Metadaten : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

als  Werth  dieser  Produkte,  als  eine  von  ihnen  besessene  sachliche  Eigenschaft,
  da  jetzt,  im  Gegensatz  zur  kapitalistischen  Gesellschaft,  die  individuellen
Arbeiten  nicht  mehr  auf  einem  Umweg,  sondern  unmittelbar  als  Bestandtheile
  der  Gesammtarbeit  existiren.  Das  Wort  „Arbeitsertrag“,  auch  heut
zu  Tage  wegen  seiner  Zweideutigkeit  verwerflich,  verliert  so  allen  Sinn.

Womit  wir  es  hier  zu  thun  haben,  ist  eine  kommunistische  Gesellschaft,
nicht  wie  sie  sich  auf  ihrer  eigenen  Grundlage  entwickelt  hat,  sondern  umgekehrt,
  wie  sie  eben  aus  der  kapitalistischen  Gesellschaft  hervorgeht;  die  also
in  jeder  Beziehung,  ökomomisch,  sittlich,  geistig,  noch  behaftet  ist  mit  den
Muttermalen  der  alten  Gesellschaft,  aus  deren  Schooß  sie  herkommt.  Demgemäß
  erhält  der  einzelne  Produzent  —  nach  den  Abzügen  —  exakt  zurück,
was  er  ihr  giebt.  Was  er  ihr  gegeben  hat,  ist  sein  individuelles  Arbeitsquantum.
  Z.  B.  der  gesellschaftliche  Arbeitstag  besteht  aus  der  Summe  der
individnellen  Arbeitsstunden;  die  individnelle  Arbeitszeit  des  einzelnen  Produzenten
  ist  der  von  ihm  gelieferte  Theil  des  gesellschaftlichen  Arbeitstags,
sein  Antheil  daran.  Er  erhält  von  der  Gesellschaft  einen  Schein,  daß  er  so
und  so  viel  Arbeit  geliefert  (nach  Abzug  seiner  Arbeit  für  die  gemeinschaftlichen
  Fonds)  und  zieht  mit  diesem  Schein  aus  dem  gesellschaftlichen  Vorrath
  von  Konsumtionsmitteln  so  viel  heraus,  als  gleichviel  Arbeit  kostet.
Dasselbe  Quantum  Arbeit,  das  er  der  Gesellschaft  in  einer  Form  gegeben
hat,  erhält  er  in  der  anderen  zurück.*)

Ich  bin  weitläufiger  auf  den  „unverkürzten  Arbeitsertrag“  einerseits,
„  das  gleiche  Recht“,  „die  gerechte  Vertheilung“  andererseits  eingegangen,
um  zu  zeigen,  wie  sehr  man  frevelt,  wenn  man  einerseits  Vorstellungen,
die  zu  einer  gewissen  Zeit  einen  Sinn  hatten,  jetzt  aber  zu  veraltetem
Phrasenkram  geworden,  unserer  Partei  wieder  als  Dogmen  aufdrängen  will,
andererseits  aber  die  realistische  Auffassung,  die  der  Partei  so  mühevoll  beigebracht
  worden,  die  aber  jetzt  Wurzeln  in  ihr  geschlagen,  wieder  durch  ideologische
  Rechts=  und  andere,  den  Demokraten  und  französischen  Sozialisten
so  geläufige  Flausen  verdreht.

Abgesehen  von  dem  bisher  Entwickelten  war  es  überhaupt  fehlerhaft,
von  der  sogenannten  Vertheilung  Wesens  zu  machen  und  den  Hauptaccent
auf  sie  zu  legen.“  Wird  weiter  ausgeführt.

„4.  „Die  Befreiung  der  Arbeit  muß  das  Werk  der  Arbeiterklasse
  sein,  der  gegenüber  alle  anderen  Klassen  nur
eine  reaktionäre  Masse  sind“**)

Die  erste  Strophe  ist  aus  den  Eingangsworten  der  internationalen
Statuten,  aber  „verbessert“.  Dort  heißt  es:  „Die  Befreiung  der  Arbeiterklasse
  muß  die  That  der  Arbeiter  selbst  sein“;  hier  hat  dagegen  „die
Arbeiterklasse“  zu  befreien  —  was?  „die  Arbeit.“  Begreife  wer  kann!

Zum  Schadenersatz  ist  dagegen  die  Gegenstrophe  Lasalle´sches  Zitat  vom
reinsten  Wasser:  „der  (der  Arbeiterklasse)  gegenüber  alle  anderen  Klassen  nur
eine  reaktionäre  Masse  bilden.“

Im  kommunistischen  Manifest  heißt  es:  „Von  allen  Klassen,  welche
heutzutage  der  Bourgeoisie  gegenüber  stehen,  ist  nur  das  Proletariat  eine

*)  Hier  übergehen  wir  eine  breitspurige  Ausführung  über  „das  gleiche
Recht“  Aller.
**)  Ist  unverändert  geblieben  (s.  o.  S.  40).