Grobbritannien. (April 27.) 289
auch diesmal besiegen. Zum Schluß führt er aus: Die Zukunft unseres
Landes hängt zum großen Teil davon ab, was die Politiker gelernt haben.
Ich habe von Politikern gehört, die denken, wenn der Krieg zu Ende sei,
würden sich die alten Begriffe wieder einstellen. Vor dem Kriege gab es
fünf voneinander ganz unabhängige Parteien, und das Volk hat entdeckt,
daß keine derselben ein Monopol der Weisheit besitzt, und daß sogar die
fünf Parteien zusammen nicht das Gefäß politischen Scharfsinns sind, und
daß es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als irgendeine der
fünf Parteien sich träumen läßt. Das ist eine der Revolutionen, die wir
im düsteren Feuer des Krieges sich haben ereignen sehen. Ich hoffe und
glaube nicht, daß wir die staubbedeckten Programme irgendeiner Partei
wieder hervorziehen, sondern daß wir die besten Methoden uns selbst ausdenken
werden. Die Erfahrungen von Generationen haben sich in diesen
wenigen Wintern angehäuft. Wir wären in der Tat unserer großen Bestimmung
unwürdig, wenn wir all das beiseite werfen würden, um Formeln
willen, die vor dem Krieg festgesetzt wurden. Unsere Kollegen von den
Dominions und dem großen indischen Reiche haben nicht an einer nur
formellen Konferenz teilgenommen, sondern wirklich teil an unseren Beratungen
und Entscheidungen gehabt. Sie haben neue Gedanken zu uns
gebracht und wir brauchen neue Gedanken, um den Karren aus den ausgefahrenen
Gleisen zu bringen. Eine der Hauptpflichten zukünftiger Staatskunst
wird sein, alle nötigen Maßregeln zu trefsen, um die wundervollen
Hilfsquellen zu erschließen, die wir besitzen. Hätten wir vor fünfzig Jahren
unsere Bemühungen in dieser Richtung zur Anwendung gebracht, so hätten
wir heute in unseren Dominions eine doppelte Bevölkerung und hätten die
britische Auswanderung nach ihnen gelenkt, anstatt sie in fremde Länder
gehen zu lassen. Lloyd George wendet sich dann den Reformen zu, die in
der Regierungsform des gesamten britischen Reiches eintreten müßten. Die
eine Million Mann, die die Dominions und Indien gestellt hätten, müßten
den Charakter der Beziehungen der einzelnen Teile des Reiches umformen.
Die großen Opfer, die die Dominions und Indien gebracht hätten, bedingten
Anspruch auf wirkliche Partnerschaft. In Zukunft müsse eine wirksame
Beratung die einzige Basis der Zusammenarbeit bilden. Die Dominions
müßten in Zukunft befragt werden, bevor gehandelt werde. Die Kriegszeit
sei vielleicht nicht die beste Zeit, neue Verfassungen auszudenken, aber die
Reichsräte müßten wenigstens ein wirkliches Reichskriegskabinett bilden.
Das erste, das je abgehalten worden sei, habe den Wert eines solchen Rates
gezeigt. Für die Zukunft haben wir beschlossen, daß das britische Reich
durch engere Bande der Interessen und des Handels und der allgemeinen
Geschäftsbeziehungen verbunden werden muß. Um unsere riesigen Gebiete
zu entwickeln, muß der Produktion jedes Teiles des Reiches besondere
Förderung zuteil werden. Wir glauben, daß ein System von Vorzugszöllen
eingerichtet werden könnte, ohne die Nahrungsmittel zu belasten. Zu einer
Zeit, wo Nahrungsmittel besonders knapp sind, kann davon nicht die Rede
sein, aber für die Zwecke der Bevorzugung ist das nicht wesentlich. Diese
Zwecke können durch andere Mittel gesichert werden, besonders durch Verbesserung
der Verkehrsmittel zwischen den einzelnen Teilen des Reiches.
Unser Reich hat unbegrenzte Reichiümer an Mineralien, Nahrungsmitteln,
Holz und allem Nötigen. Es ist offensichtlich zum Vorteil nicht nur eines
Teiles, sondern des ganzen Reichs, daß diese Hilfsmittel aufs beste ausgenutzt
werden. Ich habe nur noch zwei Punkte zu erwähnen. Zunächst
Irland. Zur Erreichung eines gut zusammengefügten mächtigen Reiches
ist es unerläßlich, Irland aus einem mißtrauischen, gefährlichen Nachbarn
in einen freudigen loyalen Kameraden zu verwandeln. Irland ist der einzige
Europäischer Geschichtskalender. LVIII 2. 19