Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1862. (53)

IV.  Die  Teilung  Polens  und  der  Baseler  Friede.  325

weiteren  Pläne,  die  Katharina  einst  (1782)  mit  Joseph  II.  vereinbart
  hatte,  das  heißt  der  Errichtung  einer  russischen  Sekundogenitur
  in  den  Donaufürstentümern  und  der  Erwerbung  der
Donaufestungen  von  Nicopolis  bis  Belgrad  für  Oesterreich,  dem
außerdem,  falls  ihm  Eroberungen  auf  Kosten  Frankreichs  nicht
gelängen,  das  venetianische  Festland,  Dalmatien  und  Istrien,
zugedacht  wurden.  Griff  Preußen  einen  von  beiden  Staaten
an,  so  sollte  der  andere  diesem  mit  ganzer  Kraft  Hilfe  leisten.
Wie  die  russische  Politik  im  Jannar  1793  gemeinsam  mit
Preußen  Oesterreich  übervorteilt  hatte,  bereitete  sie  jetzt  mit
diesem  Preußen  das  gleiche  Schicksal.  Unter  dem  Vorwand,
im  Interesse  Europas  der  Revolution  in  Frankreich  Einhalt  zu
thun,  ihrem  Einbruch  in  Deutschland  zu  wehren  und  die  gleichgearteten
  polnischen  Umsturzpläne  zu  hindern,  vernichtete  Katharina
  Polen  vollends  und  leitete  die  Aufteilung  der  Türkei
ein.  Aber  an  dem  Kampfe  gegen  Frankreich  selbst  teilzunehmen,
war  sie  auch  jetzt  nicht  zu  bestimmen:  sie  müsse,  behauptete  sie,
sich  bereit  halten  zur  Abwehr  eines  preußischen  Angriffs,  zumal
wenn  Preußen,  wie  nach  den  Baseler  Verhandlungen  zu  erwarten
  stehe,  sich  mit  Frankreich,  der  Türkei  und  Schweden
verbünde.  Dieser  Eventualität,  die  Hannover  bedroht  hätte,
galt  das  Bündnis  Rußlands  mit  England  vom  18.  Februar  1795,
dem  Oesterreich  am  20.  Mai  beitrat.

Als  ein  diplomatisches  Meisterstück  wird  diese  russisch-österreichische
  Aktion  anerkannt  werden  müssen.  Ohne  daß  eine  Interessengemeinschaft
  die  Dauer  ihrer  Verbindung  verbürgt  hätte,
fanden  sich  das  ins  Ungemessene  schweifende  Machtstreben  Katharinas
  und  die  unversöhnliche  Preußenfeindschaft  Thuguts
dabei  zusammen.  Franz  II.  begrüßte  einen  Vertrag  mit  Freuden,
der  ihn  nicht  bloß  hoffen  ließ,  die  Hindernisse,  die  Neid  und
Habsucht  seiner  Freundschaft  mit  der  Zarin  bereiteten,  durch
das  von  ihm  willig  anerkannte  Uebergewicht  Rußlands  beseitigt
zu  sehen,  sondern  ihm  auch  Ersatz  verhieß  für  die  Verluste,  die
er  in  einem  Kriege  erlitten,  der,  wie  er  elegisch  bemerkte,  um
seiner  Motive  willen  ein  besseres  Los  verdient  hätte.  Inzwischen
hatte  Preußen  mit  Frankreich  Frieden  gemacht  und  wollte  nun
als  führende  Macht  wenigstens  für  einen  Teil  des  Reiches  die