Full text: Europäischer Geschichtskalender. Vierundzwanzigster Jahrgang. 1883. (24)

238 Die Oesterreichisch-Angarische Monarchie. (Ott. 23 —29.) 
willigten Kredite, die sich auf nicht weniger als 212 Mill. bezisfern. — Die 
Thronrede des Kaisers ist ziemlich bedentungslos. Sie wiederholt nur die 
„tiesen Friedensbedürfnisse der Bölker Europas“ und den „durchaus befriedigen- 
den Ohgrattrr der Beziehungen der Monarchie zu den auswärtigen Mächten.“ 
— Das Hauptgewicht des Interesses an den Delegationen jiel auf die Er- 
örterungen über die auswärtige Politik und da klingt allerdings nicht ganz 
bernhigend, was Graf Kalnoky über das Verhältnis zu Nußland sagte: das 
Verhältuis der beiden Regierungen zu einander sei ein normales, und die 
Haltung der russischen Presse bilde das alleinige Element der Beunruhigung; 
in dieser Beziehung hinge es indessen ja lediglich von der russischen Regie- 
rung selbst ab, ihre „normale“ Haltung auch ihrer Presse einzuprägen; an 
Macht dazu fehlt es ihr ja nicht. übrigens fällt das Hauptmoment, welches 
er für die Fortdauer des Friedens mit Rußland anführte, allerdings sehr 
schwer in die Wagschale des Friedens: Oesterreich, erklärte der Minister in 
der ungarischen Delegation wörtlich, würde „einem Angriffe Rußlands 
gegenüber nicht allein stehen.“ Der Bund Oesterreichs und Deutsch- 
lands ist also die Garantie des enropäischen Friedens. In der österreichischen 
Delegation suchte der Minister dann freilich seine Erklärung, die er unmöglich 
einfach zurücknehmen konnte, durch Erlänterungen wenigstens abzuschwächen. 
23. Oktober. (Oesterreich-Ungarn.) Die Eisenbahnkon- 
vention der Conförence à quatre (Oesterreich-Ungarn, Serbien, Bul- 
garien und die Pforte) ist nunmehr allseitig ratifiziert und wird 
unterzeichnet. Oesterreich-Ungarn hat es schon längst gethan, die 
Pforte nach langem Zögern endlich auch, die bulgarische Sobranje 
hat sie am 8. d. M. mit allen gegen bloß 6 Stimmen genehmigt 
und für Serbien kritt die Regierung ein, da sie die Skupschtina jäh- 
lings hat auflösen müssen, jedoch an der späteren Genehmigung der- 
selben wohl mit Recht nicht zweifelt. 
Für Oesterreich-Ungarn ist die Thatsache ein Ereignis von eminenter 
Bedeutung. Durch dieselbe ist ihm eine unnnterbrochene Schienenverbindung 
von Wien nach Konstantinopel und nach CSalonich, gesichert und seiner In- 
dustrie damit ein Gebiet eröffnet, das bieher der englischen Industrie und 
dem englischen Handel, vom Mittelmcer aus, fast gänzlich preisgegeben war. 
Um dieses Ziel zu erreichen, hatten jedoch die österreichischen Staatsmänner 
große Hindernisse zu überwinden. Serbien allein verhielt sich korrekt in 
dieser Frage und vermied jede Ausflucht und Verzögerung. Hat es doch 
auch den Löwenanteil von den materiellen Errungenschaften der beiden nach 
Konstantinopel und Salonichi führenden Bahnen zu erwarten. Dagegen er- 
hoben die Pforte und Bulgarien alle nur möglichen Schwierigkeiten und 
brauchten alle nur denkbaren Ausflüchte. Jetzt hat Oesterreich das Mittel in 
der Hand, sie nötigenfalls zu zwingen. 
28. Oktober. (Oesterreich.) Offizibs wird nunmehr auch 
eine Neorganisation der Landwehr angekündigt, welche als durch 
die Armeeresorm hervorgerufen bezeichnet wird und dieser sich an- 
schmiegen soll. 
29. Oktober. (Krain.) Es ergibt sich, daß die Anerkennung 
der Wahlen des Großgrundbesitzes seitens der slovenischen Majorität 
des Landtags die Folge eines Kompromisses zwischen beiden war.
	        
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