Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Siebzehnter Jahrgang. 1901. (42)

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zeiten  sein  Vermögen  zu  übergeben  und  sich  mit  der  Rente  zu  begnügen,
die  dem  Schenker  von  der  Kongregation  gezahlt  wurde.

Im  dritten  Abschnitt  heißt  es,  daß  ohne  ganz  besondere  Ermächtigungen,
  sei  es  durch  eine  Verfügung  des  Staatsrats,  sei  es  durch  ein  besonderes
  Gesetz  nicht  gebildet  werden  dürfen  Vereinigungen  zwischen  Franzosen
  und  Fremden,  Vereinigungen  zwischen  Franzosen,  deren  Sitz  oder
Leitung  im  Auslande  liegt  oder  Fremden  anvertraut  ist,  Vereinigungen,
deren  Mitglieder  gemeinschaftlichen  Haushalt  führen.  Dieser  Absatz  trifft
wiederum  auf  alle  Kongregationen  zu.  Der  vierte  Abschnitt  enthält  allgemeine
  Bestimmungen  über  die  Auflösung  von  Vereinigungen.  Null  und
nichtig  sind  alle  Rechtsgeschäfte  zwischen  Lebenden  oder  Erblassern,  mögen
sie  unmittelbar  oder  durch  Mittelspersonen  ausgeführt  sein,  die  den  Zweck
verfolgen,  den  gesetzlich  oder  ungesetzlich  begründeten  Vereinigungen  die
Möglichkeit  zu  gewähren,  sich  den  Bestimmungen  des  vorliegenden  Gesetzes
zu  entziehen.  Als  Mittelspersonen  gelten  die  Mitglieder,  denen  von  andern
Mitgliedern  derselben  Vereinigung  Geschenke  oder  Vermächtnisse  zu  teil
werden,  wofern  der  Empfänger  nicht  der  unmittelbare  Nachkomme  des  Erblassers
  ist,  ferner  das  Mitglied  oder  die  bürgerliche  oder  gewerbliche  Gesellschaft,
  die  ganz  oder  zum  Teil  aus  Mitgliedern  der  Vereinigung  besteht
und  die  das  von  der  Vereinigung  bewohnte  Grundstück  besitzt.  Auch  gilt
der  Besitzer  eines  von  der  Vereinigung  bewohnten  Grundstückes,  selbst  wenn
er  nicht  zu  der  Vereinigung  gehört,  als  Mittelsperson.  Auch  das  trifft
auf  die  Kongregationen  zu,  die  nicht  nur  in  Frankreich,  um  den  Verpflichtungen
  des  Bürgerlichen  Gesetzbuchs  zu  entgehen,  ihre  Besitzungen  auf  den
Namen  eines  beliebigen  Dritten  eintragen  ließen,  so  daß  der  wahre  Besitz
der  Kongregationen  trotz  aller  Ermittelungen  niemals  hat  wirklich  festgestellt
  werden  können.  Alle  bestehenden  Vereinigungen  haben  innerhalb
sechs  Monaten  den  Bestimmungen  des  vorliegenden  Gesetzes  nachzukommen,
widrigenfalls  sie  als  aufgelöst  gelten.  Das  Vermögen,  das  die  Mitglieder
der  aufgelösten  Vereinigung  vor  der  Gründung  hatten,  behalten  sie.  Die
der  Gesellschaft  frei  geschenkten  Werte  können  von  den  Schenkern  zurückgefordert
  werden,  und  zwar  während  des  Zeitraums  eines  Jahres.  Später
fällt  das  Vermögen  dem  Staate  anheim.  (Nach  der  „Tägl.  Rundschau“.)

Das  Gesetz  richtet  sich  also  in  der  Hauptsache  gegen  die  Klöster  und
religiösen  Genossenschaften,  weil  in  ihnen  und  in  ihren  Unterrichtsanstalten
nach  der  Ansicht  der  Regierung  ein  antirepublikanischer  Geist  gepflegt  wird.
Die  Münchener  „Allg.  Ztg.“  schreibt:  Die  wesentlichsten  Paragraphen  des
in  Frage  kommenden  Ordensgesetzes  lauten:  §  1.  „Jede  Vereinigung
u.  s.  w.  wird  geregelt  nur  auf  der  Grundlage  des  gemeinen  Rechtes.“  8§2.
„Jede  Vereinigung,  die  gegründet  ist  zu  einem  Zweck,  der  an  sich  unerlaubt
  ist,  welcher  der  öffentlichen  Ordnung,  der  guten  Sitte  widerspricht
und  für  die  Mitglieder  den  Verzicht  auf  sonst  unveräußerliche  Rechte  einschließt,
  ist  nicht  anerkannt.“  Das  heißt  kurzweg,  sie  ist  zu  verbieten  oder
kann  verboten  werden.  Unter  den  „unveräußerlichen  Rechten“  wird  im
Sinne  des  Gesetzgebers  verstanden:  „das  Recht,  zu  heiraten,  zu  kaufen  und
zu  verkaufen,  Handel  zu  treiben,  Berufe  auszuüben,  Besitz  zu  haben  und
das  Recht  auf  alles,  was  persönliche  Knechtschaft  hindern  würde.“  Solche
und  eben  gerade  diese  Rechte  geben  die  meisten  Ordensmitglieder  beim
Eintritt  in  ihren  Orden  freiwillig  auf  durch  Ablegung  der  drei  Gelübde
der  beständigen  Keuschheit,  der  freiwilligen  Armut  und  des  vollkommenen
Gehorsams  gegen  den  Oberen.  Die  Sache  liegt  also  einfach  so:  Wenn  die
Kammer  das  Gesetz  in  dieser  Fassung  annimmt,  so  kann  die  Regierung
fast  alle  in  Frankreich  zur  Zeit  bestehenden  religiösen  Genossenschaften  aufhebeen
  und  die  Bildung  von  neuen  klösterlichen  Vereinigungen  verbieten.

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