72 III. Die Vorkriegszeit und der Kriegsbeginn unter der Ersten O. H. L.
Divisionen, die etwa seit 1911 planmäßig aufgestellt wurden.
Generaloberst v. Moltke stärkte den linken Flügel, ohne die Kräfte
zu schwächen, die für den Einmarsch nach Frankreich mit dem Drehpunkt
Diedenhofen bestimmt waren.
Ein Vergleich ergibt folgendes:
Graf v. Schlieffen wollte im Fall eines Zweifrontenkrieges
1905 aufmarschieren:
nach dem Westen mit 62, nach dem Osten mit 10 Divisionen.
Generaloberst v. Moltke marschierte 1914 auf:
nach dem Westen mit 707), nach dem Osten mit 957) Divisionen.
Von den Divisionen, die im Westen aufmarschierten, waren
bestimmt:
zum Angriff nördlich Metz—Diedenhofen
1905 54 (63***) Divisionen,
1914 54 Divisionen,
zum Aufmarsch in Lothringen
1905 8 (9) Divisionen,
1914 16 Divisionen.
Hierzu traten noch als Heeresreserve:
1914 6½ Ersatzdivisionen.
Auch Graf v. Schlieffen hatte an die Verwendung von Ersatzdivisionen
gedacht, jedoch nichts planmäßig vorsehen lassen.
Zur Stärkung des linken Flügels hatte Generaloberst v. Moltke
noch den Ausbau der Nied-Stellung zwischen Metz und der Saar
angeordnet. Graf v. Schlieffen hatte ebenfalls mit dieser Stellung
*) Einschließlich des IX. Reserve-Korps, das Mitte August im Westen
eintraf.
**) Generaloberst v. Moltke zog also in der Bemessung der Kräfte für den
Osten augenscheinlich schärfere Folgerungen aus unserer Lage als Graf
v. Schlieffen. Doch ist zu beachten, daß für Graf v. Schlieffen 1905 die Wahrscheinlichkeit
eines Zweifrontenkrieges nicht vorlag, da Rußland gebunden war.
Ich lasse es deshalb dahingestellt, ob Graf v. Schlieffen tatsächlich 10 Dioisionen
gegen Rußland hätte aufmarschieren lassen, wenn der Aufmarsch nach West und
Ost bearbeitet oder in die Tat umgesetzt worden wöre.
*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Stärken, mil denen Graf
v. Schlieffen im Fall eines Krieges nur gegen Westen aufmarschiert wäre.