1866
Die drohende kriegerische Auseinandersetzung Preußens
mit Österreich erfüllte die Römlinge mit größter Besorgnis. Sie
hatten eine zu klare Vorstellung von der Macht Preußens, um
nicht dessen Sieg zu befürchten. ‚Wird Österreich besiegt“,
wird wa. August Reichensperger kurz vor der
Entscheidung seinem Tagebuch anvertrauen, ‚‚so stürzt das noch
aufrechtstehende Stück der historischen Welt zusammen.“
Er halte es aber schon deswegen für wahrscheinlich, daß
Preußen obsiegen werde, da der ganze Zug der Welt antihistorisch
sei!
Um dem so gefürchteten Kriegsausbruche vorzubeugen,
wurden in letzter Stunde vor allem auch die einflußreichsten
fürstlichen Frauen mobil gemacht, insbesondere die
Erzherzogin Sophie und die Königin von Sachsen. Zur Verständigung
in der Schleswig-Holsteinschen Sache ward u.a.
der Gedanke angeregt, die hohenzollernschen Lande
im Süden an Österreich abzutreten (exklusiv allenfalls des Burgschlosses),
die drei Hauptminister von Österreich, Preußen und
Sachsen zu entlassen, einen persönlichen Monarchenkongreß
zu veranstalten u. dgl. m. ($S.Pastor, Aug. Reichensperger,
1, 579.) Wie aber auch auf König Wilhelm eingestürmt
wurde — alles scheiterte, wie die Römlinge seufzten, an einer
„geheimen Klippe‘“. Es scheine ein Fatum obzuwalten!
Das Entsetzlichste, schier Unfaßbare für sie aber war
das Einvernehmen Preußens mit den ‚italienischen Lumpen‘,
den ‚„Räubern und Banditen‘, die nicht einmal die Grenzen
des römischen Kirchenstaates respektierten! Schon die Anerkennung
Viktor Emanuels, des exkommunizierten ‚„Räuberkönigs‘“,
als König von Italien hatte sie eine Todsünde gedünkt,