Full text : Der Krieg gegen Frankreich und die Einigung Deutschlands.

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mehr  diese  unermüdlichen  Schenkel;  die  leinenen  hielten  eher  noch  vor,  aber  für  einen  Winterfeldzug  waren  sie  etwas
luftig.  Daher  schuf  sich  jeder  Ersatz  wir  er  konnte.  Die  blauen  Hosen  der  Mobilgarden,  die  schwarzen  der  Franctireurs,
  die  bunten  Beinkleider  der  bürgerlichen  Herren  Frangosen,  die  samtnen  des  Stuhzers,  die  seidenen  des
Beamten,  die  groben  des  Bauern,  sie  alle  waren  gleich  willkommen,  die  Blöße  zu  bedecken.  Daß  man  auch  die
Leibwäsche  gern  mit  frischer  vertauschte,  entsprach  dem  natürlichen  Wunsche,  Mensch  zu  bleiben.

Da  die  Zuiuhr  mit  den  größten  Schwierigkeiten  verknüpft  war,  konnten  mannigfache  unausweichliche  Bedürfnisse
  nur  auf  Kosten  der  Bevdlkerung  gedeckt  werden,  und  die  rauhe  Notwendigkeit  trat  ein,  zu  nehmen,  was
nicht  anders  zu  haben  war.  Auch  in  diesen  Gegenden  hatten  die  Bewohner,  irre  geführt  durch  die  verlogenen
Berichte  ihrer  Zeitungen,  vielfach  die  Häufer  verlassen.  Was  blieb  dem  Soldaten,  der  Obdach  haben  mußte,  übrig,  als
in  die  leeren  Wohnstätten  mit  Gewalt  einzudringen  und  dort  zu  suchen,  was  er  brauchte?!  Nachher  schrieen  die  Franzosen
  über  Plünderung.  Wo  die  Leute  geblieben  waren,  erlitten  sie  wenig
—  Schaden,  und  nirgends  wurde  wirklich  geraubt;  die  Franctireurs  griffen
*!s  oft  ganz  anders  zu.  Die  gründliche  Untersuchung  der  verlassenen  Häuser
galt  auch  nicht  Schätzen,  die  Motten  und  Rost  fressen,  sondern  solchen,
wie  sie  Menschen  zu  verzehren  lieben.  Die  Verpflegung  versagte  oft  ganz,

und  in  den  wirren  Schlachttagen  konnten  auch  die  Requisitionen  nicht
geschehen;  die  kämpfenden  Truppen  bekamen  manchmal  tagelang  buchstäblich
  nichts  zu  beißen  und  zu  brechen.  Sie  mußten  sich  selber  um
„außeretatsmäßige  Eßwaren“  kümmern.  Die  flüchtenden  Frangosen
wollten  natürlich  Wein  und  Vorräte  den  deutschen  Mägen  vorenthalten
und  vermauerten  oder  vergruben  sie.  Diese  plumpe  Schlauheit  half
ihnen  wenig,  veranlaßte  sogar  viele  Beschädigungen  der  Häuser.  Ter
E—  —--  Soldat  erlangte  frühzeitig  die  nötige  Findigkeit;  kein  nasser  Fleck  an
——  —  —  Mauern,  der  auf  frischen  Kalkbewurf  hindeutete,  entging  seinen  forschenden  Augen,  das
—  6  Ohr  hörte  fein,  wo  es  hinter  der  Wand  hohl  klang,  und  dann  fiel  rasch  die  von  den
Nußerennmähige  Shmare.  Früchten  des  Paradieses  trennende  Steinschicht  unter  kräftigen  Stößen.  Auch  der  Garten
wurde  durchmustert,  nicht  allein  nach  Gemüsen  und  Früchten.  Säbelstiche  in  den  Erdboden  verrieten,  wo  frisch  gegraben
  war;  mit  besonderm  Vergnügen  bemerkte  man,  wenn  etwa  frisch  gepflanzte  Kräuter  ihre  Häupter  welk  hängen
ließen.  Sie  konnten  in  der  That  trauern,  denn  die  Deutschen  waren  scharffsinniger  als  der  Landmann,  der  die  Stätte,
wo  er  sein  Gut  geborgen  hatte,  unkenntlich  machen  wollte.  Daß  unter  dem  übelduftenden  Mist  die  schönsten  Weinfässer
  liegen  konnten,  wußten  sie  auch.  In  den  spärlichen  Ruhestunden  ergötzten  sich  die  Soldaten  am  liebsten
mit  solchen  nahrhaften  Forschungsarbeiten.

übrigens  verheimlichten  auch  zurückgebliebene  Bewohner  häufig  ihre  Vorräte,  selbst  wenn  ihnen  reichlich  Geld
geboten  wurde.  Verstockt  beantworteten  sie  alle  Fragen  mit  einem  „nix“  oder  „caput“,  den  einzigen  deutschen
Worten,  die  sie  geläufig  redeten,  gewöhnlich  mit  lebhaft  bestätigenden  Gebärden,  den  Daumen  mit  den  Zähnen
beißend  und  ihn  dann  seitwärts  wirbelnd.  Da  mußte  gesucht  werden,  und  gewöhnlich  tranken  dann  die  Entlarpten
  fröhlich  an  einem  Tisch  mit  den  glücklichen  Findern.  Wieviel  wurde  bei  diesen  Gelegenheiten  vergeudet,
von  dem  ein  bereitwillig  gegebener  Teil  schon  den  frohen  Dank  Schmachtender  und  außerdem  Bezahlung  eingetragen
hätte!  Ahnlich  ging  es  mit  den  eßbaren  Dingen.  Zwar  sollte  der  Soldat  auch  sie  nicht  mit  Gewalt  nehmen,  doch
er  mußte  leben,  und  oft  verschleierte  der  Humor  die  übertretung.  Ein  seltsamer  Geist  war  namentlich  in  die  „Pule“,
die  Hühner,  gefahren;  sie  schienen  eine  wahre  Leidenschaft  zu  haben,  sich  unter  Wagen  und  Pferde  zu  werfen  und
tottreten  zu  lassen  wie  die  indischen  Büßer.  Die  Hähne,  von  alters  her  das  Symbol  des  gallischen  Hochmuts,
fühlten  sich  berufen,  die  Feinde  des  Vaterlandes  anzugreifen,  und  setzten  den  Krieger  in  die  Notwehr,  sie  zu  morden.
Und  wenn  die  toten  Hühner  nicht  in  den  Kochkessel  gewandert  wären,  hätten  sie  ja  ihren  Beruf  verfehlt!