Metadata : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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Da  dringt  von  einem  nahen  Dornstrauche  her  plötzlich  ein
eigentümliches  Rascheln  und  Schnaufen  an  mein  Ohr.  Ich  meine
*  schon  vorher  einigemal  vernommen  zu  haben.  Jetzt  bewegen  sich
die  Zweige,  und  aus  dem  schwarzen  Dickicht  schiebt  sich  langsam  und
vorüihtig  ein  graues  Tierchen.  Zuerst  kommen  ein  spitzes  schwarzes
Schnäuzchen  und  ein  Paar  schwarzer  funkelnder  Auglein  zum  Vorschein,
  darauf  erscheinen  zwei  kurze  graubehaarte  Füßchen,  und  dann
kommt  eine  längliche  graue  Kugel  hervor,  über  und  über  mit  fpitzigen
  Stacheln  gespickt:  es  ist  ein  Igel.

Ich  mache  unvorsichtigerweise  einen  Schritt  auf  ihn  zu.  Augrnölichic
  hat  der  furchtsame  Lanzenträger  die  Stirnhaut  ins  Gesicht
  gezogen  und  Schnäuzchen,  Beine  und  Schwänzchen  auf  der
Unterseite  des  Körpers  zusammengedrückt.  Nun  liegt  er  da,  der
kleine  Stachelheld,  wie  eine  Dornenkugel.  Ich  stehe  still  und  halte
den  Atem  an.  Der  Igel  liegt  regungslos.  Nach  Verlauf  von
etwa  fünf  Minuten  beginnt  die  graue  Kugel  leise  zu  zucken.  Der
Igel  fängt  an,  sich  zu  entrollen.  Zuerst  schiebt  er  mit  leisem  Rucken
den  Vorder=  und  Hinterteil  des  Stachelpanzers  auseinander,  setzt
dann  die  Füße  auf  den  Boden  und  streckt  langsam  und  lauernd
das  schwarze  Schnäuzchen  vor.

Nun  ist  er  reisefertig.  Er  setzt  sich  in  Trab,  schnüffelt  hin  und
schnüffelt  her,  packt  hier  eine  Raupe,  dort  eine  fette  nackte  Schnecke
und  verschmäht  auch  die  kleinen  Schnecken  nicht,  die  mit  ihrem
bunten  Häuschen  an  einem  Stengel  hinaufgekrochen  sind;  er  beißt
hinein,  daß  es  nur  so  knistert.  So  führt  ihn  sein  Weg  auf  eine
Erdbeerpflanze  zu,  unter  deren  grünen  Blättern  ein  Goldkäfer  sitzt;
dieser  ist  eben  daran,  einen  Regenwurm  zu  verspeisen.  Dicht  vor
dem  schmausenden  Köfer  bleibt  der  Igel  einen  Augenblick  slehen,
fährt  dann  mit  einem  schnellen  Schuß  auf  ihn  zu  und  verspeist  ihn
samt  dem  Regenwurm.  Dicht  daneben  guckt  ein  zweiter  Regenwurm
aus  seiner  Röhre;  er  faßt  auch  ihn.  Dann  hier  noch  eine  Schnecke,
dort  eine  Raupe  vom  Blatt,  Käfer  und  Würmer,  wie  sie  ihm  gerade
in  den  Lauf  kommen,  und  zum  Schluß  noch  einen  halberwachsenen
Frosch:  so,  das  ist  der  Anfang  für  heute  abend!

Plötzlich  zucken  seine  kleinen  runden  Ohren  horchend  nach  vorn.
Lief  da  nicht  etwas?  Er  läuft  etwas  näher.  Richtig!  Eine  Maus!
Dort  an  dem  niedrigen  Erdwall  trippelt  das  braune  Ding.
Mit  einer  Schnelligkeit,  die  man  dem  plumpen  Gesellen  gar  nicht
zutrauen  möchte,  schießt  der  Igel  auf  seine  Beute  zu.  Aber  er  hat
sich  verrechnet.  Das  Mäuslein  ist  bei  seiner  geräuschvollen  Annäherung
  blitzschnell  die  Erdwand  hinaufgeschossen,  und  der  verdutzte
Jäger  hat  das  Nachsehen  Aber  dieser  sucht  das  Loch  auf,  wo