Metadata : Kolonialpolitik. Mein politisches Vermächtnis.

Die  bitteren  Erfahrungen,  welche  die  deutschen  Uberseekaufleute
in  diesem  Kriege  gemacht  haben,  indem  ihre  Geschäfte  liquidiert,
ihre  Besitztümer  von  den  feindlichen  Regierungen  verschleudert
wurden,  werden  viele  abschrecken,  ihr  Kapital  erneut  im  Auslande
anzulegen.  Ein  neues,  wirtschaftlich  starkes  deutsches  Kolonialreich
  soll  die  Möglichkeit  bieten,  Kapital  da  anzulegen,  wo  die
deutsche  Flagge  es  schützt  und  eine  geordnete  Verwaltung  die
ruhige  Arbeit  des  Geldes  gewährleistet.

Zu  Beginn  unserer  Kolonialwirtschaft  war  Kolonialfreudigkeit
des  Großkapitals  wohl  vorhanden,  aber  nicht  immer  war  ihm
Erfolg  beschieden.  Das  hatte  seinen  Hauptgrund  darin,  daß
in  den  ersten  Jahren  unserer  kolonialen  Betätigung  bei  der
Verwendung  des  Geldes  nicht  immer  die  nötige  Sachkenntnis
und  Erfahrung  obwaltete.  Es  fehlten  vielfach  die  geeigneten
Persönlichkeiten,  die  auf  Grund  ihrer  kolonialen  Erfahrungen
das  dargebotene  Kapital  richtig  anzuwenden  verstanden.  Das
hat  sich  aber  in  dem  letzten  Jahrzehnt  geändert.  Erfahrene,
sachkundige  Personen  sind  in  großer  Zahl  vorhanden,  die  imstande
sind,  unter  den  besondersartigen  Verhältnissen  der  kolonialen
Gebiete  Kapitalien  nutzbringend  arbeiten  zu  lassen.  Schon  vor
dem  Kriege  brauchte  nicht  mehr  an  die  koloniale  Begeisterung
der  Geldgeber  appelliert  zu  werden,  die  Verhältnisse  hatten  sich
so  gestaltet,  daß  sie  dem  Kapital  verlockend  genug  erschienen,
um  freiwillig  zu  kommen.  Vor  dem  Kriege  war  in  Deutschland
  der  Teil  des  anlagesuchenden  Kapitals,  der  ein  Risiko
nicht  scheute,  um  eine  höhere  Verzinsung  zu  erzielen,  stark
und  im  Wachsen  begriffen.  Dazu  kommt,  daß  sich  die
Möglichkeiten  ausländischer  Kapitalsinvestierung  vermindert
haben  dürften.  Die  Beschaffung  der  wichtigsten  kolonialen  Roh-27