Full text: Europäischer Geschichtskalender. Vierundzwanzigster Jahrgang. 1883. (24)

418 Uebersicht der polilischen Entwichelung des Jahrts 1883. 
an derselben weder rütteln noch sie untergraben zu lassen. Seine 
Spanien Stellung zu Frankreich ist daher eine schwierige. Frankreich macht 
und den an sich nicht ungegründeten Anspruch, an der Spitze der ro- 
manischen Staaten zu stehen, sie in seine Bahnen zu lenken und zu 
seinen Zwecken auszunützen. Ohne geradezu republikanische Propa- 
ganda zu machen und, bei seinen inneren Zuständen und bei seiner 
Lage nach außen, machen zu können, bietet es doch allen republi- 
kanischen Bestrebungen in Italien und Spanien selbstverständlich 
einen gewissen Rückhalt, und diese Bestrebungen verschaffen da und 
dort Frankreich einen gewissen Einfluß. In Italien ist indeß dieser 
Einfluß augenblicklich ein sehr geringer: in Italien hat die Mo- 
narchie darin, daß es ihr seine endlich errungene Einheit wesentlich 
verdankt, eine starke Wurzel und ist offenbar im Aufsteigen begriffen; 
die republikanische Partei ist dort schwach und einflußlos und das 
Land hat sich bis auf einen gewissen Grad entschieden und selbst- 
bewußt gegen Frankreich und seine Ansprüche offen an das mo- 
narchische österreichisch -deutsche Friedensbündnis angeschlossen, wenn 
auch Mancini, der Minister des Auswärtigrn, jede Gelegenheit er- 
greift, um zu erklären, daß die Regierung mit Frankreich auf mög- 
lichst gutem und freundschaftlichem Fuße zu stehen suche und auch 
wirklich stehe. Bezüglich Spaniens liegen die Dinge etwas anders. 
In Spanien bilden die Republikaner in mehreren Provinzen und 
fast in allen größeren Städten eine starke Partei und damit eine 
Macht, mit der König Alfons rechnen muß, und wenn schon Italien 
sich naturgemäß dem Einflusse Frankreichs nicht ganz entziehen kann, 
so ist das bei Spanien um seiner geographischen Lage willen noch 
viel mehr der Fall. Doch ist König Alfons entschlossen, die repu- 
blikanisch und französisch gesinnten Elemente seines Landes darnieder 
und die Monarchie energisch aufrecht zu halten, worin er in den 
Gefühlen und Traditionen seines Volkes auch einen starken Anhalt 
findet. Ein Anschluß auch seinerseits an das monarchische mittel- 
europäische Friedensbündnis lag dabei nahe, wenn auch im Unter- 
schied von Italien ein förmliches Bündnis nicht möglich ist. Er that, 
was er konnte, indem er sich im Sommer 1883, unmittelbar nach- 
dem er ein republikanisch-militärisches Pronunciamento in Badajoz 
niedergeschlagen, entschloß, Oesterreich, in dem er seine Jugend zu- 
gebracht, und infolge einer Einladung des Kaisers Wilhelm auch 
Deutschland zu besuchen und den großen Kaisermanövern bei Hom- 
burg beiguwohnen. Frankreich, das gleich ein förmliches Bündnis
	        
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