sich eine Überhastung des Angriffs, ein allzu großes Betonen der Schneidigkeit
im Vorgehen, die uns in den Schlachten des Kriegsbeginns unermeßliche Blutopfer
gekostet und vor allem die Blüte unseres Offizierkorps allzufrüh dahingerafft
hat. Diese Unterschätzung der Technik ist noch im letzten Kriegejahr in
geradezu verhängnievoller Weise als Minderbewertung der Tankwaffe hervorgetreten.
Der Geist des deutschen Berufsoffizlerkorp#s zeigt so außerordentllch hohe
positive Eigenschaften, so glänzende Vorzüge, daß es dem Beurteiler, der selber
fost drei Zahrzehnte der Armee angehört hat und seine militärische Ausbildung
eben diesem Berufooffizierkorpe verdankt, sehr bitter ankommt, hier Worte der
Kritik laut werden zu lassen. Aber das Wohl unseres Vaterlandes zwingt mich
hier, meine Auffassung nicht zu verschweigen.
Auch das Offizierkorpe# war bei allem Streden nach Vervollkommmung senem
unheimlichen Beharrungevermögen verfallen. Es wurde, in vieler Hinsicht
mit gutem GErund, in einer Abgeschlossenheit erzogen und erhalten, welche sich
zu der berühmten „Weltfremdbelt“ ausgewachsen hat. Politisch rechtlos und
völlig ahnungslos, erblickte das Offlzierkorpe in jedem Versuch einer Fortentwicklung
der grundlegenden polltischen Zdeale des Volkes einen verkappten
Umsturz. Die Spur des Gelstes selnes ersten Begründere, des Soldatenkönlge
Friedrich Wilbelm l., lebte noch immer in ihm fort und ließ es seine hohe und
zu Opfern verpflichtende Aufgabe, der militärische Erzieher des Volkes zu sein,
gar zu leicht zugunsten des „Herrenstandpunktes“ verkennen. Die verhängnlevolle
Auswirkung dleses Zustandes war, daß unser Berufsoffizierkorpe das
Wesen des Volkskrieges verkannt hat. Gar zu wenig ist es dem Offizler selbst
in vier Kriegssahren zum Bewußtsein gekommen, daß die „Mannschaft“, die er
zu befehligen hatte, sich nun nicht mehr aus zwanzig- bis zwelundzwanzigsährigen
Rekruten zusammensetzte, sondern zu einem Überwiegenden Teile aus
lebensreifen, lebenebewährten „Vollbürgern“ und Familienvätern bestand.
Diesen völlig veränderten Verhältnissen sich in Ton und Haltung anzupassen,
ist unserem Offizierkorp#s nicht in dem wünschenewerten Maße gelungen.
Aus der Schule des Berufeoffizierkorp# ist das Offizlerk
standes bervorgegangen, und des ersteren Geist batte In selnen hohen ls
aber auch in den erwähnten Fehlern letzteres maßgebend beeinflußt. Bei der
Länge des Krieges und bel der unstunlgen Verschwendung, die im Anfange
mit dem kostbaren Materlal des Berufsoffizlere getrleben worden ist, hat sich
das zahlenmäßige Berhältnis zwischen Berufe- und Reserveoffizieren, das
belm Ausmarsch etwa auf gleich und gleich stand, zugunsten eines starken Uberwlegens
des nichtberuflichen Offizlers verschoben. Trotzdem ist es bis zum Ende
des Krieges nicht gelungen, die völlige Gleichbewertung dee Nichtberufsoffiziere
mit dem Berufeoffizier selbst in dem natürlich nicht allzu häufigen Falle völllg
gleichwertiger Leistungen zu erzlelen.
Diese Flecken auf dem strahlenden Bild unseres Friedensheeres müssen
bier aufgezelgt werden. Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringt. Erkenntnis
aber ist schon um des Berständnisses der Vergangenheit wlllen notwendig.
Sie hindert uns ulcht, aue freudigem Herzen anzuerkennen, daß dae deutsche
Berufsoffizlerkorps und das deutsche Friedensheer die erste Stelle unter allen
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