Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Zweiter Jahrgang. 1886. (27)

Serbien.  (Januar  11.  —Februar  17.)  425

XVII.

Serbien.

11.  bezw.  16.  Januar.  (Kriegsfrage.)  Die  Vertreter  der
6  Großmächte  überreichen  in  Belgrad,  Sofia  und  Athen  eine  gemeinsame
  Note,  in  welcher  sie  auf  Vorschlag  Rußlands  eine  allgemeine
Abrüstung  fordern.  (St.  A.  Bd.  47,  8918.)

Ministerpräsident  Garaschanin  lehnt  in  der  Antwort  die  Erfüllung
  dieses  Begehrens  unter  Hinweis  auf  die  drohende  Lage  auf
der  Balkanhalbinsel  ab,  erklärt  aber  die  Bereitwilligkeit  Serbiens
zur  Herstellung  des  Friedens.  (St.A.  Bd.  47,  8920.)  Bulgarien  hat
die  Entwaffnung  angenommen,  wenn  Serbien  sie  ebenfalls  annehme.
(St.  A.  Bd.  47,  8921.)

31.  Januar.  (Kriegsfrage.)  Die  Großmächte  überreichen
in  Belgrad  eine  zweite  gemeinsame  Note,  bedauern  die  ablehnenden
Antworten  Serbiens  und  Griechenlands  und  erklären,  daß  sie  etwaige
von  wem  immer  ausgehende  kriegerische  Schritte  nicht  billigen,  den
Angegriffenen  schützen  und  keinerlei  territoriale  Veränderungen  zulassen
  würden.  (St.  A.  Bd.  47,  8931.)

5.  Februar.  (Kriegsfrage.)  Serbien  beantwortet  die
zweite  Kollektivnote  der  Großmächte:

Indem  die  Entschlüsse  der  Großmächte  einen  endgiltigen  Charakter  zu
tragen  schienen,  könne  Serbien  in  eine  Erörterung  über  diese  Angelegenheit
nicht  eintreten  und  beschränke  sich,  die  Note  der  Mächte  zur  Kenntnis  zu
nehmen.

17.  Februar.  (Parteitag  der  Radikalen  zu  Nisch.)  Die
Partei  beantwortet  3  vom  Könige  selbst  an  dieselbe  gerichtete  Fragen:

1.  Welcher  Ansicht  ist  die  radikale  Partei  bezüglich  der  Fortsetzung
des  Krieges?  2.  Welche  Reformen  wünscht  die  Partei  im  Innern  des  Landes?
  3.  Wäre  sie  geneigt,  mit  einer  der  im  Lande  bestehenden  übrigen  Parteien
  eine  Koalition  einzugehen?
mit  Aufstellung  eines  neuen  Parteiprogrammes,  welches  eine  Verständigung
  mit  der  Dynastie  und  die  Regierungsfähigkeit  der  Partei
ermöglichen  soll.  Die  Parteivertreter  werden  in  corpore  vom  Könige
empfangen,  versichern  Treue  und  Ergebenheit  gegen  das  Haus  Obrenowitsch
  und  erhalten  die  Versicherung  der  völligen  Amnestie  und
Vergessenheit  für  die  Revolution  von  Zajcar.

Die  Fragen  werden  dahin  beantwortet:  daß  der  Friede  unter  allen
Umständen  erstrebt  werden  müsse;  daß  von  innern  Reformen,  Nichtbeeinflussung
  der  Wahlen,  Neuwahl  einer  großen  verfassunggebenden  Skuptschina,
Preß-,  Versammlungs=  und  Vereinsfreiheit,  Gewährleistung  der  Sicherheit