Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

593  Drachenbaum  —  Drahtläfig.  Drahtlette  —  Drang.  594

gende  drachen  Jes.  30,  6;  ein  drache  scheint  es  von  baucr.  —  Drahtkette,  k.  Kette  aus  Metalldraht  gemacht.
gestalt  mit  weitem  krokodilesrachen  Schiller  Kampf!—  Drahtmühle,  f.  durch  Wasser  getriebenes  Werk  für
m.  d.  Dr.  11  (nachher  das  ist  der  lindwurm);  in  höhlen,  das  Ziehen  des  Drahtes.  —  Drahtnagel,  m.  Nagel  aus
wohnt  der  drachen  alte  brut  Goethe  W.  Meister  3,1;  Metalldraht.  —  Drahtnetz,  n.  Netz  aus  Metalldraht.  —
biblisch  auch  Bild  des  Teufels,  nach  Offenb.  12,  7—9;|  Drahtpuppe,  s.  Puppe  die  am  Draht  oder  Faden  ge-Bringer
  von  Schätzen  im  Volksaberglauben;  übertragen  zogen  wird;  bildlich  für  einen  Steifen  oder  Ünselbstänals
  Schelte  für  böse  Menschen,  namentlich  geizige,  ein  digen:  austaumeln  wird  sie,  die  furstliche  drahtpuppe
geizdrache,  auch  argwöhnische,  zänkische:  (die  Frau)  von  Schiller  Kab.  4,  9.  —  Drahtrolle,  k.  Rolle  über  die
ihrem  drachen,  den  sein  husten  tag  und  nacht  nicht  Metalldraht  gewickelt  wird.  —  Drahtsaite,  s.  mit  Metallruben
  läszt,  gebannet  und  bewacht  Wieland  Ob.  6,60;  draht  übersponnene  oder  ganz  von  Metalldraht  gemachte
war  mit  den  freiern  spielt  sie  immer  noch  den  drachen  Saite.  —  Drahtsich,  n.  Sieb  mit  Boden  von  Metall-Perv.
  1,  277;  mein  vetter,  der  alte,  widrige  drache)  draht.  —  Drahtstift,  m.  Stift,  Nagel  von  Metalldraht.  —
Körner  Nachtw.  5;  ein  Mann  heißt  sein  zänkisches  Drahtzange,  s.  Zange  zum  Biegen  des  Drahtes.  —  Draht-Weib
  seinen  hausdrachen;  übertragen  auf  ein  Stern=  zieher,  m.  der  Metalldraht  durch  Ziehen  verfertigt.  —
bild  des  nördlichen  Himmels;  auf  ein  Kinderspielzeug  Drahtzug,  m.  Werkstatt  wo  dies  geschieht,  Drahtmühle.
aus  Stäben  und  Papier,  das  in  die  Lüfte  steigt,  eimen  Drahten,  aus  Draht  gefertigt,  früher  auch  drahtern
drachen  steigen  lassen,  u.  a.  Die  neuere  Naturgeschichte  (Henisch)  und  drähten  (6  tein  bach):  drabtenes  fenster;
hat  eine  fliegende  Eidechsenart  drache  genannt.  —  Zu=  silber-,  golddrahtenes  netz,  u.  a.  —  drähtig,  aus  Drähten,
fammensetzungen:  Drachenbaum,  m.  eine  Art  Palmbaum  Fäden  bestehend,  in  Zusammensetzungen  der  Handwerkerin
  Ostindien;  Drachenbint,  n.  der  daraus  schwitzende  sprache:  zwei-,  dreirähtige  wolle,  banmwolle;  so  heiszt
rote  Gummifaft.  —  Drachengift,  n.  Gift  von  Drachen  ein  solcher  faden  bei  den  zeugwebern  zwei-,  drei-,  vier--,
5.  Mos.  32,  33;  gährend  drachengilt  Schiller  Tell  auch  sechsdrähtig  Jacobsson.
4,  3.  —  Drachennest,  n.  Rest  des  Drachen;  übertragen  Drall,  rund,  wie  gedreht;  im  Ablaute  zu  drillen
auf  Schlupswinkel  unheimlichen  Gelichters:  ist  das  das  (s.  d.);  niederd.  Wort,  mud.  dral  in  der  Bed.  fest  gedrachennest?
  Schiller  Räub.  2,  3.  —  Drachensaat,  f.  drebt,  vom  Faden,  und  rasch  sich  drehend,  wirbelnd,  vom
die  durch  Kadmus  gesäten  Zähne  eines  Drachen,  aus  Wasser  (Schiller-Lübben  i,  565),  erst  im  späteren
denen  gewaffnete  Krieger  wuchsen  bildlich  für  unheil-  |8.  .  in  die  Schriftspr.  eingedrungen,  bei  Lessin
volle  Saat,  Säen  von  Zwist.  —  Drachenscele,  k.  Seele  vom  festen  Gehen:  den  drallen  gang  (des  Tempelherrn
eines  Drachen  oder  wie  eines  Drachen;  Träger  einer  Nath.  2,  5;  neuer  namentlich  von  runden,  festen,  munjolchen:
  schämt  euch,  ihr  drachenseelen!  Schiller  tern  Mädchen:  dralle  dirnen;  ein  nettes  dralles  mädchen;
Räub.  1,  3.  —  Drachenwurz,  k.  Name  mehrerer  Pflanzen,  wenn  dich  so  ein  hubsches,  junges,  dralles  frauchen
namentlich  Schlangenkraut  und  gelbe  Wasserlilie.  möchte  Benedix  Vetter  2,  15.  —  Drall,  m.  Drehung,
Dragöner,  m.  leichter  Reiter  einer  gewissen  Art;  aus  Windung;  namentlich  die  Windung  der  Züge  im  Lauf
franz.  dragon  übernommen,  womit  man  ursprünglich  im  eines  Gewehrs  Instruct.  3.
16.  Ih.  Schützen  zu  Pferde  unter  dem  Marschall  de  Brissach  Dran,  vgl.  daran.
bezeichnete,  die  in  ihrer  Standarte  einen  Drachen  führten;  Drang,  m.  Handlung  und  Zustand  des  Dringens,
bei  Jacobi  v.  Wallhausen  1617  noch  als  fremder  mhd.  dranc,  altengl.  prang:;  die  Bed.  des  Wortes  schließt
Ausdruck:  dragons,  muszqueticrers  zu  pferdt.  seit  dem  Pluralbildung  aus;  1)  feindseliges,  kämpfendes  Ein-30
  j.  Kriege  draguner,  später  der  dragoner  Stieler:  dringen  auf  einen:  bahurt  unde  dranc  En.  12959;  in
dragoner  rasseln  in  den  feind  Schiller  1,  233;  husaren,  älterer  Spr.  einem  drang  thun,  drang  geschieht  einem:
dragoner  und  jäger  sprengen  um  die  anhöbe  Ränub.  2,  3;  das  ..  ein  vogt  den  armen  leuten  trang  wolte  thun
übermagen  auf  ein  derbes  grobgebautes  Weib:  mit  einem  Weist.  1,  249;  kriegten  wider  die  kaiserischen,  teten  in
dragoner  von  weibe  Lesfing  Dram.  15.  groszen  drang  Aventin  2,  470;  einem  allen  drang
Draht,  m.  starker  Faden;  altgerm.,  zu  drehen  ge=  antuhn  Stieler;  als  der  heid  merken  kunt  und  sach.
hörige  Iiung,  goth.  unbezengt,  altnord.  Präör,  alt=  das  ein  drang  vom  klein  gschutz  geschach  Teuerd.
engl.  brad,  ahd.  mhd.  drät;  zunächst  von  Leinen  oder  79,  56.  Daher  2)  vom  Standpunkte  des  Bedrängten,
Wolle  gewunden:  draat,  silum,  nerrs  Henisch,  bänfen-  die  aus  dem  Dringen  erwachsende  Not,  Drangsal,  Bedrat,
  leincndrat,  schoh-,  schusterdrat  Stieler:  viel  in  drängnis:  trang,  truck,  zwang  Maaler;  vergissest
der  Spr.  der  Handwerker,  außer  bei  Schuhmachern  auch  unsers  elends  und  drangs  Pf.  44,  25;  der  mutb  wächst
bei  Webern  (vgl.  dazu  drähtig),  Sattlern,  Täschnern,  mit  der  gefadr,  die  kraft  erhebt  sich  im  drang  Schiller
Riemern;  zum  Sticken,  Nähen:  starr  anf  drat  gehuckt  Ränb.  1,  2;  fliehen  aus  des  lebens  drang  Antritt  des
und  nadel  Voß  6,  19;  zum  Bewegen  der  Ruppen  des  neuen  Ih.;  die  befreiten  lande  tragen  noch  manches
Theaters:  an  drähten  zieben,  leiten;  daher  bildlich:  vorgen  dranges  spur  Uhland  83;  in  der  Formel  ohne
sklaven  eines  einzigen  morionettendrabts,  den  ich  leichter  drang  und  zwang  Bürger  das  vergnügte  Leben.  3)  das
als  mein  filet  regiere  Schiller  Kab.  2,1;  übertragen  auf  Dringen  einer  Menschenmenge  und  diese  felbst  (vgl.  anden
  aus  Metall  gezogenen  Faden:  (Locken)  die  glizzen  ..  drang.  zudrang),  Gedränge:  daz  sie  vor  drange  d#f  dem
reht  alse  goldes  dræte  troj.  Kr.  19915;  silber-,  eisen-  wal  mochten  sich  nicht  wol  gescharn  livl.  Reimchr.
messing-,  zinkdraht;  drabt  zieben,  spinnen,  platten;  10616;  erst  in  neuerer  Spr.  wieder  mehr  erscheinend,
ein  mit  draht  vergittertes  fenster;  in  neuester  Spr.  auch  wie  denn  Voß  das  von  ihm  4,  260  gebrauchte  Wort:
—  telegraphendraht:  einen  durch  den  draht  benach-  in  des  tanzes  drange  S.  324  durch  „Gedränge  erklärt;
richtigen.  —  Zufammensetzungen:  Drahtantwort,  f.  Ant-  oben  um  die  capelle  finden  wir  drang  und  bewegung
wort  durch  den  Telegraphendraht.  —  Drahtarbeit,  k.  Goethe  13,  260;  übertragen  auf  Dinge:  im  drange  der

Z

das  Arbeiten  in  Metalldraht  und  das  so  Verfertigte.  —  geschälte  Bismarck  Reden  5,  119.  0  auch  nur  der
S  k.  Werktisch  der  Drahtzieher,  Ziehbank.  —  neueren  Spr.  angehörend  ist  die  Bed.  des  inneren  Triebes,
Drahtbauer,  m.  u.  Käfig  aus  Metalldraht.  —  Draht-  Mreizes,  zuerst  bei  Adelung  innerer  drang:  von  blinbericht,
  m.  Verdeutschung  von  telegraphische  Depesche.  —  dem  drang  gepreszt  Wieland  Klelia  7,  61;  ein  guter
Drahtfaden,  m.  Faden  aus  Draht  zum  Ziehen  der  Mario=  mensch  in  seinem  dunkeln  drange  Goethe  Faust,  Prol.;
netten:  von  einem  französischen  tragödienschreiber  auf  drang  nach  wahrbeit;  er  hat  einen  unwiderstehlichen.
stelen  geschraubt  und  mit  drahtfäden  gezogen  zu  wer-i(drang  seemann  zu  werden;  die  Formel  sturm  und  drang:
den  Schiller  Räub.  1,  2.  —  Drahtsenster,  n.  Fenster  in  solchem  sturm  und  draug  von  eile  Wieland  Klelia
mit  Drahtgitter  statt  des  Glases.  —  Drahtgitter,  n.  1,  346,  als  Titel  eines  Schaufpiels  von  Klinger  ver-Gitter
  aus  Metalldraht.  —  Drahtkäfig,  m.  wie  Drabt=  wendet,  hat  einer  bestimmten  litterarischen  Bewegung
M.  Heyne,  Deutsches  Wörterbuch,  I.  38