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hat er eine Formel gesucht und gefunden, das von Rom zu seinen
unlautern Zwecken gemißbrauchte Kosmopolitische des Christentums zu
einem deutsch-nationalen Christentum umzudeuten, wobei er aber im
Gegensatz zu Calvin das Demokratische des Christentums mit Rücksicht
auf die derzeitigen politischen Verhältnisse Deutschlands nicht berücksichtigt
hat. D. h. Luther hat sein Christentum der damaligen gesellschaftlichen
Klassierung Deutschlands angepaßt. Daß er trotzdem nicht
gleich einen durchschlagenden Erfolg hatte, das hat an der politischen
Vielgestaltigkeit Deutschlands, d. h. an seiner Kleinstaaterei gelegen.
Diese Kleinstaaterei, die erst der moderne Kapitalismus zur Bedeutungslosigkeit
gebracht hat, hat es zuwege gebracht, daß in Deutschland
bunt durcheinander ein Staat protestantisch wurde und ein anderer
katholisch, d. h. von Rom abhängig blieb, und zwar je nachdem auf
welcher Seite der regierende Fürst am besten seine Rechnung zu finden
glaubte. Hierzu kam, daß in verschiedenen größeren Städten auch
das selbstbewußte Bürgertum aus eigener Überzeugung im Protestantismus
Wurzel faßte und wenn es diesen auch so weit kräftigte, daß er
unter allen Umständen lebensfähig blieb, so wurde doch anderseits auch
hierdurch die konfessionelle Zerrissenheit Deutschlands noch vergrößert,
wodurch die befreiende Wirkung für den Anfang immerhin stark beeinträchtigt
wurde.
Wenn Luther für den Augenblick nicht mehr leisten konnte, so hat
dieses nicht an seiner Persönlichkeit gelegen, sondern an den äußeren
Verhältnissen, denen er Rechnung zu tragen hatte. In Luther, der
aus dem Mittelstande des deutschen Volkstums herausgewachsen ist, ist
das Deutschtum in einer Reinheit und Kernigkeit verkörpert, an die
keine andere geschichtliche Größe Deutschlands heranreicht. Trotzdem
kann er nur als Sohn seiner Zeit betrachtet werden, dem nur die Bildungsmittel
seines Jahrhunderts zur Verfügung standen, und diese
auch nur in der einseitigen Auffassung des Strenggläubigen.
Luther hat seinen Durst nach Wahrheit aus den trüben Quellen
des alten und neuen Testaments stillen müssen. Die Bibel war ihm
nicht nur der Leitfaden zur Glückseligkeit, sondern auch zur Erkenntnis;
sie lieferte ihm infolgedessen auch einzig und allein das geistige Rüstzeug
für seine Kämpfe. Alles philosophische Deuteln und Rechtfertigen
der Scholastiker galt ihm nur als ein Verwässern der christlichen Lehre.
Von solchem Standpunkt aus hatte er auch selbstverständlich nichts
übrig für die in jener Zeit herrschende Philosophie des Aristoteles.
Insbesondere hat er dessen Metaphysik, Physik und Seelenlehre vollständig
abgelehnt. Er war hierin noch strenger, anderseits aber auch
folgerichtiger als die katholische Kirche, die jene Philosophie in der Auf-