Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

615  duftig  —  Duldung.

duftende  kühlung  Schiller  Spaz.  24;  unpersönlich:

es  duftet  nach  veilchen,  rosen;  da  duftets  wie  vor  alters
Goethe  Div.  1,  12;  trans.  blumen  duften  wolgeruch;
du  duftest  balsam  Klopstock  d.  Rheinwein  7;  lippen,
die  ihm  ..  lauter  nektar  und  ambrosia  zu  duften  schienen
Wieland  Sylv.  1,  5;  ein  veilchenstrausz  ..  der  duftete
  mir  zu  gar  süszen  traum  Geibel  l,  41;  übertragen:

  freude  duftet  ihr  alter  dereinst  Ramler  2,5.—,

dustig,  Dust  habend;  zarten  Dunst  zeigend:  die  duftige
ferne,  das  duftige  gebirge;  euch  will  ich  besteigen,

idr  duftigen  hugel  Ev  Kleist  Frühl.  6;  freier  ein  dultiges

  gewebe,  gleichsam  nur  wie  zarter  Nebel  scheinend,
duftige  ballkleider,  duftiger  hauch  uber  einem  kunstwerke,
  u.  a.;  die  Eigenschaft  des  Wohlgeruchs  habend:
duftige  blumen,  duftiger  strausz;  des  sieges  duftger
kranz  Schiller  Ideal  u.  Leb.  74.

Dukäten,  m.  ehemalige  Goldmünze,  aus  dem  mittellat.
ducatus  seit  12.  Ih.  von  Italien  (dort  als  herzogliche
Münze  geprägt)  entlehnt;  Münze  für  große  Summen:
hett  gar  vil  dukat  und  lubisch  gulden  auch  Altswert
288;  hundert  ducaten  geboten  Schiller  2,  335.  —
Dukatengold,  #.  feines,  zu  Dukaten  verwendetes  Gold:
baar  wie  vom  feinsten  dukatengold  Tieck  Oct.  260.—
Dulatenmännchen,  n.  scherzhafte  Figur  eines  kauernden
Männchens,  das  in  dieser  Stellung  Dukaten  von  sich
gibt;  sprichwörtlich:  ich  habe  kein  dukatenmönnchen,
kann  so  große  Ausgaben  nicht  machen.

Dulden,  ertragen,  bestehen  oder  geschehen  lassen;  ahd.
dultan,  dulten,  mhd.  dulten,  dulden,  Denominativd  zu
dem  ahd.  mhd.  Fem.  dult,  das  in  geduld  (f.  d.)  noch
lebt  und  feinerseits  wieder  Subst.  zu  dem  Verbum  goth.
bulan,  altengl.  pulian,  ahd.  dolsn,  mhd.  doln  ist;  urverwandt
  mit  lat.  tollo,  tolerare  und  griech.  tleuai
dulden,  tlsmôn  Elend.  Es  bezeichnet  1)  Widriges  ertragen;
  intranf.:  dulden  wir,  so  werden  wir  mit  herrschen
  2.  Tim.  2,  12;  grosze  seelen  dulden  still  Schiller
Karl.  1,  4;  als  mensch  unter  menschen  zu  dulden  und  zu
tragen  Taylor  Antin.  361;  Ins.  als  Subst.:  das  harte
dulden  ist  ibr  schweres  loos  Schiller  Jungfr.  1,  10;
trans.  not,  trubsal  dulden;  den  kumber  den  ich  dulde
W  Tiufen  2,  11;  in  allen  ewren  verfolgungen  und
trübsalen,  die  zjr  duldet  2.  Thess.  1,  4;  sie  (die  Liebe)
duldet  alles  1.  Cor.  13,  17;  zu  leben  unter  diesem  fremden
  kalten  volke,  das  duld  ich  lunger  vicht!  Wieland
  Geron  191.  2)  bestehen  oder  geschehen  lassen:
dulden,  zulassen,  gestatten,  geschehen  lassen,  vergönnen
Henisch;  mit  sächl.  Acc.:  wills  nicht  lenger  dulden
ebd.;  bei  vierzig  jaren  duldet  er  jre  weise  in  der  wusten
Ap.  Gesch.  13,  18;  ein  nur  geduldeter  cultus,  geduldete
religionsübung;  die  sonne  duldet  kein  weiszes  Goethe
Faust  1;  mit  abhäng.  Satze:  ich  dulde  nicht,  dasz  das
geschieht;  mit  persönl.  Acc.:  wie  lange  sol  ich  euch
dulden  Matth.  17,  17;  man  erträgt  die  unbequemen
lieber  als  man  die  unbedeutenden  duldet  Goethe  Wahlverw.
  2,  5;  ungewöhnlich  für  leiden,  erträglich  finden:
ich  mag  ihn  nicht  dulden  Prepta  Soll  1,  257.  —
Dulder,  m.  der  da  duldet,  bei  Adelung  als  neues
Wort  verzeichnet;  nach  dulden  1:  ein  frommer  dulder
ebd.;  des  dulders  bahn  Schiller  an  die  Freude  56;
nach  dulden  2:  herr,  gott,  .  du  dulder  Klopstock
Genesung  des  Königs.  —  Dulderin,  f.  weiblicher  Dulder.
—  duldsam,  zu  dulden  gewillt:  dultsam,  patiens,  ferens
aequo  animo  Henisch;  jetzt,  und  schon  bei  Adelung,
gewöhnlich  für  das  fremde  tolerant:  die  protestanten
betrachtete  er  duldsam  als  „die  kirche  linker  seite“
Treitschke  2,  94;  duldsam  gegen  andersgläubige.
Duldsamkeit,  f.:  die  duldsamkeit  der  religionspartheien
gegen  einunder  Goethe  Du  W.  13;  beispiel  ihrer  eigenen
dduldsamkeit  Treitschke  2,  240.  —  Duldung,  k.  Handlung
  des  Duldens;  nach  dulden  1:  duldung  perpessio;
mit  der  duldung  (der  Hiebe)  wuchs  meine  wuth  Goethe
Du  W.  2;  die  Juldungen  körperlicher  leiden  ebd.;  nach

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dulden  2:  duldung  von  unzuträglichkeiten;  für  das
fremde  Toleranz:  der  zu  Madrid  für  ketzer  bat,  ..  fur
die  duldung  stimmte  Schiller  5.  21;  sicherte  den
reformirten  die  duldung  Treitschte  3,  191.

Dumm,  stumpfen  Verstandes;  gemeingerm.  Wort  mit
verschieden  entfaltetem  Sinne,  goth.  dumbs  stumm;  altnord.
  dumbr  stumm,  aber  dumda,  k.  Nebel,  Finsternis;
altengl.  neuengl.  dumb,  stumm,  betäubt;  ahd.  tump,
stumm,  taub,  thöricht,  mhd.  tump  auch  unerfahren,  unreises
  Verstandes  (Gegensatz  zu  wis  Minnes.  Fr.  62,  17);
zu  Grunde  liegen  wird  diesen  Bedeutungen  eine  allgemeine
  (etwa  die  stumpfer  Sinne  oder  Empfindung),
die  sich  verschieden  vereinzelt  hat;  als  Wurzel  des  Wortes
ist  germ.  dub  aufzustellen,  die  sich  ohne  Nasal  in  unserm
toben,  taub  (s.  d.)  wieder  findet;  als  urverwandt  gilt
griech.  typhlos  blind.  Hochdeutsche  Schreibung  ist  tumm,
das  bis  ins  18.  Ih.  dauert,  wo  die  Form  dumm,  schon
im  16.  Ih.  bisweilen  erscheinend,  sich  allein  festsetzt.
Steigerungsgrade  jetzt  nur  dummer,  dummster,  in  älterer
Spr.  ohne  Umlaut:  tummer,  tummester  Stieler:;  bist
doch  nie  dummer,  als  wenn  du.  gescheid  sein  solltest
Schiller  Kab.  1,  2;  das  dummste  wesen  Brockes
9,  199.  Der  uhd.  Begriff  ist  gegen  den  mhd.  eingeschränkt.
I)  Nachklang  älterer  Bedeutungen,  wenn  dumm  —  stumm
oder  taub  sieht:  dum,  stum  Henisch,  vgl.  mhd.  da
ich  min  leit  verswige  sam  ein  tumber  Hv  Laber  645;

dumm,  ubel  gehörend  Maaler;  tum  und  blind,  der
weder  hört  noch  sicht  ebb.;  oder  —  drehend,  schwindelnd,
  betäubt:  einen  tumm  machen  Stieler;  einkt
mit  gespaltetem  haupte  dumm  und  gedankenlos  unter
die  todten  Klopstock  Mess.  4,9;  noch  jetzt  es  wird  mir
dumm  im  kopfe,  ein  dummes  gefühl  im  kopfe  baben;
mir  wird  von  alle  dem  so  dumm  Goethe  Faust  1;  da
war  ich  dumm  und  stumm  und  taub  Bürger  Schön
Suschen;  dumm  ist  mein  kopf  und  schwer  wie  blei
Schiller  4,  17;  schärfer  auch  —  thöricht,  wild,  toll:  er
hat  seinen  dummen  tag;  von  Sachen  —  taub,  unbräftig:
  wo  nn  das  salz  thum  wird  Matth.  5,  13;  endlich
nach  mhd.  Brauche  auch  =  unwitzig,  unreif  im  Verstande:
  wo  sol  ich  mich  bin  keren,  ich  tummes  bruderlein?
  Uhland  Volksl.  581;  noch  jetzt  nicht  ganz  untergegangen:

  er  ist  noch  ein  dummer  junge;  das  kind  ist
ja  noch  dumm.  2)  gewöhnlich  aber  —  stumpsen  Ver-Ktand
  habend  und  daher  unwissend,  einfältig,  Gegensatz
gescheit,  von  lebenden  Wesen:  ich  tumber  gouoh  Minnes.
Frühl.  160;  wie  das  tumme  vich  Tob.  6,  18;  ich  thummer
  narr  Simpl.  3,  414;  dumme  tölpel,  kerle,  jungen:
Subst.:  die  dummen  .  nutzen  dir  wenig  Schiller
Fiesko  4,  14;  jetzt  häufiges  Wort  in  gemeiner  Rede:  die
dummen  werden  nicht  alle;  prädicativ:  tumm  sein,  tumm
werden  Stieler;  der  vorige  (Mann)  war  ein  wenig
gar  zu  tumm  Nabener  3,  35;  der  kerl  ist  dumm  wie
eine  latte  Isfland  Spieler  1,11;  sprichwörtlich:  er  ist
der  dummste  noch  lange  nicht;  sie  waren  nicht  die
dummsten,  sie  wuszten  über  alles  zu  sprechen  Rosegger
Waldheim.  1,  250;  adverbial:  dumm  fragen,  etwas  dumm
anstelien;  dumm  plfüge  äuglein  CF  Meyer  Nov.  1,259.
2)  von  Sachen,  einem  dummen  Menschen  gemäß,  eines
solchen  würdig:  dumme  frage,  rede,  antwort,  dummer
spasz;  wär  der  gedank  nicht  so  verwunscht  gescheidt,
man  wür  versucht,  ihn  herzlich  dumm  zu  neunen
Schiller  Picc.  2,  7;  ob  ich  was  dummes  gesagt  hütte
Eichendorff  Taugen.  24;  nichts  als  dummes  zeug

reytag  Journ.  3;  nun,  das  find  ich  dumm  Goethe
grn  1;  der  demmste  würs  von  deinen  dummen  streiehen
  Heyse  3,  181.  3)  als  Schelte  für  etwas  Widerwärtiges,
  Unangenehmes:  eine  dumme  geschichte!;
dumm!  zu  euern  zwilliugen  als  vater  stehn  zu  mussen
Wieland  Perv.  2,  42;  ich  komme  da  in  eine  dumme
patsche  Kotzebne  Verschwieg.  wid.  Will.  15.  Dazu:
Dummerjan,  Schelte  für  einen  dummen  Menschen  (aus
dummer  Johaun,  bei  SFranck  noch  ein  rechter  dumdumm

  —  Dummerjan.