72 Wiederherstellung der Mark 1412—1499.
Reiche in ein engeres Verhältnis zu Polen und gab damit der jagellonischen
Dynastie ein entschiedenes Ubergewicht im europäischen Osten, das Osterreich
durch einen Erbvertrag von 1491 für sein Hausinteresse auszunutzen verstand,
das aber für die brandenburgische Machtstellung eben damals verhängnisvoll
geworden ist.
Diese Verhältnisse, die den Hintergrund der allgemeinen Politik charakterisieren,
muß man im Ange behalten, wenn man die politische Haltung der
brandenburgischen Hohenzollern im 15. Jahrhundert, ihre Entwürfe und Schicksale,
ihre Errungenschaften und Mißerfolge richtig verstehen will.
Friedrich I.
Der neue Landeshauptmann der Mark, Friedrich von Nürnberg, hat sich
die Stellung, die ihm verliehen worden war, in Wirklichkeit erst selbst erobern
müssen. Der Ritter Wend von Ileburg (Eulenburg), den er im Jahre 1411
voraussandte, um die Einlösung der Pfandschaften vorzubereiten, stieß auf
trotzigen Widerstand bei dem Adel und vermochte gar nichts auszurichten. Man
spottete in den Kreisen der märkischen Junker über den „Nürnberger Tand“,
der ihnen ins Land geschickt werden solle. Als dann Friedrich selbst mit einem
ansehnlichen Gefolge von fränkischen Rittern und Knechten im Juni 1412 in
der Mark erschien, wurde er zwar von den Städten, Brandenburg, Berlin und
Cölln, Spandau, mehr oder minder willig anfgenommen und erlangte auch
von den Ständen der Mittelmark, die er am 10. Juli zu einem Landtag in
Brandenburg versammelte, die Huldigung (übrigens wieder mit dem charakteristischen
Beisatze: „zu seinem Gelde"“), aber die Altmärker und Priegnitzer
unter Führung von Caspar Gans zu Putlitz hielten sich fern, und auch viele
Edellente der Mittelmark, namentlich die Quitzows und ihr Anhang, verharrten
in trotzigem Widerstand und wollten vor allem nicht in die Wiedereinlösung der
ihnen verpfändeten markgräflichen Schlösser und Besitzungen willigen; aus diesen
Kreisen wurde das Wort bekannt, das einer der Quitzows gesprochen hatte:
„Und wenn es ein Jahr lang Nürnberger regnete, so wollten sie ihre Schlösser doch
wohl behalten.“ Der Burggraf trat diesem Widerstande mit klug berechnender
Vorsicht entgegen und suchte vor allem erst die Verbindung der Gegner mit ihren
auswärtigen Freunden, den Nachbarn der Mark, abzuschneiden. Namentlich
waren es die Herzöge von Pommern-Stettin, Kasimir und Otto, die Söhne
des alten Herzogs Swantibor, des ehemaligen Landeshauptmanns Jobsts von
Mähren, die, im Pfandbesitz der Uckermark, zugleich auch über die angrenzenden
Teile der Mark im Einverständnis mit den Onitzows eine Art von obrigkeitlicher
Stellung in Anspruch nahmen, wie sie mit dem Ansehen des neuen Landeshauptmanns
nicht verträglich war. Am 24. Oktober 1412 kam es zwischen
ihnen und der fränkischen Mannschaft des Burggrafen zu einem Treffen bei dem
Kremmer Damm, in dem einer der hervorragendsten unter den fränkischen
Herren, die dem Burggrafen in die Mark gefolgt waren, Hans von Hohenlohe,
den Tod fand; Friedrich hat ihn in der Klosterkirche zu Berlin beisetzen lassen
und ihm eine noch erhaltene Gedenktafel gestiftet. Wichtiger noch als dieser
Zusammenstoß, der immerhin die Pommern von weiteren Unternehmungen
vorläufig abgehalten hat, war es, daß Friedrich es verstand, durch geschickte Verhaudlungen
eine Anzahl der benachbarten Fürsten auf seine Seite zu bringen.