thumbs : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

sich  eine  Überhastung  des  Angriffs,  ein  allzu  großes  Betonen  der  Schneidigkeit
im  Vorgehen,  die  uns  in  den  Schlachten  des  Kriegsbeginns  unermeßliche  Blutopfer
  gekostet  und  vor  allem  die  Blüte  unseres  Offizierkorps  allzufrüh  dahingerafft
  hat.  Diese  Unterschätzung  der  Technik  ist  noch  im  letzten  Kriegejahr  in
geradezu  verhängnievoller  Weise  als  Minderbewertung  der  Tankwaffe  hervorgetreten.


Der  Geist  des  deutschen  Berufsoffizlerkorp#s  zeigt  so  außerordentllch  hohe
positive  Eigenschaften,  so  glänzende  Vorzüge,  daß  es  dem  Beurteiler,  der  selber
fost  drei  Zahrzehnte  der  Armee  angehört  hat  und  seine  militärische  Ausbildung
eben  diesem  Berufooffizierkorpe  verdankt,  sehr  bitter  ankommt,  hier  Worte  der
Kritik  laut  werden  zu  lassen.  Aber  das  Wohl  unseres  Vaterlandes  zwingt  mich
hier,  meine  Auffassung  nicht  zu  verschweigen.

Auch  das  Offizierkorpe#  war  bei  allem  Streden  nach  Vervollkommmung  senem
unheimlichen  Beharrungevermögen  verfallen.  Es  wurde,  in  vieler  Hinsicht
mit  gutem  GErund,  in  einer  Abgeschlossenheit  erzogen  und  erhalten,  welche  sich
zu  der  berühmten  „Weltfremdbelt“  ausgewachsen  hat.  Politisch  rechtlos  und
völlig  ahnungslos,  erblickte  das  Offlzierkorpe  in  jedem  Versuch  einer  Fortentwicklung
  der  grundlegenden  polltischen  Zdeale  des  Volkes  einen  verkappten
Umsturz.  Die  Spur  des  Gelstes  selnes  ersten  Begründere,  des  Soldatenkönlge
Friedrich  Wilbelm  l.,  lebte  noch  immer  in  ihm  fort  und  ließ  es  seine  hohe  und
zu  Opfern  verpflichtende  Aufgabe,  der  militärische  Erzieher  des  Volkes  zu  sein,
gar  zu  leicht  zugunsten  des  „Herrenstandpunktes“  verkennen.  Die  verhängnlevolle
  Auswirkung  dleses  Zustandes  war,  daß  unser  Berufsoffizierkorpe  das
Wesen  des  Volkskrieges  verkannt  hat.  Gar  zu  wenig  ist  es  dem  Offizler  selbst
in  vier  Kriegssahren  zum  Bewußtsein  gekommen,  daß  die  „Mannschaft“,  die  er
zu  befehligen  hatte,  sich  nun  nicht  mehr  aus  zwanzig-  bis  zwelundzwanzigsährigen
  Rekruten  zusammensetzte,  sondern  zu  einem  Überwiegenden  Teile  aus
lebensreifen,  lebenebewährten  „Vollbürgern“  und  Familienvätern  bestand.
Diesen  völlig  veränderten  Verhältnissen  sich  in  Ton  und  Haltung  anzupassen,
ist  unserem  Offizierkorp#s  nicht  in  dem  wünschenewerten  Maße  gelungen.

Aus  der  Schule  des  Berufeoffizierkorp#  ist  das  Offizlerk
standes  bervorgegangen,  und  des  ersteren  Geist  batte  In  selnen  hohen  ls
aber  auch  in  den  erwähnten  Fehlern  letzteres  maßgebend  beeinflußt.  Bei  der
Länge  des  Krieges  und  bel  der  unstunlgen  Verschwendung,  die  im  Anfange
mit  dem  kostbaren  Materlal  des  Berufsoffizlere  getrleben  worden  ist,  hat  sich
das  zahlenmäßige  Berhältnis  zwischen  Berufe-  und  Reserveoffizieren,  das
belm  Ausmarsch  etwa  auf  gleich  und  gleich  stand,  zugunsten  eines  starken  Uberwlegens
  des  nichtberuflichen  Offizlers  verschoben.  Trotzdem  ist  es  bis  zum  Ende
des  Krieges  nicht  gelungen,  die  völlige  Gleichbewertung  dee  Nichtberufsoffiziere
mit  dem  Berufeoffizier  selbst  in  dem  natürlich  nicht  allzu  häufigen  Falle  völllg
gleichwertiger  Leistungen  zu  erzlelen.

Diese  Flecken  auf  dem  strahlenden  Bild  unseres  Friedensheeres  müssen
bier  aufgezelgt  werden.  Wir  wissen  nicht,  was  uns  die  Zukunft  bringt.  Erkenntnis
  aber  ist  schon  um  des  Berständnisses  der  Vergangenheit  wlllen  notwendig.
Sie  hindert  uns  ulcht,  aue  freudigem  Herzen  anzuerkennen,  daß  dae  deutsche
Berufsoffizlerkorps  und  das  deutsche  Friedensheer  die  erste  Stelle  unter  allen

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