Oie Nagelung detElsernen Aose
Nach Ausschreibung des Ortssammelkomitees
vom Roten Kreuz findet am Sonntag, den 2.
April die Erstnagelung unseres Kriegswahrzeichens
statt. Damit tritt auch Rosenheim in
die Reihe der Städte. die sich ein Erinnerungsmal
an den großen Krieg schaffen. Der Zweck
der Nagelung ist ein doppelter. Einmal, daß
die Beodilerung mit einem verhältnismaßig
geringen Opfer zur Erfüllung eines wohltäligen
Zuweckes — der gesamte Reinerlös fließt je zur
Hälfte der Nationalstistung für Witwen und
Waisen der gefallenen Krieger und der örklichen
Fürsorge um und zum anderen gleichzeilig
zur Schaffung eines nationalen Denkmales beilragen
kann.
Am Vormittage 1012 Uhr des genammten
Tages findet im Saale des „Deutschen K aiser“
die offizielle Erstnagelung siait. Es wird eine
schlichte, aber doch ausdrucksvolle Feier werden,
die dem Ernste unserer Zeit angepaßt sein wird.
Den musikalischen Teil hat die hiesige Militärmmusik
übernommen, auswärtige Ehrengäste,
Vertreter der Kgl. Regierung von Oderbayern,
die Spitzen der Behörden, das Offizierslorps,
die Bürgerschaft, sowie die Abordnungen der
hiefigen Vereine werden an der Feier teilnehmen.
Herr Kt# 5 Hofrat Wüst wird die Festrede
halten. Der Nachmittag ist der allgemeinen
Benagesung vorbehalten. Erfreulicherweise
macht sich jeht schon ein reges Interesse
für die Nagelung bemerkbar, und es ist deshalb
zu hoffen, daß recht viele ihre Schritte in
den festlich gescmückten Saal des „Deulschen
Kaiser“ lenken werden
Am Abend (8 Vors geben die drei hiesigen
Musikvereine (Liedertafel, Männergesangverein,
Orchesterverein) einen großen Liederabend, der
Herrorragendes bieten wird. Besonders sei aufmerlsam
gemacht auf das große Chorwerk
„Frledrich Rotbart“ von Podbertsky für Thor
und Orchesler. Die Festrede des Abends hat
in dankenswerter Weise Herr Oberregierungsrat
Koch übernommen.
In dem zweiten Teil des Abends kommt
unser heimischer Dichter Michel Zänppel zu
Worte. Er wird sicher mit seinen Darbietungen
den Nagel auf den Kopf treffen. Daß zwischen
den einzelnen Vorträgen Gelegenheit zum Benageln
geg Ten wird, ist selbstverständlich.
5ge dem Tag, an dem Rosenheim sich anchicht,
sich ein Kriegswahrzeichen zu geben, ein
site Erfolg beschieden sein.
*7o , %
Rosenheim, 29. März.
Auf dem Felde der Ehre gesallen:
Andreas Entfellner, Gütler aus Nußdorf a. J.,
Landsturmmann im 3. Landwehr-Juf.-Rgt.;
Ankon Nost, Bauerssohn von Gassen, Gefreiter
im 15. Inf.-Rgt., Inhaber des Eisernen Kreuzes
und du Milikärverdienstkrenzes mit Schwertern.
Im Felde verwundet wurde der Pionier
Georg Förg, Sohn des Lokomotiohei ers
Josef, Förg in Rosenheim. Er steht im 3. ionier-Bataillon
und erhielt einen sog. Stecklungenschuß,
d. h. der Granatsplitter, der ihn
getroffen hat, sleckt noch in der Einschlagstelle.
Er muß auf operativem Weg entferut werden,
doch ist Lebensgefahr nicht vorhanden. Förg
ist genau vor einem Jahre bereits zum erstenmal
verwundet worden, doch ist er damals
wieder gut genesen. Mir wünschen ihm auch
ietzt * baldige Genesung.
hrung eines Rosenheimers: Aus
Straubing wird uns berichket: Herr Oberzahlmeister
Bernrieder vom 7. Chev.-Regiment
seuͤrte dieser Tageslein. 35 jähriges Dienst-Jubiläum.
Von der Musik des Regiments wurde
#hm aus diesem Anlaße ein Morgenständchen
gebracht. Bom Offiziers-Korps des Ersatz-Depots
des 7. Chevo. #e⅜ wurde dem Jubilar
ein hübsches Blumen-Arrangement überrelcht.
Herr Oberzahlmeister Bernkeeber ist ein Bruder
des Herrn Zementa#arenfabrikamken Bernrieder
in Rosenheim. Zu seinem Jubiläum nachträglich
noch unser Glückwunsch!
Die Errichtung einer städt. Lebensmittelhalle
mird in elner an uns gerichteten
Zuschrist in Vorschlag gebracht. Dazu werden
folgende Ausführungen gemacht: „Die Butterkarke,
das neueste „Mädchen aus der Ftemde“,
bielt am Dosmerst ag ihren offiziellen Einzug
und wurde durchaus nicht mit ungemischter
Freude begrüzt, denn „sie brachte nicht jedem
eine Gabe“ und nicht viede ging beglückt nach
Haus“. Bereits um 1-8 Uhr früh fanden sich
Frauen ein, um ja von den um 7 Uhr erscheinenden
Glöcksspendern ihr Stückchen Butter zu
erhakten. Geduldig stellte man sich in langen
Neihen bis zur Pfarrlirche an, dazwischen un.
zählige, die ein Ringen in freier Betätigung
vorzogen, alle aber in Erwarlung und Erregung,
die im emtscheidenden Augenblick die ganze Energle
der Ordnungsor ne ndtig machle, um täf-2
ngeri einzubämmen. Die gleichen
Erscheimügen wieberholen 4. des österen
auch bei der städt. Fleischverkaufsstelle 1 in
wesens,
noch stärlerer Weise beim jeweiligen Peiroleumverkauf.
Zu diesem werden auch Kinder geschidt,
die milunter von erwackhsenen Küusern
gewaltsam weggestoßen gedrückt und beschimpft
werden und diese Liebenswürdigkeilen mit
Schreien und Weinen quittieren. Auch an eingedrickten
Fenstern und Türen fehlt es nicht.
Wirken all diese Szenen schon beim schönem
Wetter durchaus nicht idyllisch, so verschärft sich
der Eindruck bei Schneegestöber und Regenwetter
geradezu zu einem unhaltbaren, unserer
Stadt unwürdigen Bilde. Unsere fürsorgliche
Stadtverwalutug sei daher gebeten, Ordnung
dadurch zu schaffen, daß sie für all jene Lebensmittel,
welche ihrer Oberaussicht unterste hen,
ein Lokal zum Verlauf bestimmt, alsof für Butter,
Kartofseln, Fleisch, Petroleum usw. Dann möge
sich der Verkauf nicht gezwungenermaßen inner-=haib
einer Stunde abspielen müssen, sondern
den ganzen Vormittag über stattfinden, soweit
Vorräte dazu vorhanden sind. Kaum lönnte
ein Lolal gefunden werden, das sich besser dazu
eignen würde, wie ein Teil des Schlacht- und
Biehhoses (2). Wenigstens könnte für Kriegsdauer
eine praktische slädtische Markt= und Lebensmittelhalle
geschaffen werden, der Verkauf
wäre konzentriert und das Publilum könnte die
ereissenen Rationen ohne Gefährdung der
OQesundheit und ohne Rauferei in Empfang nehmen.“
Dieser Vorschlag hat vieles für sich und
würde sicherlich Verkäufer wie Käufer in gleicher
Weise befriedigen. Nur frägt es sich, ob die
Lokalfrage kicht gelöst werden kann.
er kath. Volksvere in hat nach langer
Pause am letzten Sonntag wieder eine Versammlung
abgehalten. Obwohl das Wetter zu
einem Spaziergang sehr einladend war, hatten
sich doch rieie Teilnehmer eingefunden, sodaß
der Saal im Flötzingerbräu gut besetzt war. Als
Geschäftsführer des Vereins begrüßte Herr
Kaufmann Berchtenbreiter die Versammlung.
Der Vortrag behandelte in längeren Ausführungen
die Frage: Warum hassen uns unsere
Feinde? Zunächst murde der Aufschmung
Deutschlands geschildert, das ein mächtiger Konlurrent
England= auf dem Weltmarlt geworden
isl. Dann zelgte Redner, wie von allen
Seiten der Haß gegen Deutschland. suflematisch
geschürt wurde, dank auch einer mit englischem
Gelo gekauften Peesse des feindlichen Auolandes.
Selbst im neutralen Auslande blieben 10
die salschen Begriffe über Deutschland nicht aus.
och haben unsere Feinde keinen Grund,
Deutschland zu hassen. Denn Deutschland ilf
nur seine freie Entfaltung, nichts anderes. Für
diese Freiheit kämpfen wir auch im jetzigen
Kriege, wir owerden jedem Anprall siegreich widerstehen.
Die Versammlung nahm diese Ausführungen
mit reichstem Beisall aus. HH.
Geistl. Rat Stadtpfarrer Geßl brachte dem Redner
warmen Dank zum Ausdrud. Den Schluß
bildeten noch verschiedene Darlegungen über
Wesen und GEliederung des Volksvereins für
das latf. Deutschland.
Städtischer Kartoffelverkauf. Wir
mchin die Einwohnerschaft auf die im Anzeigenteil
veröfsentlichte Bekanntmachung des Magistrats
aufmerksam.
Hausleanlenpflege Verein
Kssenheim.
Rosenheim, 29. März.
Der Hauskrankenpflegeverein Rosenheim und
Umgebung hielt am 27. Mäcz seine ordentliche
Mitgliederversammlung ab, wobei nachstehender
Jahresbericht für 1915 gegeben wurde.
Der Verein durchlebte mit 1915 sein zweites
Betriebojahr. Ausbau und Festigung waren die
Hauptaufgaben. In erster Linie mußte für eine
Deeinfektionseinrichtung im Schwesternheim
Vorsorge getroffen werden, da für Krankenpflegerinnen
die Möglichkeit, sich jederzeit schnell
und bequem von etwaigen Anfleckungsstosfen
zu reinigen, unentbehrlich ist. Zu deeße Behufe
wurde die Schweésternwohnung ab 1. Juli
von en Fröhlingestraße 36 in dae slädtische sog.
„Maier mwesen“, Königsstraße 10, verlegt,
das die Stadtverwaltung dem Hauskrankenpflegeverein
in entgegenkommendster Weise in
Miete gab. Die neue Wohnung besitzt die Vorzüge
einer sehr praktischen, sonnigen und sreien
Lage in Mitte der Stadt und mit gärtnerischen
Anlagen, die den Pflegeschwmestern beste Gelegenheit
zur Erholung bieten. Außerdem gewährt
sie hinreichende und geeignete Räume sowohl
zur Vermehrung der Schwesternzahl, als auch
zur Unterbringung von weiteren sanitären Einrichtungen.
Insbesondere lann die für den Verein
so notmendige Deeinfektionsanstalt ganz
nach Wunsch eingebaut werden, zumal der
uuschandien die Genehruigung sofort vertragsmäßig
gewährt hat. Diese Vorteile er-
hoͤht noch der Unstand daß das Schwesternbeim
im stadteigenen „Maierbad“ viel weniger
der Gefahr ausgesetzt ist, gekündigt zu werden,
wie in einem Privathause, da die Stadt selbst
am Hauskrankenpflegeverein das erste Interesse
hat. Niek= und nagelfesle Einrichtungen, wie
eine Desinestonsant t, verlangen ja möglichst
dauernde Losalverhältnife. So erweist sich die
neue Wohnung als eine Wohltat, für die der
Verein der Eiahternetung zu grossem Dank
verpflichtet
Die gihe Fähigkeit des Malerbadanneben
dem Hauskranken blegevereine
noch weitere sanitäre brichtungenn n sich aufzu-Dr.
J. Maier,
nehmen, wurbe schon am 1. Oltober ausgenützt,
indem die fslädtischen Kollegien genehmigten,
daß von diesem Tage an in den 3 Zimmern
des Erdgeschosses die beiden Fürsorgestellen für
ngembeine und für die Säuglingspflege untergebracht
wurden. Diese 3 Räume schieden
daher am 1. Oktkober aus dem Mietverhältnie
zwischen Stadt und Verein aus. Wie feststeht,
wird auf Veranlahung des K. Bezirksarztes
in kurzem zu ebener Erde auch noch eine moderne
Milchküche hergestellt werden, so daß dann im
„Maierbad“ der Hauskrankenpflegeverein, die
Säuglingssürsorge, die Fürsorge für Lungenkranke
und die für die beiden letzteren notwendige
Milchtüche vereinigt sein werden und zwar
so günstig, daß die Abteilung für die Lungenlranken
einen eigenen Eingang von rückwärts
besitzt und auch im Innern von den übrigen
Räumen vollständig getrennt und abgeschlossen
ist. Da außerdem zur, Reinigung von Ansledungsstoffen
noch eine Desinfektionseinrichtung
im Hause zur Verfügung sein wird, so kann
gesagt werden, daß die freiwillige Kranlenfürsorge
in der Stadt Rosenheim vorbildlich geplant
und bereits geordnet erscheint.
Der Schöpfer des Ganzen ist der Kgl. Bezirlsarzt.
Seiner Führung sich zu unterslellen
und seine menschenfreundlichen Bestrebungen mit
Lust und Liebe tunlichst zu unterstützen, hält sich
der Hauskrankenpflegeverein in erster Qinie für
verpflichtet. In Erfüllung dieser Pflicht ließ
der Verein auf seine Kosten eigens eine Pflegeschwester
im Stuingebeim des kgl. Hofrates
München, zur ausschließlichen
Verwendung als Fürsorgeschwester gründlich
ausbilden. Seit 1 Januar 191 steht sie bereits
in voller Tätigkeit in ihrem Fachberufe.
Von sonstigen Geschehnissen sind noch bemerlenswert
die am 24. Märxz beschlossenen und am
19. April in das amtliche Verein-register eingetragenen
Satzungsänderungen, welche die Vornahme
von Ersatzwah len regeln und folgende
Bestimmungen trefsen: „Der Verein widmet
sich seinem Zureck in Ausübung freier Liebestätigleit.“
„Alle Ausschußmitglieder versehen
ihr Amt unentgeltlich“. „Gewinn= oder Ver-Mmögensanteile
an die Vereinomitglieder zu verabfolgen
ist nicht gestattet".
(Schluß folgt.)
Der Welitrieg.
Dasstarke Deutschland.
Bern, 29. März. Herve beschäftigt sich in
der „Victoire“ mit dem beunruhigenden Wiederaufleben
des deutschen Tauchbootkrieges, inindem
er aus dem Leserkreise Einwendungen machen
läßt, wie: „Es gibt also kein Mittel, sie
zu hindern?“ „Da rühmen wir uns, die Herren
des Meeres zu sein!“ „Die Deutschen find
ebenso stark! Gewiß, ein Voli, das doppelt so
zahlreich, wie das französische st, das die erste
Industrie der Welt besitzt, mit dem Geist von
Organisation und einer Initiative der Kühnheit
ersten Ranges, ist offenbar eine Macht,
mit der man rechnen muß. Sie hindern, ist
leichter gesagt, als getan. Man fand noch kein
wirklich wirlsames Mittel gegen sie. Die Bewaffnung
der Handelsschifse nützt nichts, weil
die Unterseeboote jast unsichtbar sind, die Seepolizei
ebenso wenig, denn der große Altionsradius
der Boote macht die Polizei ohnmächtig.
Die Wahrheit ist, daß die Deutschen mit einer
genügenden Zahl von Booten und Mannschaften
England sehr wohl blockieren können. Darum
müssen die Alliierten unablässig daran arbeiten,
den Feind schnell zu vernichten und alle
Mannschaften, die verfügbar sind, in England,
Italien und Rußland ausheben, um Deutschland
unter der Flut der Stürmenden schnellstens
zu ersticken.“"
Die Pariser Konuferenzen.
Zürich, 29. März. Der Pariser Korrekvondent
des „Berner Bnd- sucht seiner Zeitung
llar zu machen, was den Tatsachen und
nicht bloß dem politischen Klatsch nach Beratungsgegenstand
der Pariser Konferenzen sei.
Er schreibt: Als sicher kann angenommen werden,
daß die Westmächte der Entente entschlossen
sind, sich Hrrnseitig ihr Material und ihre
Truppen zur ersügung zu siellen. General Cadorna
ist da, um die technische Seite dieser Abmachung
zu erörtern, während Salandra und
Sonnino die Bedingungen der zitalienischen Gebilsenschaft
festzusetzen haben. Die Anwesenheit
der Serben, unter denen sich drei serbische Armeeführer
befinden, deutet darauf hin, daß auf
dem Balkan etwas geschehen soll. Seildem die
italienisch-serbische Rivalitct ganz. geschwunden
ist, stehen einer einheitlichen Handlung auf dem
Balkan weniger Hindernisse entgegen. (Z.)
Die englische Flotte.
Berlin, 29. Man Wie ein Londoner Gewähremann
der olssche n Zeitung“ iissen
will, soll die krenlid miralität die Absicht
haben, den Hafen von Hull und die Humbermündung
zur Basis eines neuen Geschwaders
z nachen Bers ebenen Bläattern zufolge hat
Win ln ela et Petsonendompset
etegsk en scheinbaruntet
etnegvonls die gegen
Saden sdeuerten. (3.)