee gegen Frankreich gerichtet wären, was Ungarn durchaus nicht tonvenieren
würde, wobei sie sich auf die Außerungen Mancini's im italienischen Parlament
(s. d.) stützt. Tisza erklärt, daß Mancini im Grunde durchaus nicht
mehr gesagt habe, als was Graf Kalnoty schon mehrere Monate vorher in
den Delegationen in Pest kurz „in vier Zeilen“ angedentet, und schließt seine
Antwort dahin: „Ich glaube, daß die Thatsache, daß drei Kontinentalwächte
Europas eine enge Freundschaft und ein Einvernehmen schließen, um so
Erhaltung des Friedens zu bewerkstelligen, ein Einvernehmen, dessen Spipe
ich gegen niemanden kehrt, jedermann nur zur Beruhigung dienen könne,
weil diese Thatsache höchstens eine solche Macht beunruhigen könnte, welche
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