Contents : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

Zug  nach  Mexiko.  9

gekommen,  und  die  unterdrückten  Republikaner  waren  seine  Todfeinde
geworden.

Um  dem  französischen  Volke  nicht  Zeit  zum  Nachdenken  und
seinen  Feinden  nicht  Muße  zum  Wühlen  zu  geben,  suchte  er  das  Volk
zu  beschäftigen,  durch  äußern  Glanz  zu  blenden  und  in  mehreren
Kriegen  die  Unzufriedenen  zu  vernichten.  Mit  England,  Italien  und
der  Türkei  im  Bunde  führte  er  einen  glücklichen  Krieg  gegen  Rußland,
  gemeinsam  mit  Italien  besiegte  er  Oestreich.  Berauscht  durch
seine  Erfolge  beschloß  er,  in  Nordamerika  festen  Fuß  zu  fassen  und
von  Meriko  aus  den  Vereinigten  Staten  entgegen  zu  treten.  Der
Erzherzog  Maximilian  von  Oestreich  ließ  sich  verleiten,  das  verhängnißvolle
  Geschenk  der  merikanischen  Kaiserkrone  aus  Napoleons  Händen
anzunehmen.  Der  französische  Herrscher  rüstete  mit  ungeheuern  Kosten
eine  Expedizion,  welche  den  neuen  Fürsten  in  sein  Land  einsetzen  sollte.
Anfänglich  errang  dieselbe  einige  Vortheile,  aber  als  die  Vereinigten
Staten  mit  Krieg  drohten,  zog  Napoleon  seine  Truppen  zurück  und
überließ  den  unglücklichen  Kaiser  Maximilian  seinem  Schicksale.  Derselbe
  wurde  bekanntlich  von  den  Mexikanern  gefangen  und  erschossen.

Als  der  Zug  nach  Mexiko  so  kläglich  verunglückte,  regten  sich  in
Frankreich  sofort  mit  Erfolg  die  Stimmen  der  alten  Feinde  des  Kaisers.
  Um  dieselben  zu  übertäuben,  wandte  Napoleon  ein  Effektmittel
an:  er  ließ  in  ganz  Frankreich  darüber  abstimmen,  ob  die  Unterthanen
mit  der  Regierung  des  Kaisers  zufrieden  seien.  Trotz  vielfach  angewandter
  Zwangsmittel  ergab  sich  bei  der  Abstimmung  eine  so  bedeutende
  Anzahl  von  Stimmen,  welche  nein  sagten,  daß  Napoleon  wohl
einsah,  nur  ein  Radikalmittel  könne  ihn  retten  und  seinen  wankenden
Thron  wieder  befestigen.

Auch  einen  andern  Schaden  hatte  der  Komödiantenstreich  der  Abstimmung
  verdecken  sollen,  nämlich  die  gewaltige  Schlappe,  welche  Napoleon
  im  Jahre  1866  der  Politik  des  Grafen  Bismarck  gegenüber
erlitten.  Die  mexikanische  Expedizion  war  noch  nicht  beendet,  als  der
Krieg  zwischen  Preußen  und  Oestreich  im  Jahre  1866  begann.  Napoleon
  war  der  festen  Meinung,  hier  gäbe  es  eine  prächtige  Gelegenheit
  im  Trüben  zu  fischen,  der  alte  Gauner  hoffte  alles  in  dem
deutschen  Handel  wiederzugewinnen,  was  er  in  Mexiko  eingebüßt