Die Thätigkeit der im Deutschen Reiche errichteten staatlichen
Anstalten zur Gewinnung von Thierlymphe während des
Jahres 1896.
Nach den Jahresberichten der Vorstände zusammengestellt im Kaiserlichen Gesundheitsamte.
Seit dem Jahre 1891 wird der Bedarf an Schutzpocken-Impfstoff für die im Deutschen
Reiche auszuführenden öffentlichen Impfungen durch die bestehenden 25 staatlichen Anstalten
zur Gewinnung von Thierlymphe vollständig gedeckt.
Im Berichtsjahre hat sich die Zahl der Anstalten nicht verändert. Dagegen wurde
die für den Regierungsbezirk Zwickau eingerichtete Anstalt zu Frankenberg, gleichzeitig
mit der Versetzung des Vorstandes nach Zwickau dahin verlegt, so daß in diesem Ort
das erste Thier am 15. Mai angeimpft werden konnte.
In Preußen hatte der Minister der geistlichen, Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten
schon im Jahre 1895 mittelst nachstehenden Erlasses Untersuchungen zur Vervollkommnung
des Impfstoffs veranlaßt.
„Obwohl die Impfung mit animaler Lymphe durch die Errichtung einer ausreichenden
Zahl von staatlichen Instituten zur Erzeugung thierischen Impfstoffes nunmehr in Preußen
überall sicher gestellt ist, und bei den öffentlichen Impfungen ausschließlich thierischer Impfstoff
zur Verwendung gelangt, so kann ich doch die Aufgaben der staatlichen Fürsorge auf
diesem Gebiete hiermit nicht für abgeschlossen ansehen, erachte es vielmehr im öffentlichen
Gesundheitsinteresse für wichtig, daß die Arbeiten über den animalen Impfstoff unter Mitwirkung
der Institute in umfassender und zielbewußter Weise aufs Neue ausgenommen
werden. Hierbei ist es für mich von besonderem Interesse, daß diese Arbeiten zunächst auf
die Erzielung eines praktisch verwerthbaren Impfstoffes gerichtet werden, dessen Aussehen
dem Impfarzt mehr als bei der zur Zeit in den Instituten erzeugten und abgegebenen
Lymphe ein Urtheil über die Reinheit und Güte gestattet. Von hoher praktischer Wichtigkeit
erachte ich ferner, experimentell festzustellen, ob und in welchem Maße mit der Uebertragung
von Krankheitsstoffen, insbesondere der Wundrose (Erysipelas) bei der Vaccine
gerechnet werden muß. Schließlich würden sich die Arbeiten auch auf die Erforschung der
Impfwirkung und des Wesens der Impfimmunität zu erstrecken haben. Auch würden fortdauernd
alle wichtigen Vorgänge in diesem Gebiet und die einschlägige Litteratur im Auge
behalten werden müssen.“
Zur Ausführung der angeordneten Untersuchungen wurde unter dem Vorsitz des außerordentlichen
Mitgliedes des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Geheimen Medizinalraths und
vortragenden Raths im Ministerium für geistliche, Unterrichts= und Medizinalangelegenheiten
Dr. Schmidtmann eine Kommission berufen, welche aus nachstehenden Mitgliedern
zusammengesetzt war: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Koch, Direktor des Instituts für Insektionskrankheiten,
außerordentliches Mitglied des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Professor
Dr. Pfeiffer und Dr. Frosch, Mitglieder des Instituts für Infektionskrankheiten, Sanitätsrath
Dr. Freyer, Stettin, Sanitätsrath Dr. Schulz, Berlin und Sanitätsrath Dr. Vanselow,
Köln, Dirigenten der Institute zur Gewinnung thierischen Impfstoffs. An den späteren
Mediz.-stat. Mittheil. a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte. Band IV.