IIIIEEIIIIIIIIIIIIIIII 423
hat. Er begann die Verhandlungen im Januar, ohne Auftrag
der chinesischen Regierung, wie er angab, aus eigner Initiative.
Dazu kommt die außerordentlich prompte Ratifizierung des getroffenen
Abkommens seitens des Tsung-Li-Yamen, welche auffällig
mit der sonstigen Art der Chinesen diplomatische Verhandlungen
zu führen kontrastiert. Endlich scheint auch der Verzicht
der Chinesen auf die Ausbeutung der veränderten militärischen
Lage bei Langson zu ihren Gunsten dafür zu sprechen, daß es
nicht die militärischen Erfolge der Franzosen, sondern andere
Gründe waren, welche zum Frieden führten.
So war der Kampf in Ostasien glücklich beendet, aber der Die Ko-Kampf
um Tonkin ging in der Kammer nach wie vor weiter:
Die Gegner der Kolonialpolitik verlangten auch jetzt noch die Zu= in der
rückziehung der Truppen aus Tonkin und die Beendigung desammer.
ganzen Unternehmens, da es Frankreich wirtschaftlich keinen Nutzen
bringe und seine militärischen Kräfte schwäche. Nur mit einer
Mehrheit von 4 Stimmen wurde am 24. Dezember der zur Aufrechterhaltung
des Protektorats in Tonkin erforderliche Kredit
bewilligt.
Freilich waren inzwischen auch die wichtigsten Veränderungen
in der Zusammensetzung der Kammer eingetreten. Im Juni war Leuendlich
das alte Gambetta'sche Projekt der Listenwahl nach Jahre veen
langen Beratungen zum Gesetz geworden und die Republik hofftegammer
durch diesen neuen Wahlmodus einen wesentlichen Faktor innerer
Kräftigung geschaffen zu haben. Der Erfolg des Gesetzes war
jedoch ein vollständig unerwarteter, ja in seinen ersten Resultaten
ein geradezu verblüffender: Die Monarchisten überflügelten in der
Zahl der definitiv gewählten Abgeordneten die Republikaner bedeutend,
selbst in Paris wurde eine erhebliche Zahl konservativer
Stimmen abgegeben. Die Bestürzung in republikanischen Kreisen
war so groß, daß man in der Aufregung ganz vergaß, daß ja
diese Monarchisten nur in der Negation einig seien, daß sie aber,
sobald sie zur Herrschaft gelangten und an eine ernsthafte Ausführung
ihrer Pläne gehen wollten, sofort in die zwei Gruppen
der Bonapartisten und Royalisten auseinanderfielen. Bei den
Stichwahlen brachten die Republikaner durch Kompromisse die Ver-